Schlankbeutelratten

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Schlankbeutelratten
Graue Schlankbeutelratte (Marmosops incanus)

Graue Schlankbeutelratte (Marmosops incanus)

Systematik
ohne Rang: Synapsiden (Synapsida)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beuteltiere (Marsupialia)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Gattung: Schlankbeutelratten
Wissenschaftlicher Name
Marmosops
Matschie, 1916

Die Schlankbeutelratten (Marmosops) sind eine Gattung aus der Familie der Beutelratten (Didelphidae). Sie sind in Amerika beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet reicht von Panama bis ins mittlere Südamerika.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlankbeutelratten sind mausähnliche Beuteltiere, die allerdings keinen Beutel besitzen. Ihr Fell ist an der Oberseite grau oder braun gefärbt, die Unterseite ist heller, oft weißlich. Wie alle kleineren Beutelratten haben sie große Augen, eine spitze Schnauze und große Ohren. Diese Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 9 bis 16 Zentimetern und eine Schwanzlänge von 11 bis 22 Zentimetern.

Lebensraum der Schlankbeutelratten sind vorwiegend Wälder, manchmal kommen sie auch auf Plantagen vor. Es sind nachtaktive Einzelgänger, die meistens in den Bäumen leben, manchmal aber auch auf den Boden kommen. Tagsüber schlafen sie in Nestern aus Blättern und Zweigen oder verwenden leere Vogelnester. Sie sind Allesfresser, die in erster Linie Insekten und Früchte zu sich nehmen. Manchmal verzehren sie auch kleine Wirbeltiere und Vogeleier.

Da die Weibchen keinen Beutel haben, schleppen sie die Jungtiere in den ersten Lebensmonaten an ihrem Körper hängend mit sich herum. Wie bei allen Beutelratten ist die Tragzeit kurz (rund 14 Tage), die Wurfgröße hoch (6 bis 7) und die Lebenserwartung gering.

Schlankbeutelratten werden vom Menschen nicht direkt verfolgt, leiden aber am Verlust des Lebensraumes durch Waldrodungen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1989 wurden die Schlankbeutelratten in die Gattung der Zwergbeutelratten (Marmosa) eingeordnet. Die beiden Gattungen unterscheiden sich jedoch in Details des Schädelbaus und durch eine Drüse am Kehlkopf, die bei den Männchen der Schlankbeutelratten im Gegensatz zu den Zwergbeutelratten fehlt.

Zur Gattung Marmosops gehören über 20 Arten:[En 1]

Im Beuteltierband des Handbook of the Mammals of the World werden zwei weitere Arten genannt, die Neblina-Schlankbeutelratte (M. neblina Gardner, 1990) aus dem westlichen Amazonasbecken und Tschudis Schlankbeutelratte (M. impavidus Tschudi, 1845) aus dem nordwestlichen Südamerika.[En 1] Erstere ist möglicherweise ein Synonym von Marmosops caucae und die Bezeichnung Marmosops impavidus wurde in der Vergangenheit für zwei verschiedene Arten genutzt und da ein Typusexemplar nicht auffindbar ist gilt die Art gegenwärtig als Nomen dubium.[En 4]

Die verwandtschaftlichen Beziehungen eines großen Teils der Arten der Schlankbeutelratten untereinander verdeutlicht das folgende Kladogramm:[En 4]

 Marmosops  
 Untergattung Marmosops 

 Marmosops incanus


   

 Marmosops paulensis


   



 Marmosops ‘Condor A’


   

 Marmosops ‘Condor B’



   

 Marmosops caucae u. Marmosops ucayaliensis[Anm 1]



   


 Marmosops soinii


   

 Marmosops ‘Juruá’


   

 Marmosops ocellatus




   

 Marmosops creightoni


   

 Marmosops noctivagus







 Untergattung Sciophanes 


 Marmosops handleyi


   

 Marmosops invictus


   

 Marmosops fuscatus


   

 Marmosops carri





   

 Marmosops bishopi


   


 Marmosops magdalenae


   

 Marmosops chucha



   

 Marmosops ojastii






Das Kladogramm zeigt das es in der Untergattung Marmosops drei bisher nicht beschriebene Arten (Marmosops ‘Condor A’, Marmosops ‘Condor B’ und Marmosops ‘Juruá’) gibt. Diese drei Arten kommen alle in Peru, am Ostabhang der Anden, sowie im östlich davon gelegenen peruanischen Teil des Amazonasregenwaldes und Marmosops ‘Juruá’ auch im angrenzenden westlichen Brasilien und im nördlichen Bolivien vor.[En 4]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marmosops caucae und Marmosops ucayaliensis unterscheiden sich in ihrem Cytochrom b-Genom zu 3,9 %, morphologisch aber kaum. Deshalb ist es unklar ob es sich um verschiedene Arten handelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Diego Astúa: Family Didelphidae (Opossums). Seite 180–186 in Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier: Handbook of the Mammals of the World – Volume 5. Monotremes and Marsupials. Lynx Editions, 2015, ISBN 978-84-96553-99-6
  2. a b Juan F. Díaz‐Nieto, Robert S. Voss (2016). "A Revision of the Didelphid Marsupial Genus Marmosops, Part 1. Species of the Subgenus Sciophanes". Bulletin of the American Museum of Natural History. 402: 1–70. doi:10.1206/0003-0090-402.1.1
  3. Robert S . Voss, David W. Fleck, and Sharon A.Jansa: Mammalian Diversity and Matses Ethnomammalogy in Amazonian Peru Part 3: Marsupials (Didelphimorphia) Bulletin of the American Museum of Natural History, 2019(432):1-90. doi:10.1206/0003-0090.432.1.1
  4. a b c Juan F. Díaz‐Nieto, Sharon A. Jansa, Robert S. Voss: DNA sequencing reveals unexpected Recent diversity and an ancient dichotomy in the American marsupial genus Marmosops (Didelphidae: Thylamyini). Zoological Journal of the Linnean Society 176: 914–940. doi: 10.1111/zoj.12343

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marmosops – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien