Schlagempfindlichkeit

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Die Schlagempfindlichkeit bezeichnet das Verhalten eines Stoffes (meist eines Sprengstoffes) gegenüber mechanischer Belastung. Das Kriterium ist dabei, dass sich der Stoff unter der Einwirkung einer definierten Schlagenergie mit hörbarem Knall explosiv zersetzt.

Prüfmethode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Prüfmethode wird der von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) entwickelte BAM-Fallhammertest verwendet. Dieser ermöglicht durch das Fallen eines Gewichts aus einer bestimmten Höhe auf einen Prüfkörper die Prüfung mit einer definierten Schlagenergie. Diese ergibt sich aus dem Produkt von Fallhöhe und Gewicht und wird in der Einheit Joule (J) angegeben.

Einstufungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sinne des Sprengstoffgesetzes sowie der Verordnung (EG) Nr. 440/2008 der Europäischen Kommission gilt ein Grenzwert von 40 Joule, unter dem eine Einstufung als explosionsgefährlicher Stoff erfolgt. Der Fallhammertest gehört neben der Prüfung auf Reibempfindlichkeit und dem Stahlhülsentest zu den nach dem Sprengstoffgesetz vorgeschriebenen Prüfungen. Die Prüfung ist beschrieben als Test 3(a)(ii) innerhalb der Testserie 3 Teil der Prüfschemata zur Klassifizierung von Explosivstoffen der Klasse 1 im Sinne der Gefahrgutvorschriften.[1] Hier wird das Ergebnis als positiv bewertet, wenn bei sechs Versuchen mit einer Schlagenergie von zwei Joule oder weniger mindestens einmal eine Explosion beobachtet wird.[1]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stoffe mit hoher Schlagempfindlichkeit (Schlagenergie < 0,5 J) wie zum Beispiel Nitroglyzerin oder Stickstofftrichlorid müssen gut vor Erschütterungen und Stößen geschützt werden, da sie sonst sehr leicht detonieren. Weitere Beispiele von Explosivstoffen (sortiert nach abnehmender Schlagempfindlichkeit) sind Silberazid (Schlagenergie 1 J)[2], PETN (3 J)[3], Pikrinsäure (7,5 J)[2], Trinitrotoluol (15 J)[2], Ammoniumperchlorat (25 J)[2] und TATB (50 J).

Andere Prüfmethoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Gefahrgutvorschriften sind weitere Prüfmethoden zur Überprüfung der Schlagempfindlichkeit beschrieben, die in anderen Staaten entwickelt wurden. Das sind im Folgenden:

  • Prüfung 3(a)(i) Bureau of Explosives Fallhammer (USA)[4]
  • Prüfung 3(a)(iii) Rotterprüfung (Großbritannien)[5]
  • Prüfung 3(a)(iv) 30 kg Fallhammerprüfung (Frankreich)[6]
  • Prüfung 3(a)(v) Modifizierter Typ-12-Schlagapparat (Canada)[7]
  • Prüfung 3(a)(vi) Schlagempfindlichkeitsprüfung (Russland)[8]

Die Gefahrgutvorschriften empfehlen für die Prüfung von Explosivstoffen den BAM-Fallhammertest als bevorzugte Prüfmethode.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter - Handbuch über Prüfungen und Kriterien, Fünfte überarbeitete Ausgabe, ST/SG/AC.10/11/Rev.5, Vereinte Nationen New York und Genf, 2009, Deutsche Übersetzung 2015 durch die BAM, S. 80–87, pdf.
  2. a b c d Berthold, W.; Löffler, U.: Lexikon sicherheitstechnischer Begriffe in der Chemie, Verlag Chemie Weinheim 1981, ISBN 3-527-25894-9.
  3. Köhler, J.; Meyer, R.; Homburg, A.: Explosivstoffe, zehnte, vollständig überarbeitete Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32009-7.
  4. Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter - Handbuch über Prüfungen und Kriterien, Fünfte überarbeitete Ausgabe, ST/SG/AC.10/11/Rev.5, Vereinte Nationen New York und Genf, 2009, Deutsche Übersetzung 2015 durch die BAM, S. 74–79, pdf
  5. Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter - Handbuch über Prüfungen und Kriterien, Fünfte überarbeitete Ausgabe, ST/SG/AC.10/11/Rev.5, Vereinte Nationen New York und Genf, 2009, Deutsche Übersetzung 2015 durch die BAM, S. 88–95, pdf
  6. Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter - Handbuch über Prüfungen und Kriterien, Fünfte überarbeitete Ausgabe, ST/SG/AC.10/11/Rev.5, Vereinte Nationen New York und Genf, 2009, Deutsche Übersetzung 2015 durch die BAM, S. 96–99, pdf
  7. Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter - Handbuch über Prüfungen und Kriterien, Fünfte überarbeitete Ausgabe, ST/SG/AC.10/11/Rev.5, Vereinte Nationen New York und Genf, 2009, Deutsche Übersetzung 2015 durch die BAM, S. 100–103, pdf
  8. Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter - Handbuch über Prüfungen und Kriterien, Fünfte überarbeitete Ausgabe, ST/SG/AC.10/11/Rev.5, Vereinte Nationen New York und Genf, 2009, Deutsche Übersetzung 2015 durch die BAM, S. 104–110, pdf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verordnung (EG) Nr. 440/2008 der Kommission vom 30. Mai 2008 zur Festlegung von Prüfmethoden gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), Testmethode A.14 Explosionsgefahr.
  • UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods, Manual of Tests and Criteria, Fifth Revisited Edition 2009, United Nations Publication, New York and Geneva, ISBN 92-1-139087-7.
  • DIN EN-13631-4 Explosivstoffe für zivile Zwecke - Sprengstoffe - Bestimmung der Schlagempfindlichkeit von Explosivstoffen, Beuth Verlag.
  • Köhler, J.; Meyer, R.; Homburg, A. Explosivstoffe, Zehnte vollständig überarbeitete Auflage, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co KGaA, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32009-7.
  • Thomas M. Klapötke: Chemistry of High-Energy Materials, 3rd Edition, 2015 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston, S. 149–153, ISBN 978-3-11-043932-8, e-ISBN (PDF) 978-3-11-043933-5, e-ISBN (EPUB) 978-3-11-043047-9, (abgerufen über De Gruyter Online).