Schlinig

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Schlinig
Italienische Bezeichnung: Slingia
20090816-Schlinig Kirche.jpg
Die Pfarrkirche von Schlinig
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Südtirol (BZ)
Gemeinde: Mals
Koordinaten: 46° 42′ N, 10° 28′ O46.70510.4736111111111726Koordinaten: 46° 42′ 18″ N, 10° 28′ 25″ O
Höhe: 1726 m s.l.m.
Einwohner: 188 (2011)
Patron: Antonius der Große
Kirchtag: 17. Jänner
Fraktionsvorsteher: Erwin Sauer
Telefonvorwahl: 0473 CAP: 39024
Website: [Infos über die Fraktion Offizielle Website]

Schlinig (italienisch Slingia) ist eine Fraktion der Gemeinde Mals in Südtirol (Italien) in der Nähe der Schweizer Grenze. Das Dorf befindet sich im Schlinigtal, einem Seitental des Vinschgaus.

Etymologie[Bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wurde Schlinig erstmals im Jahre 1159 als „Sliniga“ (Mundart: „Schlini“; amtlicher italienischer Name: Slingia). Der Name stammt vom vorrömischen „Salinica“ ab, was „zum kleinen Bachtal gehöriges Gelände“ bedeuten soll.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die alte Mühle in Schlinig

Schlinig gehörte früher zur Urpfarre St. Stefan. Das ist ein sicherer Hinweis, dass es zumindest schon in karolingischer Zeit besiedelt gewesen sein muss. Nach der Gründung des Klosters Marienberg wurde die seelsorgliche Betreuung von dessen Mönchen übernommen. Das Kloster wurde 1220 der fast alleinige Grundherr des Tales und übte zudem die niedere Gerichtsbarkeit bis 1875 aus. Im 15. Jahrhundert erhielt Schlinig eine kleine, gotische, dem hl. Antonius Abbas geweihte Kirche, die 1775 umgebaut wurde und einen Zwiebelturm angebaut bekam.[2] Der spätbarocke Altar (1763), zwei Altarbilder mit geschnitztem Rahmen, Anna Selbdritt (um 1700) und Antonius von Padua 1679, ein Weihwasserstein aus weißem Marmor (16. Jahrhundert) und eine in Sterzing gegossene Glocke von 1587 bilden die sehenswertere Einrichtung.[3]

Bemerkenswert ist eine Gemeindeordnung aus dem Marienberger Archiv vom Jahre 1532, die in deutscher Sprache abgefasst ist: Die Hofgemeinschaft wählte jährlich am 1. Mai nicht nur einen Dorfmeister und einen Saltner (Fluraufseher), sondern auch einen Wirt. Dem Schutz des Waldes vor Raubbau und der Weidewirtschaft wird darin große Aufmerksamkeit gewidmet.[4] Deutsch als Sprache dieses Dokuments ist deshalb bemerkenswert, weil das Umfeld des Klosters im oberen Vinschgau damals noch sehr stark von der rätoromanischen Sprache geprägt war. Das Kloster war aber nach dem Schwabenkrieg und nach dem Vordringen der Reformation im Engadin – auch als starker Arm der weltlichen Behörden – maßgeblich daran beteiligt, eine gezielte Eindeutschungspolitik durchzusetzen, mit der das Rätoromanische im Vinschgau als gesprochene Sprache letztendlich ausstarb. Mit diversen – auch Druck und Zwang beinhaltenden – Maßnahmen sollte die Vinschger Bevölkerung von den politisch nun faktisch unabhängigen Bündnern und vom reformatorischen Gedankengut, das sich in der Nachbarschaft jenseits der Grenze ausbreitete, sprachlich isoliert werden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Früher war Schlinig ganz auf die Berglandwirtschaft ausgerichtet. Um 1900 begann der Alpintourismus seine Fühler in diese Gegend auszustrecken. 1901 erbaute die Sektion Pforzheim des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins in Rekordzeit die Pforzheimer Hütte nahe dem Schlinigpass. Um 1910 wurde der Passübergang durch den Bau des Felsensteiges durch die Uina-Schlucht in das Engadiner Sent begehbar gemacht. Nach dem Krieg diente die Hütte als Stützpunkt für italienische Zöllner, die den regen Schmuggel über den Pass durch ihre Präsenz bis 1972 vergeblich einzudämmen versuchten. Für die Gäste wurde eine neue Hütte, die Sesvennahütte, errichtet: 2256 m s.l.m. hoch gelegen, bewirtschaftet sommers von Mitte Juni bis Ende Oktober und winters von Ende Februar bis Mitte Mai, 78 Matratzenlager, Winterraum mit 6 Lagern offen, Gehzeit von Schlinig: 1,75 Stunden. Der Fremdenverkehr spielt neben der nach wie vor dominierenden Landwirtschaft von Jahr zu Jahr eine immer wichtigere Rolle. Großer Impulsgeber dafür ist im Winter der Skilanglauf.

Sport[Bearbeiten]

Schlinig ist ein beliebtes Wandergebiet und ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die Sesvennagruppe (Piz Sesvenna 3205 m s.l.m. und Muntpitschen 3162 m s.l.m. im Talhintergrund) und ins Unterengadin. Es ist ein Eldorado für Langlaufsportler. Sozusagen um die Ecke und leicht erreichbar ist das Skigebiet Watles. Außerdem befindet sich in der Ortschaft eine anspruchsvolle Rollerskaterbahn.

Schlinig erhielt im Jahr 2008 ganz kurzfristig den Zuschlag für die Ausrichtung der Junioren-Weltmeisterschaft im Langlauf (23.–29. Februar 2008).[5]

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Franz Abart, ein in Schlinig geborener, mit 14 Jahren in die Schweiz ausgewanderter und dort sehr bekannt gewordener Bildhauer
  • Barbara Moriggl, Langläuferin der italienischen Nationalmannschaft
  • Thomas Moriggl, aktiver Langläufer der italienischen Nationalmannschaft

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte, Band 1. Athesia, Bozen 1991 (herausgegeben vom Landesdenkmalamt Bozen).
  2. Josef Rampold: Vinschgau. Athesia, Bozen 1971.
  3. Josef Weingartner: Bozen und Umgebung, Unterland, Burggrafenamt, Vinschgau. Athesia, Bozen 1991, (Die Kunstdenkmäler Südtirols, 2. Band).
  4. Zeitschrift Der Schlern, Jahrgang 1964, S. 26 ff.
  5. Bericht von der Eröffnung

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlinig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Schlinig auf der Website der Gemeinde Mals