Schlehenlikör

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Schlehenlikör, auch Sloe Gin (von engl. sloe = ‚Schlehe‘) oder Schlehenfeuer, bezeichnet einen Likör aus den Früchten des Schlehdorns (Schlehen, Schlehenbeeren), einer mit Zwetschgen verwandten Steinobstart.

Bei der Herstellung werden die Schlehenfrüchte in Alkohol mazeriert, zusätzlich entzieht Zucker den Saft aus den Früchten. Die in den Kernen der Schlehenfrüchte enthaltene Blausäure verleiht Schlehenlikören ein bittermandelähnliches Aroma.

Traditionelle Rezepte[Bearbeiten]

Für die Herstellung von Schlehenlikör sind viele Hausrezepte überliefert. Zumeist werden dafür reife Schlehenfrüchte, die nach dem ersten Frost geerntet werden, mit Zucker und Korn, Wodka, Gin oder Rum angesetzt. Als weitere Aromen werden auch manchmal Zimt, Nelken, Muskat oder Sternanis beigegeben. Dieser Ansatz wird für mehrere Wochen oder Monate gelagert, dann gefiltert und abgefüllt.

Schlehenliköre[Bearbeiten]

  • Unter dem Namen „SchlehenFeuer“ produziert und vertreibt die Mast-Jägermeister SE einen Likör mit einem Alkoholgehalt von 38 % Vol., der nach Firmenangaben aus wilden Schlehen hergestellt wird und karibischen Rum enthält. Insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren wurde das Produkt stark beworben. Meist hat der Likör eine hellrote Färbung.
  • Pacharán ist ein spanischer Schlehenlikör aus der Region Navarra.
  • In Frankreich ist für Schlehenlikör die Bezeichnung Prunelle geläufig.
  • In Italien gibt es den Schlehenlikör Bargnolino, der vor allem in der Provinz Piacenza hergestellt wird.

Sloe Gin[Bearbeiten]

Sloe Gin ist die übliche englische Bezeichnung für Schlehenlikör und umfasst sowohl selbst hergestellte wie auch kommerziell vertriebene Produkte.

In der Europäischen Union ist Sloe Gin als ein Likör mit einem Alkoholgehalt von mindestens 25 % Vol. (andere Liköre: mindestens 15 % Vol.) definiert, der durch Mazeration von Schlehen(früchten) entsteht.[1] Dabei ist die Zugabe von Schlehensaft möglich. Ansonsten dürfen lediglich natürliche Aromastoffe und Aromaextrakte verwendet werden. Wie jeder Likör muss auch Sloe Gin einen Mindestzuckergehalt entsprechend 100 g Invertzucker pro Liter aufweisen, ist aber oft weniger süß als andere Fruchtliköre. Anders als der Name andeutet, muss zur Herstellung kein Gin verwendet werden, wie es früher der Fall war (daher der Name); es genügt Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs. Viele Hersteller verwenden jedoch nach wie vor noch echten Gin.

Sloe Gins waren lange in Vergessenheit geraten, erfreuen sich aber in jüngster Zeit wieder zunehmender Beliebtheit und werden von verschiedenen Herstellern angeboten, darunter Gordon's (26 % Vol.), Boudier (25 % Vol.), Cowen (26 %), Hayman's (26 % Vol.), Plymouth (26 % Vol.) und das Münchener Unternehmen The Bitter Truth (28 % Vol.).

In Dorstone (Herefordshire) gibt es jedes Jahr im Januar eine Sloe Gin Competition (Sloe-Gin-Wettbewerb), bei dem Preise für selbst angesetzte Sloe Gins vergeben werden.[2]

Ein bekannter Cocktail mit Sloe Gin ist der Sloe Gin Fizz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EU-Spirituosenverordnung (PDF) (Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2008 zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 1576/89), Anhang II Nr. 37, abgerufen am 28. Dezember 2012.
  2. Golden Valley annual Sloe Gin Competition prepares for kick off Hereford Times, 11. Januar 2011 (englischsprachig), aufgerufen am 28. Dezember 2011.