Schloss Babelsberg

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Schloss Babelsberg

Schloss Babelsberg ist ein Schloss, das als Sommersitz für den Prinzen Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm I. und seiner aus dem Haus Sachsen-Weimar stammenden Gemahlin Augusta in zwei Bauphasen errichtet wurde. Es steht im gleichnamigen Park und Stadtteil der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Die Bauplanung führten die Architekten Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius und Johann Heinrich Strack aus. Im Schloss und im angrenzenden Park fand am 22. September 1862 das Gespräch zwischen König Wilhelm I. und Bismarck statt, das mit der Ernennung Bismarcks zum Ministerpräsidenten und Außenminister endete.

Schloss Babelsberg steht unter der Verwaltung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und als Weltkulturerbe innerhalb des Gesamtensembles Potsdam unter dem Schutz der UNESCO. Die Architektur des Schlosses Babelsberg diente Schinkel-Schüler Friedrich Hitzig als Vorlage für den Bau von Schloss Kittendorf (1848–1853) im mecklenburgischen Landkreis Demmin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planungen und erste Bauphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts strebte Prinz Wilhelm den Bau eines eigenen Sommerschlosses an. Nach langem Zögern genehmigte König Friedrich Wilhelm III. 1833 seinem zweitältesten Sohn einen Neubau auf dem Babelsberg. Noch im selben Jahr begann Karl Friedrich Schinkel mit der Planung. Ihm lagen Entwurfszeichnungen eines gotisch erscheinenden Schlosses vor, die schon 1831 von seinem Meisterschüler Ludwig Persius für das Prinzenpaar erstellt wurden. Neben den klaren Formen des damals generell vorherrschenden Klassizismus entsprach auch der gotische Baustil englischer Herkunft dem Zeitgeschmack, vermischt mit einer verklärten Sicht auf das Mittelalter. In der romantischen Einstellung wurden Burgen als Symbole einer vereinten deutschen Nation angesehen.

Prinzessin Augusta hatte sich intensiv mit dem Stil der englischen Gotik befasst und ein fundiertes Wissen angeeignet. Durch ihre festgefügte Vorstellung über das Aussehen des Schlosses kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten mit den Architekten. Schinkel plante maßvolle gotische Formen. Die schwierige Bauherrin wollte jedoch – nach ihrem persönlichen Geschmack – überreichen Dekor, vor allem im Inneren. Ein weiteres Problem waren die vom König nur für ein Schloss in der Größe eines Landhauses bewilligten finanziellen Mittel. So konnte der Gesamtplan zunächst nicht realisiert werden.

In der ersten Bauphase entstand der kleinere Teil des Komplexes. Große Fenster mit neugotischen Elementen lassen viel Licht in das Innere des gelben Backsteinbaus. Ein Anbau in der Form eines Oktogons wurde als Speisesaal und nach dem späteren Umbau als Teesalon genutzt. Die bis fast auf den Boden gehenden Spitzbogenfenster, dicht aneinander gereiht, geben viele Sichtbeziehungen in die Landschaft frei. Im Oktober 1835 wurde der erste Teil des Schlosses eingeweiht.

Zweite Bauphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Ehe des seit 1840 regierenden Königs Friedrich Wilhelm IV. kinderlos blieb, wurde sein jüngerer Bruder Wilhelm zum Thronfolger ernannt. Durch die hinzugekommenen Aufgaben schien das Schloss zu klein und nicht repräsentativ genug. Die Ausführung des Gesamtentwurfs konnte nun beginnen. Noch während der Planungen starb Karl Friedrich Schinkel 1841. Sein Nachfolger Ludwig Persius versuchte den Schinkelplan beizubehalten, musste sich aber ebenso wie sein Vorgänger den ständigen Änderungswünschen Augustas beugen. Die Verbindung zum zurückliegenden Erweiterungsbau stellt der über zwei Etagen reichende Tanzsaal her. Sein oktogonaler Grundriss nimmt die Form des Teesalons wieder auf. Im neuen Westflügel waren neben vielen anderen Räumen Wohnungen für die Kinder des Prinzenpaares und ein hallenartiger Speisesaal vorgesehen. Ein mächtiger Turm bildet den Abschluss. Als die Fundamente für den Anbau standen, verstarb auch Persius 1845.

Um 1900

Den Auftrag zur Weiterführung erhielt Johann Heinrich Strack. Seine architektonischen Vorstellungen entsprachen mehr dem Geschmack der Bauherrin. Nach der Fertigstellung des Westflügels fand die zweite Einweihung im Oktober 1849 statt.

Nach dem Tod Wilhelms I. 1888 bevorzugten die kaiserlichen Nachfolger andere Schlösser als Wohnsitz. Ein 1907 geplanter, auf 2,5 Millionen Mark veranschlagter Umbau des Schlosses für Kronprinz Wilhelm nach Entwürfen von Hofbaurat Albert Geyer gelangte nicht zur Ausführung.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mobiliar ging durch Plünderungen nach 1945 verloren. Ab 1953 nutzte die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR einige Räume. Die Hörsäle befanden sich in Neubauten aus den 1950er Jahren hinter dem Schloss, die mittlerweile abgerissen sind. 1954–1957 war im Schloss Babelsberg die Hochschule für Film und Fernsehen untergebracht, die in den Räumlichkeiten des Schlosses gegründet worden war.[2]

Ab 1970 beherbergte das Gebäude ein Museum für Ur- und Frühgeschichte. Hier waren vor allem Funde der Bodendenkmalpflege aus den Bezirken Potsdam, Frankfurt/Oder und Cottbus ausgestellt, darunter auch Material des kaiserlichen Gräberfeldes von Kemnitz.[3] Nach der Wende wurde der Schlossbau ab 1992 komplett saniert und für andere museale Zwecke hergerichtet.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptgebäude im Stil der englischen Gotik entstand in der ersten Bauphase. Zusammen mit dem Erweiterungsbau in der zweiten Bauphase belegt das Gebäudeensemble einen S-förmigen Grundriss. Die klare Gliederung der Fassade des Hauptgebäudes wurde für den Erweiterungsbau aufgegeben. Mit Türmchen, Erkern und verschiedenen Fensterformen erhielt es ein komplett anderes Aussehen und entsprach der Baukunst, die später als ‚Burgenstil‘ bezeichnet wurde.[3] Dominant ist der Rundturm an der Westseite des Schlosses.

Die Innenräume sind weitestgehend mit neugotischem Dekor versehen und gut erhalten.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amtlicher Führer der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: Park und Schloss Babelsberg. 3. Auflage 1999.
  • Gert Streidt, Klaus Frahm: Potsdam. Die Schlösser und Gärten der Hohenzollern. Könemann Verlagsgesellschaft mbH. Köln 1996. ISBN 3-89508-238-4.
  • Georg Poensgen: Schloss Babelsberg. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1929.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Babelsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Bauzeitung. 41. Jahrgang 1907, Nr. 79 (vom 2. Oktober 1907), Beilage 40, S. 158.
  2. Klare Sicht im Glaspalast. In: die tageszeitung. 5. November 2004, abgerufen am 8. August 2012.
  3. a b c Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR, Urania-Verlag, 1973; S. 121 f.

Koordinaten: 52° 24′ 28″ N, 13° 5′ 36″ O