Schloss Aldingen

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Schloss Aldingen (2020)

Schloss Aldingen – auch Neues Schloss, Äußeres Schloss[1] sowie seltener Eisernes Schloss[2] genannt – ist ein 1580 erbautes Herrenhaus im Stil der Renaissance mit Verzierungen aus dem Barock. Es befindet sich in Remseck-Aldingen im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Zusammen mit dem Meierhof, den Scheunen, Stallungen und Wagenremisen bildete das Schloss einen viereckigen Hof, der bis 1900 nur von zwei Toren zugänglich war.[3] Davon ist neben dem Herrenhaus heute nur noch das Gebäude des ehemaligen Meierhofs erhalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Volksmund als Schlössle bezeichnete ursprüngliche Sitz der Herren von Kaltental – also das "innere" bzw. "alte" Schloss[1] – befand sich in der Nähe der Aldinger Margaretenkirche im Ortskern. Er bildete zusammen mit der Kirche eine Wehranlage, ist heute jedoch nicht mehr erhalten.[3] Durch die Reformation bildeten sich eine katholische und eine evangelische Linie der Kaltentaler, weshalb das Schlössle als Familiensitz zu klein wurde. Daher wurde das Äußere Schloss von Heinrich von Kaltental am damaligen Ortsrand als Sitz der evangelischen Linie errichtet.[4][5]

Kaltentalische Residenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1580 wurde das Schloss fertiggestellt. Eine Inschrifttafel oberhalb des Eingangs verkündet: "Anno Domini 1580 hab Ich Hainrich Von Kaltenthal Das haus Von Grund Uff anheben Zu bauen. Gott B[e]hüts."

Von da an residierte hier die evangelische Linie der Aldinger Herren von Kaltental für gut 160 Jahre. Letzter kaltentalischer Hausherr war Georg Wolf von Kaltental. Georg Wolf war seit 1719 Ritterrat und seit 1731 Direktor des Ritterkantons Kocher mit Sitz in Esslingen sowie seit 1733 württembergischer Obervogt zu Kirchheim, Nürtingen, Denkendorf, Wendlingen, Neidlingen und Owen. Um seinen hohen Status auch in seinem Wohnsitz zu dokumentieren, ließ er das schlichte Gebäude in der Zeit um 1726 oder 1728 mit einem barocken Portal mit dem Wappen der Kaltentaler ausstatten. Zwei Räume im Erdgeschoss ließ Georg Wolf mit Stuck und barocken Deckengemälden verzieren.[5][6] Im Bauakkord von 1741 werden die beiden Räume als französische Kammern bezeichnet. Die Deckengemälde wurden von Paul Ambrosius Reith geschaffen, der zuvor auch schon am Ritterbau in Esslingen mitwirkte. In den Motiven spiegelt sich die Verbindung Aldingens zum Neckar ebenso wieder wie der reichsritterschaftliche Status der Herren von Kaltental.[7]

Nachdem Georg Wolf 1746 kinderlos starb, fiel das Aldinger Lehen zurück an Württemberg. Auch das kaltentalische Eigengut in Aldingen, darunter das Schloss, wurde von Württemberg wegen der Nähe zu dessen Residenz Ludwigsburg einbehalten. Georg Wolfs Vettern erhielten 1750 dafür einen finanziellen Ausgleich.[5]

Bürgerliche Nutzung ab 1755[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Meierhof an der Nordseite des Schlosshofes (2020)

Im Jahr 1755 veräußerte Württemberg das Schloss bereits wieder an zwei Aldinger Bürger. Ab 1816 befand sich eine Brauerei im Schloss, die von Friedrich Jüngling betrieben wurde. Jünglings Sohn David Gottlob wanderte nach Amerika aus und gründete dort D. G. Yuengling & Son. 1836 wurde die östliche Hälfte des Schlosses für 2.775 Gulden an die Gemeinde Aldingen verkauft, die im Schloss eine Schule mit Wohnung für den Schulmeister sowie im 2. Obergeschoss einen Raum für den Gemeinderat einrichtete. Bis ins Jahr 1975 diente das Schloss nun als Rathaus der Gemeinde Aldingen und ab da bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als Außenstelle des Remsecker Rathauses. Heute befindet es sich in Privatbesitz.[3][4] In den einstigen französischen Kammern ist mittlerweile die Geschäftsstelle einer Versicherung untergebracht.[8]

Im ehemaligen Meierhof befindet sich ein gastronomischer Betrieb.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ulrich Gräf: Kunst- und Kulturdenkmale im Kreis Ludwigsburg. Konrad Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0466-7, S. 243–245.
  2. Günther Jungnickl: Schloss Aldingen. In: Ludwigsburger Kreiszeitung (Hrsg.): Burgen und Schlösser im Kreis Ludwigsburg. Ungeheuer + Ulmer, Ludwigsburg 1981.
  3. a b c Stadt Remseck: Sehenswürdigkeiten im Stadtteil Aldingen (PDF; 806 kB).
  4. a b Beschreibung des Oberamts Ludwigsburg. Herausgegeben von dem Königlich statistisch-topographischen Bureau; unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1859, Bissinger, Magstadt 1972, S. 138.
  5. a b c Norbert Stein, Eduard Theiner, Heinz Pfizenmayer: Die Herren von Kaltental und die Reichsfreien Nothaft von Hohenberg (= Heinz Pfizenmayer [Hrsg.]: Heimatkundliche Schriftenreihe der Gemeinde Remseck am Neckar. Band 9). 1989.
  6. Dagmar Zimdars (Bearb.): Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg I. Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 1993, ISBN 3-422-03024-7, S. 8.
  7. Ulrike Seeger: Aldingen, ehemals Neues Schloss. In: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland. Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, 2020, abgerufen am 28. September 2020.
  8. Ein Café hätte den Rokoko-Stuck zugänglich gemacht. In: Stuttgarter Zeitung. 23. August 2014, abgerufen am 22. November 2020.

Koordinaten: 48° 51′ 48,3″ N, 9° 15′ 5,2″ O