Schloss Castell

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Das Schloss Castell liegt in der Gemeinde Tägerwilen im schweizerischen Kanton Thurgau. Es gehört zu den bedeutendsten historistischen Schlossanlagen der Schweiz.

Östlich von Schloss Castell stehen die Ruinen der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg Castell. Sie ist eine der größten mittelalterlichen Wehranlagen im Bodenseeraum.

Nordseite von Schloss Castell
Schloss Castell in Tägerwilen

Schloss Castell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Castell, manchmal auch als Ober-Castell bezeichnet, liegt oberhalb der Gemeinde Tägerwilen auf einer Anhöhe des Thurgauer Seerückens. Es geht zurück auf den Junker Konrad Vogt von Wartenfels aus Konstanz, welcher 1585 anstelle eines Bauernhauses einen Herrensitz im Stil der Spätrenaissance errichten liess, der bis heute den Kern der Anlage bildet. Vor 1635 wechselte der Besitz zu Junker Beat Jakob Segesser von Brunegg, der bischöflich konstanzischer Obervogt zu Klingnau und Arbon war. 1661 gelangte das Anwesen dann in den Besitz der St. Galler Brüder Zollikofer von Altenklingen, welche 1725 einen Umbau des Schlosses veranlassten.

Dieses ging 1790 an den Junker Daniel von Scherer aus St. Gallen über. 1871 wurden auf dem Anwesen für vier Wochen 506 Mitglieder der Bourbaki-Armee untergebracht. Ein Nachkomme von Daniel von Scherer, Baron Maximilian (Max) von Scherer-Scherburg (1848–1901), liess den Sitz zwischen 1878 und 1894 durch den Architekten Emil Otto Tafel zum repräsentativen Neorenaissance-Schloss umgestalten. Zwischen 1892 und 1894 wurde das Anwesen zudem von Carl von Häberlin mit Fresken ausgeschmückt, die verschiedene Abschnitte aus der Geschichte des Schlosses darstellen. Von der Innenausstattung verdient ferner die Nachbildung eines „maurischen Saals“ aus der Alhambra in Granada (Spanien) eine Erwähnung.

Durch Erbschaft gelangte das Schloss 1901 in den Besitz der Familie von Stockar, denen es heute bereits in der vierten Generation gehört. Ein Landwirtschafts- und Forstbetrieb von insgesamt 160 Hektaren bildet die wirtschaftliche Grundlage des Anwesens.

Schloss Castell ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, kann aber durch eine Sichtschneise von der vorbeiführenden Straße aus gut eingesehen werden. Öffentlich zugänglich sind der zum Schloss gehörende Weiher und der umliegende Wald.

Ruine Castell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine Castell
Bild des Objektes
Basisdaten
Ort: Tägerwilen
Kanton: Thurgau
Staat: Schweiz
Höhenlage: 506 m
Koordinaten: 47° 38′ 43,2″ N, 9° 8′ 2,2″ O; CH1903: 727380 / 278563
Verwendung: Aussichtsturm, Aussichtsplattform
Zugänglichkeit: Aussichtsturm öffentlich zugänglich
Turmdaten
Bauzeit: frühes 13. Jahrhundert
Baustoff: Stein
Letzter Umbau: 2007–2008
Gesamthöhe: 13 m
Aussichts­plattform: 12 m
Positionskarte
Ruine Castell (Kanton Thurgau)
Ruine Castell
Ruine Castell
Lokalisierung von Kanton Thurgau in Schweiz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich von Schloss Castell, getrennt durch eine Bachschlucht, stehen die Ruinen der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg Castell. Zur besseren Unterscheidung vom Schloss wird die Burg auch als Unter-Castell bezeichnet. Mit 120 Metern Länge und 30 Metern Breite, ist Burg Castell eine der größten mittelalterlichen Wehranlagen im Bodenseeraum.

Die Burg Castell wurde um das Jahr 1120 vom Konstanzer Bischof Ulrich I. von Kyburg-Dillingen (amtierend 1111–1127) als erste Höhenburg der Konstanzer Bischöfe im unmittelbaren Vorfeld der Bischofsstadt Konstanz errichtet. Die Burg lag nur wenige Kilometer südwestlich von Konstanz am Abhang des Seerückens an der alten Straße, die von Zürich und Pfyn nach Konstanz führte. Wahrscheinlich wollte Ulrich für sich und seine Nachfolger einen wehrhaften Sitz außerhalb Konstanz schaffen, um in Krisenzeiten weniger vom Wohlwollen der Konstanzer Bürger abhängig zu sein. Dafür dass die Burg Castell tatsächlich eine zweite Residenz werden sollte, spricht auch der Umstand, dass zwei übereinanderliegende Burgkapellen mit getäfelten Decken eingebaut worden waren.

Der Nachfolger Ulrichs I., Bischof Ulrich II. von Konstanz (amtierend 1127–1138), soll die Burg bereits 1128 zerstört haben. Der Grund dafür war sein Streit mit Graf Rudolf von Bregenz. Ulrich II. wollte verhindern, dass die Burg bei einer möglichen Belagerung von Konstanz durch Graf Rudolf diesem als Rückhalt hätte dienen können.

Die Burg muss aber schon bald darauf wieder aufgebaut worden sein, da sie während des 12. und 13. Jahrhunderts als Sitz der Ministerialen Schenk von Castell diente. Diesen folgten in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verschiedene Geschlechter nach, bis der Konstanzer Bischof Heinrich III. von Brandis (amtierend 1357–1383) die Burg und die dazugehörenden Bauernhöfe und Grundstücke an den Konstanzer Bürger Stephan von Roggwil verpfänden musste. Erst 1453 konnte Bischof Heinrich IV. von Hewen (amtierend 1436–1462) das Pfand wieder auflösen. Die Burg Castell wurde während des Schwabenkrieges 1499 von den Eidgenossen zerstört und ist seither eine Ruine.

Die Ruine wurde wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein erstes Mal saniert. Bei dieser Gelegenheit baute man wahrscheinlich auch den Westturm zu einem Aussichtsturm aus. Urheber war möglicherweise Baron Max von Scherrer, der Ende des 19. Jahrhunderts umfangreiche Bauarbeiten am Schloss Castell durchführen ließ. Mit Max von Scherers Tod 1901 ging die Burg gemeinsam mit dem Schloss in den Besitz der Familie von Stockar über.

Die Ruine der Burg Castell wurde in den Jahren 2007/2008 umfassend archäologisch untersucht, restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Projekt wurde gemeinsam von dem Thurgauer Amt für Archäologie, der Gemeinde Tägerwilen und der Familie von Stockar getragen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch die Schweiz. Band 1. Bern 2005, ISBN 3-906131-95-5.
  • Michael Losse, Ilga Koch: Schlösser und Burgen am westlichen Bodensee. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2004, ISBN 3-8313-1448-9, S. 74.
  • Wolfgang Kramer, Franz Hofmann (Hrsg.): Kunstschätze in Konstanz, Kreuzlingen und Umgebung. Verlag Michael Greuter, Hilzingen 2009, ISBN 3-938566-11-6. S. 119.
  • Eva Meier: Die Burgruine Chastel in Tägerwilen TG. In: Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 13. Jahrgang – 2008/2 S. 61ff.
  • Michael Weithmann: Burgen und Schlösser rund um den Bodensee. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2008, ISBN 978-3-7022-2922-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Castell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien