Schloss Dornburg an der Elbe

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Schloss Dornburg

Das Schloss Dornburg befindet sich in Dornburg, einem Ortsteil von Gommern in Sachsen-Anhalt. Von der durch den Barockbaumeister Friedrich Joachim Stengel (1694–1787) geplanten Schlossanlage wurde nur der Mittelbau, das Corps de Logis fertiggestellt. Das Schloss befindet sich heute im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt und wird als Depot und Restaurierungswerkstatt des Landesarchäologen für die Vor- und Frühgeschichte genutzt, sein baulicher Erhaltungszustand ist bedenklich.

Bauherr und Architekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tode eines Lehnsnehmers aus der Familie von Münchhausen im Jahre 1674 fiel die Herrschaft Dornburg zurück an das Haus Anhalt-Zerbst. (Zur Vorgeschichte: siehe den Artikel Dornburg (Gommern).)

Anstelle eines am 28. Juli 1750 abgebrannten Vorgängerbaues, den Fürst Karl Wilhelm nach 1674 hatte errichten lassen, war nunmehr Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst Bauherrin des neuen Schlosses, eine geborene Herzogin von Holstein-Gottorf, Schwester des schwedischen Königs Adolf Friedrich. Sie wohnte nach dem Tod ihres Gemahls Christian August von Anhalt-Zerbst zunächst in dem Vorgängerbau, einer Dreiflügelanlage, die der Hofbaumeister Johann Christoph Schütze geplant hatte. Mit dem Wiederaufbau beauftragte sie im September 1750 den in nassau-usingischen Diensten stehenden Baumeister Friedrich Joachim Stengel, der 1734-37 das Schloss Biebrich um zwei Seitenflügel erweitert und 1738-48 das Neue Schloss Saarbrücken errichtet hatte.

Stengel ließ sich Terrainaufnahmen nach Saarbrücken kommen und fertigte Pläne zu der neuen Schlossanlage. Mit der Genehmigung des Saarbrücker Fürsten reiste er am 3. März 1751 nach Zerbst. Nach seiner Besichtigung des Baus empfahl er den Abbruch des noch bestehenden Mauerwerks. Aus den ausgewerteten Schriftquellen lässt sich schließen, dass die Herzogin und Stengel eine hufeisenförmige Anlage planten, errichtet wurde jedoch nur der große mittlere Hauptteil der Schlossanlage, das Corps de Logis. Die Realisierung des Projekts lag weitgehend in den Händen des Zerbsters Carl Wilhelm Christ, den Stengel brieflich unterstützte. Das Schloss Dornburg war als Landschloss zum zeitweiligen Aufenthalt des Hofes beziehungsweise als Witwensitz der Bauherrin geplant. Größe und Pracht des Bauwerks sollten dem etwaigen Empfang des königlichen Bruders sowie der kaiserlichen Tochter der Bauherrin den würdigen Rahmen bieten, denn die Tochter Katharina war seit 1745 mit dem russischen Thronfolger verheiratet (und regierte ab 1762 als Katharina die Große). Zu diesen Besuchen kam es aber nie. Als 1758, zu Beginn des Siebenjährigen Krieges, aufgrund des Krieges zwischen Preußen und Russland das Fürstentum von preußischen Truppen besetzt wurde, musste die Fürstin, wie auch ihr Sohn Friedrich August, außer Landes fliehen und starb zwei Jahre später in Paris.

Mittelrisalit Schloss Dornburg an der Elbe mit dem Allianzwappen Haus Anhalt und Holstein-Gottorf

Die Baupläne von F. J. Stengel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Archivalien aus dem Bestand der Kammer Zerbst berichten ab 1750 zum von F. J. Stengel geplanten Schlossbau. Der Kunsthistoriker Karl Lohmeyer sichtete erstmals 1911 diese Bauakten.

Die Planung des Schlosses erfolgte zwischen Herbst 1750 und Frühjahr 1751. Aus den Briefen zwischen Bauherrin und Architekt und den Akten der Fürstlichen Kammer[1] erschließt sich, dass für die neue Schlossanlage mehrere Entwürfe gefertigt wurden. Im Jahre 2002 wurde in der St. Petersburger Eremitage Planmaterial zum Neubau des Schlosses Dornburg aufgespürt, welche jedoch nicht vollständig mit dem ausgeführten Bau übereinstimmen. Die Zeichnungen sind weder datiert noch signiert. Die aufgefundenen Grundrisspläne werden dem Zeichner Johann Wilhelm Christ [2] zugeschrieben, der die stengelschen Originale kopiert haben dürfte. Die Raumbeschriftungen in den Plänen werden der Fürstin Elisabeth von Anhalt-Zerbst zugeordnet. Der aufgefundene Aufriss wird als von Stengel gezeichneter Originalentwurf angesehen.[3]

Johann Christian Püschel: Das Hochfürstliche Schloß Dornburg, Kupferstich 1757 (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle; Archiv)[4]

Beschreibung der geplanten Schlossanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dreigeschossige Corps de logis war über begehbare Säulenkolonnaden mit vier zweigeschossigen Pavillons und der Toranlage verbunden. Zentrum der Anlage ist das errichtete monumentale Corps de logis mit 19 Fensterachsen und den drei Hauptachsen des Mittelrisalits. Entsprechend der Bauaufgabe eines „maison de plaisance“, bzw. „retraite“ ist deren Disposition mit entsprechenden französischen Schlossanlagen zu vergleichen. Das Corps de Logis ist auf den als Festplatz konzipierten Hof ausgerichtet. Der Zugangsweg in Mittelachse der Schlossanlage wird durch eine Allee von 26 kolossalen Statuen flankiert. In Mittelachse jedes der vier Pavillons ist eine Fontäne in ovalen, aus geschweiften Bögen zusammengesetzten Becken disponiert, welche mit Skulpturen nach Fabeln von Jean de La Fontaine und auf Delphinen reitenden Putten ausgestattet sind.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Kirchsee (ehemaliger Elbarm)
 Commons: Schloss Dornburg (Gommern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Büttner Pfänner zu Thal: Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler ... Heft XI., Rich. Kahle’s Verlag, Dessau, 1894
  • Horst Dauer: Schloßbaukunst des Barock von Anhalt-Zerbst, Böhlau Verlag, Köln, Weimar und Wien 1999
  • Karl Lohmeyer: Friedrich Joachim Stengel. Düsseldorf 1911. - Der 1982 in Saarbrücken erschienene unveränderte Nachdruck ist um zwei Bibliographien von Peter Volkelt ergänzt, die Literatur zu Stengel und zum Verfasser Loymeyer nennen.
  • Hans-Christoph Dittscheid/Klaus Güthlein (Hrsg.): Die Architektenfamilie Stengel, Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2005
  • Dirk Herrmann: Schloss Zerbst in Anhalt. Geschichte und Beschreibung einer vernichteten Residenz. Halle 1998
  • Alfred Werner Maurer: Die Baugeschichte des Saarbrücker Schlosses und deren Erforschung. In: Jürgen Karbach, Paul Thomes (Hrsg.): Beiträge zum Stengel-Symposion anläßlich des 300. Geburtstages von Friedrich Joachim Stengel am 29./30. September 1994 im Saarbrücker Schloß. (= Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend. 43,1995). Historischer Verein für die Saargegend, Saarbrücken 1995, S. 177–217
  • Alfred Werner Maurer: Friedrich Joachim Stengel, seine Bauwerke und das Verhältnis zur Architekturtheorie. Philologus-Dokumente Basel (CH) 2009.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesarchiv Oranienburg, Kammer Zerbst, Nr. 2367/1 und Nr. 6686, Blatt 396.
  2. vgl. Dauer 1999, S. 290.: J. W. Christ wird der Entwurf des Lusthauses im Schlossgarten u. der in Schlossnähe gelegenen evangelischen Kirche zugewiesen.
  3. Der aufgefundene Plansatz besteht aus vier Grundrissen vom Keller bis zum zweiten Obergeschoss (Maßstab 100 Pieds = 240 mm) und einem Aufriss des Corps de logis. Plangrößen 29 × 65 cm
  4. Auf Friedrich Joachim Stengel (1694–1787) geht nach aktuellem Forschungsstand allein das Corps de logis zurück. Alle anderen Bauten der Schlossanlage sind Phantasie des Kupferstechers Johann Christian Püschel. Das dargestellte Bild des Schlossanlage ist nicht durch originale Entwurfszeichnungen des Architekten oder archäologische Funde alter Bausubstanz nachgewiesen. In Lentz 1757, nach Seite 950 ist durch Signatur belegt, dass auch die Vorzeichnung zum Kupferstich von Johann Christian Püschel gefertigt wurde. Dies lässt vermuten, dass der Kupferstich keinen Schau-Riss von der Hand Stengels wiedergibt. Ob Püschel evtl. Einzelentwürfe der von Stengel geplanten Schlossgebäude zu einer Gesamtperspektive zusammenfügte ist nicht nachgewiesen.

Koordinaten: 52° 2′ 6″ N, 11° 52′ 42″ O