Schleifer Dialekt

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Schleifer Dialekt

Gesprochen in

Deutschland: Oberlausitz
Sprecher weniger als 1000
Linguistische
Klassifikation

Der Schleifer Dialekt (sorbisch Slepjanska narěč oder slepjanšćina) ist ein Übergangsdialekt der ober- und niedersorbischen Sprachen, der in der Schleifer Region gesprochen wird. Unter den sorbischen Dialekten ist der Schleifer Dialekt am nächsten mit dem Muskauer Dialekt verwandt, dessen Sprachterritorium östlich angrenzt. Von Slawisten werden diese beiden Dialekte eher dem Niedersorbischen als dem Obersorbischen zugeordnet.

Der Schleifer Dialekt wird überwiegend mündlich weitergegeben und hat keine eigene moderne Schriftsprache. Schriftstücke im Schleifer Dialekt entsprechen daher keiner standardisierten Grammatik oder sind mit einer der beiden Standardsprachen versetzt.

Der sorbische Halbbauer Hanso Nepila aus Rohne, der als erster nichtgeistlicher Schriftsteller auf Sorbisch schrieb, verfasste seine Texte ausschließlich im Schleifer Dialekt. Auf dem Friedhof in Rohne findet sich zudem an den historischen Grabsteinen eine der größten Sammlungen historischer Inschriften im Schleifer Dialekt.[1]

Innerhalb des Verbreitungsgebiets, das sich nahezu mit dem der Schleifer Tracht deckt, sind leichte Unterschiede zwischen Groß Düben und Halbendorf auf der einen, und den anderen fünf Dörfern auf der anderen Seite feststellbar.

Der 2011 im Kirchspiel Schleife gegründete Verein Kólesko ist um die Dokumentation, Publikation und Pflege des Schleifer Dialekts, des Liedguts und der Schleifer Tracht bemüht.[2] Für ihren „herausragenden Beitrag zur Revitalisierung des Schleifer Sorbisch“ erhielten die Kólesko-Mitglieder Juliana Kaulfürst und Dieter Reddo 2018 den Zejler-Preis des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachliteratur über den Schleifer Dialekt
  • Arnulf Schroeder: Die Laute des wendischen (sorbischen) Dialekts von Schleife in der Oberlausitz. Lautbeschreibung. Hrsg.: Reinhold Olesch, Walter Schlesinger, Ludwig Erich Schmitt (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 14). Böhlau-Verlag, Köln 1958.
  • Hélène B. Brijnen: Die Sprache des Hanso Nepila. Der niedersorbische Dialekt von Schleife in einer Handschrift aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts (= Schriften des Sorbischen Instituts. Band 35). Domowina-Verlag, Bautzen 2004, ISBN 3-7420-1941-4.
Literatur im Schleifer Dialekt
  • Hync Richter (Hrsg.): Schleifer Lesebuch – Texte aus zwei Jahrhunderten im sorbischen Dialekt von Schleife und in Deutsch. 2. Auflage. Domowina-Verlag, Bautzen 1996, ISBN 3-7420-1601-6.
  • Hanso Nepila, Fabian Kaulfürst (Übers.), Hync Richter (Übers.): Im Kämmerlein hab ich geschrieben – ein Lesebuch. Domowina-Verlag, Bautzen 2006, ISBN 978-3-7420-2043-7.
  • Šymko: Stare lube kěrliški slepjanskeje wosady. Bautzen 1884. (volkstümliche Passions- und Osterlieder der Schleifer Gemeinde)
  • Kólesko (Hrsg.): Daj mi jeno jako, how maš hobej dwě, Slěpjański spiwnik – Schleifer Liederbuch (160 Volkslieder im Schleifer Sorbisch). 1. Auflage. 2013, ISBN 3-930625-54-7 (Buchvorstellung).
  • Njepilic dwór Rowne, Kólesko (Hrsg.): Kak to jo było – 1000 Slěpjańskich słowow, Wie es einmal war – 1000 Wörter Schleifer Sorbisch. 1. Auflage. 2016, ISBN 978-3-930625-58-1 (Buchvorstellung).
  • Kólesko (Hrsg.): Kak Slěpjańska cerkwja swój torm krydła, Slěpjańske ludowe powjesći – Schleifer Sagenbuch (152 Sagen und Erzählungen im Schleifer Sorbisch). 1. Auflage. 2018, ISBN 978-3-9819636-0-1 (Buchvorstellung).
  • Kólesko (Hrsg.): Něnter comy Boga chwalić, Slěpjańske spiwarske knigły – Schleifer Gesangbuch (50 Kirchenlieder, 12 Psalmen und Gebete, sowie 5 Volkslieder im Schleifer Sorbisch). 1. Auflage. 2019, ISBN 978-3-9819636-2-5 (Buchvorstellung).
  • Weiterhin hatte Ernst Mucke 24 Volkslieder aus Schleife und Umgebung 1883 in Časopis Maćicy Serbskeje veröffentlicht.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trudla Malinkowa: Der alte Friedhof in Rohne/Stare pohrjebnišco w Rownom. Eine Dokumentation. Lusatia Verlag, Bautzen 2011, ISBN 978-3-936758-72-6.
  2. Verein. Kólesko, abgerufen am 23. Dezember 2019.
  3. Juliana Kaulfürst und Dieter Reddo erhalten Zejler-Preis 2018. Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, 18. April 2018, abgerufen am 23. Dezember 2019.