Schlatenkees

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schlatenkees
Schlatenkees von Nordosten, von der Alten Prager Hütte (2005)

Schlatenkees von Nordosten, von der Alten Prager Hütte (2005)

Lage Osttirol, Österreich
Gebirge Venedigergruppe
Typ Talgletscher
Länge 6,1 km (2010)[1][2]
Fläche 9 km² [3]
Exposition Nordost
Höhenbereich 3670 m – 2100 m
Eisdicke ⌀ 41 m; max. 105 m (1987)[4]
Eisvolumen 0,378 km³ (1987)[4]
Koordinaten 47° 6′ 37″ N, 12° 22′ 48″ OKoordinaten: 47° 6′ 37″ N, 12° 22′ 48″ O
Schlatenkees (Tirol)
Schlatenkees
Entwässerung Schlatenbach → GschlößbachTauernbachIselDrau
Schlatenkees (2020), links im Bild die große Seitenmoräne von 1850

Schlatenkees (2020), links im Bild die große Seitenmoräne von 1850

Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/Bildbeschreibung fehlt

Das Schlatenkees ist ein Gletscher in der Venedigergruppe und liegt in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern, östlich des Großvenedigers. Er befindet sich auf dem Gebiet der Osttiroler Gemeinde Matrei. Mit einer Fläche von etwa 9 km² ist das Schlatenkees der größte Talgletscher Osttirols und nach dem Obersulzbachkees der zweitgrößte Gletscher der Venedigergruppe.[3] Die Exposition ist vorwiegend östlich, im obersten Bereich auch südöstlich.

Oberer Keesboden des Schlatenkeeses, von der Kristallwand
Zunge und Gletschertor im Jahr 2011
Unterer Keesboden 2020

Das relativ flache Nährgebiet des Gletschers wird als Oberer Keesboden bezeichnet, es wird von den höchsten Gipfeln der Venedigergruppe umrahmt: Groß- sowie Kleinvenediger (3667 m bzw. 3470 m), Hohes Aderl (3504 m), Rainerhorn (3559 m), Schwarze Wand (3511 m) und Hoher Zaun (3467 m). In einem mächtigen Eisbruch fließt der Gletscher zum Unteren Keesboden, einem flachen Bereich auf einer Höhe von etwa 2300 Metern. Am Unteren Keesbodens fließt von Süden, von der Kristallwand kommend, ein Teilstrom zu. Das wenig zerklüftete Zungenende befindet sich auf einer Höhe von 2100 Metern, oberhalb einer Steilstufe. Der nördliche Teil der Zunge ist weitgehend schuttfrei, während das südliche Zungenende, das das Ende des aus dem von der Kristallwand kommenden Stroms bildet, vollkommen von Schutt bedeckt ist.[5] Am Ende der Zunge befand sich bis zum Sommer 2014 ein gut zu sehendes Gletschertor, aus dem der Schlatenbach austrat. Dieser vereinigt sich am Talboden des Gschlösstales mit dem Viltragenbach und diese bilden den Gschlössbach, der über Tauernbach, Isel, Drau und Donau ins Schwarze Meer entwässert. Das Gletschertor stürzte im Spätsommer 2014 ein, eine Gletscherstirn gibt es seit 2017 nicht mehr, der Untere Keesboden zeigt sich zerfurcht und spaltenreich, statt der einstigen Wölbung zeigen sich großflächige, tiefe Trichter. Deshalb wird vor dem Betreten des Eises gewarnt – die Ränder können brüchig sein und zum Fels hin gibt es oft breite Randklüfte. Ein Ausrutschen auf dem schuttübersäten Fels birgt die Gefahr, unter die Eisdecke zu rutschen. Zwischen 1988 und 2018 hat sich das Schlatenkees um 470 Meter zurückgezogen, davon zwei Drittel nach 2005 und allein von 2014 bis 2017 um 180 Meter.[6] 2019 betrug der Rückzug knapp 70 Meter.[7]

Beim letzten Gletscherhöchststand um 1850 floss der Gletscher noch über die unterhalb des heutigen Zungenendes liegende Steilstufe bis in den Talboden des Gschlösstales hinab, er überschritt den Gschlössbach in der ganzen Breite und reichte am Gegenhang noch 20 bis 25 Meter hinauf. Das Zungenende lang damals auf einer Höhe von 1720 Metern und war das am tiefsten gelegene Gletscherende der gesamten Ostalpen. Seither ist der Gletscher bis auf kurze Unterbrechungen kontinuierlich zurückgegangen. In diesem damals noch vom Gletscher bedeckten Gebiet, im Vorfeld des heutigen Gletschers, wurde 1978 der Gletscherweg Innergschlöß errichtet.[5]


Literatur und Karten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Stüber, Norbert Winding: Erlebnis Nationalpark Hohe Tauern. Band Tirol. Seite 69, Tiroler Nationalparkfonds Hohe Tauern, 2. Auflage, Matrei in Osttirol 2003, ISBN 3-7022-1937-4
  • Alpenvereinskarte Blatt 36, 1:25.000, Venedigergruppe. ISBN 3-928777-49-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. WGMS: Fluctuations of Glaciers Database. World Glacier Monitoring Service, Zurich 2012 (DOI:10.5904/wgms-fog-2012-11), abgerufen am 7. Februar 2013
  2. World Glacier Monitoring Service (WGMS): Fluctuations of Glaciers 2005–2010 (Vol. X). Zürich 2012 (online (Memento des Originals vom 5. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.geo.uzh.ch; PDF-Datei; 4,81 MB)
  3. a b Nationalpark Hohe Tauern, Osttirol: Exkursionsbericht Gschlösstal. 2003 (online (Memento des Originals vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hohetauern.at)
  4. a b Universität Wien, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Seismische Eisdickenmessungen österreichischer Gletscher. In: Archiv für Lagerstättenforschung der Geologischen Bundesanstalt. Wien 1987, Band 8, S. 27f (online; PDF-Datei; 320 kB)
  5. a b Eberhard Stüber, Norbert Winding: Erlebnis Nationalpark Hohe Tauern. Band Tirol. Seite 69, Tiroler Nationalparkfonds Hohe Tauern, siehe Literatur
  6. Hannes Schlosser: Gletscherweg Innergschlöß Venedigergruppe. Hrsg.: Österreichischer Alpenverein, Abteilung Raumplanung und Naturschutz (= Naturkundlicher Führer). 5. Auflage. Innsbruck 2018, S. 94–99.
  7. Susanne Schaber: Bis ans Ende der Welt. In: Frankfurter Allgemeine. 3. Juli 2020, abgerufen am 2. November 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schlatenkees – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien