Schladen

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil Schladen in der Gemeinde Schladen-Werla im Harzvorland. Für weitere Bedeutungen siehe Schladen (Begriffsklärung).

Koordinaten: 52° 1′ 0″ N, 10° 31′ 59″ O

Schladen
Wappen von Schladen
Höhe: 97 m
Einwohner: 3967 (30. Jun. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. November 2013
Postleitzahl: 38315
Vorwahl: 05335
Schladen (Niedersachsen)
Schladen

Lage von Schladen in Niedersachsen

Schladen ist ein Ortsteil und Verwaltungssitz der Gemeinde Schladen-Werla im Landkreis Wolfenbüttel (Niedersachsen).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schladen liegt südsüdöstlich des Oderwalds im nördlichen Harzvorland zwischen der Kreisstadt Wolfenbüttel im Norden und Vienenburg im Süden, südwestlich liegt Goslar und südlich Bad Harzburg. Es wird in Süd-Nord-Richtung von der Oker durchflossen, in die hiesig die Wedde (auch Weddebach genannt) einmündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Schladen 1363; stilisierte Darstellung auf der Grabplatte Bischof Heinrichs III.
Gemeindeverwaltung von Schladen-Werla im Ortskern

Schladen wurde urkundlich erstmals 1154 als „Schladheim“ (Siedlung im Sumpf) erwähnt. Der alte Dorfkern war durch einen Doppelgraben geschützt, die Ostgrenze bildete die Wedde.

Die Geschichte Schladens ist eng mit der ottonischen Königspfalz Werla verbunden, deren Reste sich etwa 2 km nördlich des Ortes finden. In Schladen lag ihr Versorgungshof, der Vorläufer der heutigen Domäne. So wie die Pfalz um etwa 1200 verfiel, verfiel auch diese Anlage. Erst Bischof Udo von Hildesheim baute sie zur Burg aus und stellte dafür einen Vogt ein. Das war Eiko von Dorstadt, der sich den Namen „von Schladen“ gab. Die Burg blieb bis 1353 im Besitz der Grafen von Schladen, wurde von Bischof Heinrich III. für das Hochstift Hildesheim erworben, gelangte zusammen mit dem Dorf nach der Hildesheimer Stiftsfehde 1523 in den Besitz der Wolfenbüttler Herzöge und fiel 1643 mit der Restitution des Großen Stifts an dieses zurück. Nach dem großen Brand von 1699 wurde auf dem Gelände 1728 die katholische Kirche erbaut. Im ausgehenden 18. Jahrhundert erhielt die Domäne einen Park, Gartenanlagen und eine Schäferei.

1803 fiel Schladen durch Reichsdeputationshauptschluss gemeinsam mit dem Hochstift Hildesheim an Preußen, 1815 jedoch an Hannover, mit dessen Annexion es 1866 erneut preußisch wurde. 1885 gelangte es zum Landkreis Goslar, mit dem es 1941 von Preußen an Braunschweig umgegliedert wurde.

Der 1750 erbaute große Schafstall der Domäne beherbergt heute die Gemeindeverwaltung, das Dorfgemeinschaftshaus und das Schützenhaus. Im Heimathaus „Alte Mühle“ findet der Besucher Grabungsfunde der Pfalz, darunter deren „Heißluftsteine“, Vorläufer einer Zentralheizung.

Im „Bocla“ (auch „Buchladen“; heute „Boklah“ westlich des Ortes), der alten Gerichtsstätte im Leragau, erblickte 1784 der wohl berühmteste Schladener, Leo von Klenze, das Licht der Welt. Er stieg später zum Hofbaumeister des bayerischen Königs Ludwig I. auf, wurde geadelt und war einer der bedeutendsten Architekten des Klassizismus (Glyptothek, Propyläen, Alte Pinakothek, Walhalla, Bauentwurf für die Neue Eremitage in Sankt Petersburg). Umfangreiche Informationen zu seinem Schaffen finden sich im Obergeschoss des Heimathauses „Alte Mühle“.

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Beuchte, Isingerode und Wehre eingegliedert[2], während Schladen im Austausch gegen Bad Harzburg dem Landkreis Wolfenbüttel zugeordnet wurde. Zusammen mit der Stadt Hornburg und den Gemeinden Gielde und Werlaburgdorf (Werla) entstand die Samtgemeinde Schladen, die zum 1. November 2013 aufgelöst und in die Einheitsgemeinde Schladen-Werla umgewandelt wurde.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde gehört zur Propstei Schöppenstedt.

Die katholische St.-Marien-Kirche gehört heute zur Pfarrgemeinde Mariä Verkündigung in Liebenburg.

Die neuapostolische Gemeinde wurde 2008 aufgelöst, sie war die älteste Gemeinde der Neuapostolischen Kirche Mitteldeutschland. Das Kirchengebäude an der Franz-Kaufmann-Straße kam in Privatbesitz und wird heute profan genutzt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2016[3][4]
Beteiligung: 54,4 % (−16,0 %p)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
66,5 %
33,5 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2013
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+6,5 %p
-0,3 %p
-6,3 %p

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat setzt sich aus neun Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Nach der Kommunalwahl am 11. September 2016 ergab sich die folgende Sitzverteilung (Veränderungen zu 2013):

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Heinz Jürgen Wiechens (SPD).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein silberner Löwe“. Durch Kriegsschäden ist eine genaue Bestimmung, wann Schladen das Wappen in seiner heutigen Form erhalten hat, nicht möglich, Vermutungen legen nahe, dass es vor 1925 vom Preußischen Staatsministerium verliehen wurde.[5] Es lehnt sich an das Schildbild der Herren von Schladen an, welche den aus dem Wirtschaftsbezirk der alten Königspfalz Werla hervorgegangenen Hof Schladen vom Bischof von Hildesheim 1110 erhielten und sich als Grafen von Schladen benannten. Im Wappen des Landkreises Goslar, zu dem Schladen bis 1974 gehörte, ist zur Erinnerung an das 1362 ausgestorbene Geschlecht derer zu Schladen ebenfalls ein weißer Löwe auf rotem Grund erhalten.

Ehemalige Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schladen pflegte Partnerschaften mit Derenburg (Stadtteil von Blankenburg/Harz) in Sachsen-Anhalt und Pays de Guitres in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf dem Weinberg befindet sich die weithin sichtbare katholische Kirche St. Marien, die 1907/08 als Ersatz für die durch Blitzschlag zerstörte Vorgängerkirche St. Joseph aus dem 19. Jahrhundert erbaut wurde.
  • Die evangelisch-lutherische Fachwerkkirche befindet sich an der Kirchstraße, wurde 1710 errichtet und 1823 um den Kirchturm ergänzt.
  • Unweit von Schladen befinden sich im Sudholz mehrere Grabhügel, deren erste Untersuchungen in den 1930er Jahren vorgenommen wurden. 1947 vermaß man 23 Hügel, von denen drei 1959 und 1961 von Alfred Tode untersucht werden konnten. Besonders ein Hügel hob sich hervor, bei dem eine 2 x 2 m große Grube angetroffen wurde, die 80 cm tief in die alte Oberfläche eingetieft war. Man fand verschiedene Holzkohlereste und Leichenbrand eines Scheiterhaufens, sowie als einzige Beigabe eine Bronzenadel mit quergeripptem, beinahe kugeligem Kopf. In gleichen Hügel befand sich auf einer höheren Ebene, unter einem Steinpflaster, eine, 50 cm im Durchmesser große Brandschüttungsgrube, von der eine unverzierte Kugelkopfnadel geborgen werden konnte. Zu den weiteren Funde Todes zählen einige Scherben und ein Steinbeil. Geländebegehungen zu Beginn der 1980er Jahre stellten 24 Grabhügel fest, von denen sind 20 in runder Form erhalten mit einem Durchmesser von 12 bis 25 m. Die vier länglichen Hügel sind 20 bis 30 m lang und 13 bis 22 m breit. In ihrer Höhe reichen sie von 0,20 m bis zu 1,60 m.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptwirtschaftszweige sind die Landwirtschaft, der Tourismus (wegen Schladens Nähe zum Harz) und die zuckerverarbeitende Industrie. In Schladen steht eine Zuckerfabrik der Nordzucker AG. Größter Arbeitgeber ist die Grotjahn-Stiftung.

Eine Attraktion ist die Schlangenfarm von Schladen, eine der größten Schlangenfarmen Europas. Besitzer ist der zweimalige Weltmeister im so genannten „Schlangen sit-in“ Jürgen Hergert.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schladen befindet sich unmittelbar östlich der A 395 sowie an der B 82 und ist darüber hinaus mit dem Bahnhof Schladen (Harz) an die Bahnstrecke Braunschweig–Bad Harzburg angebunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schladen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zahlen, Daten und Fakten aus der Gemeinde Schladen-Werla, abgerufen am 24. Oktober 2015
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 271.
  3. Ergebnis der Ortsratswahl Schladen 2013 auf der Webseite der Gemeinde Schladen-Werla, abgerufen am 24. Oktober 2015
  4. Ergebnis der Ortsratswahl Schladen 2016 auf der Webseite der Gemeinde Schladen-Werla, abgerufen am 2. Oktober
  5. Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Band 5. Angelsachsen-Verlag, Bremen 1970, S. 71.
  6. Otto-Mathias Wilbertz: Schladen, Grabhügelfeld im Sudholz. In: Wolf-Dieter Steinmetz (Hrsg.): Das Braunschweiger Land. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 34. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1308-9, S. 322–324.