Schloßbergbühne Kasematten

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Die Schloßbergbühne
Die Schloßbergbühne (2014)

Die Schloßbergbühne Kasematten, auch bekannt als die Kasemattenbühne, ist eine Freilichtbühne auf dem Grazer Schloßberg.[1] Im Grazer Bezirk Innere Stadt gelegen ist sie Teil des UNESCO-Welterbe-Areals Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg.[2] Der Name ist von dem als Kasematte bekannten Kellergewölbe des früheren Schlosshauptmannhauses der Burg am Grazer Schloßberg abgeleitet, das den baulichen Rahmen bildet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg auf dem Grazer Schloßberg, Kupferstich von Matthäus Merian, erschienen 1679

Im 12. Jahrhundert wurde mit dem Bergfried der Bau der Höhenburg auf dem Schloßberg begonnen und im Laufe der Zeit mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden ergänzt. Im Jahr 1577 wurde der Palas abgetragen und an seiner Stelle 1594 das Haus des Schlosshauptmannes mit einem umfangreichen Kellergewölbe errichtet, das später als Kasematte bezeichnet wurde.[3] Nach der Niederlage der Truppen des Kaisertums Österreich gegen jene des napoleonischen Kaiserreichs Frankreich in der Schlacht bei Wagram 1809 und dem drauf folgenden Friedensschluss von Schönbrunn wurde die Burg gemäß der Vertragsbestimmungen noch im selben Jahr von französischen Mineuren geschleift. Von der Burganlage verblieben nur der Glocken- und der Uhrturm intakt, die weiteren Teile verschwanden ganz oder, wie die Kasematte des Schlosshauptmannhauses, als Ruine.[4] Seit 1885 befindet sich der gesamte Burghügel im Besitz der Stadt Graz.[5]

Nutzung als Bühne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grazer Altstadt, rechts auf dem Schloßberg die überdachte Kasemattenbühne (2011)

1927 wurde die Kasematte zum ersten Mal als Bühne für Schloßbergfestspiele genutzt. Zehn Jahre später, im Jahr 1937, war der Umbau zum Theaterraum endgültig abgeschlossen. Dieser umfasste insgesamt 42 Sitzreihen. Im ersten Stock gab es beidseitig Proszeniumlogen, die repräsentativ wirkten. Die Skizzen dazu wurden von Tassilo Hüller erarbeitet. Nachdem die Umbauarbeiten abgeschlossen waren, wurde zur Eröffnung Beethovens Fidelio gezeigt. Zunächst wurde die neue Bühne bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bespielt.[3][4]

Die erste Instandsetzung der Kasematte nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1949. Grazer Studierenden war es mit der Hilfe britischer Besatzungssoldaten und deren Lastkraftwagen möglich, den Schutt der Bombentreffer zu beseitigen. Auf der neuen Bühne zeigten Mitgliedern des Grazer Hochschulstudios ab 6. August 1949 insgesamt sechsmal für ein Publikum von jeweils rund 800 Zuschauern Goethes Urgötz. Die Schauspieler, darunter auch Heinz Gerstinger, Gerald Szyszkowitz, Gertrude Kellner und Helmuth Mezler, verkörperten für dieses Stück mehrere verschiedene Rollen. Britische Soldaten unterstützten die Aufführungen als Statisten. Koordiniert wurde die gesamte Inszenierung von Hellmuth Himmel.

1989 erfolgte die Errichtung der mobilen Dachkonstruktion der Kasematte. Sanierungsarbeiten am gesamten Objekt wurden 1996 durchgeführt, dazu wurde auch eine unterirdische Service-Einrichtung errichtet. Weitere bedeutsame Veränderungen gab es 2009 mit der Drehung der Bühne.[4]

Der heutige Betreiber der Schlossbergbühne Kasematten ist die Grazer Spielstätten GmbH, jedoch steht es jedem offen, die Bühne für eigene Veranstaltungen zu mieten. Das Programm ist abwechslungsreich gestaltet, es werden Konzerte, Kabaretts, Festivals, Kinderveranstaltungen und Theaterstücke gezeigt. Bekannte Veranstaltungen, die bereits die Bühne nutzten, sind unter anderen der Schlossbergball, die Styriarte, die Lange Nacht der Chöre der steirische Herbst und der Jazz-Sommer Graz.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kasemattenbühne Schloßberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Spielstätten Graz - Die Schloßbergbühne Kasematten. Abgerufen am 4. Mai 2019.
  2. UNESCO World Heritage Centre: City of Graz – Historic Centre and Schloss Eggenberg. Abgerufen am 4. Mai 2019 (englisch).
  3. a b Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Österreichische Kunsttopographie, Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz, Die Profanbauten des I. Bezirkes Altstadt. Band LIII - Stadt Graz. Schroll & Co., Wien 1997, ISBN 3-7031-0697-2, S. 553.
  4. a b c Engele, Robert.: Damals in Graz : eine Stadt erzählt ihre Geschichten. Styria, Wien 2010, ISBN 978-3-222-13286-5.
  5. Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Österreichische Kunsttopographie, Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz, Die Profanbauten des I. Bezirkes Altstadt. Band LIII - Stadt Graz. Schroll & Co., Wien 1997, ISBN 3-7031-0697-2, S. 544.

Koordinaten: 47° 4′ 34,8″ N, 15° 26′ 14,5″ O