Schloss Ehrenburg

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Dieser Artikel behandelt das Schloss in Coburg, für das gleichnamige Schloss in Südtirol, siehe Schloss Ehrenburg (Südtirol)
Schloss Ehrenburg, Nordansicht

Schloss Ehrenburg war das Residenzschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg. Das Schloss befindet sich am östlichen Rand der historischen Altstadt der oberfränkischen Stadt Coburg.

Es entstand ab 1543 aus einem Franziskanerkloster. Ende des 16. Jahrhunderts folgte eine Erweiterung. 1690 wurde das Schloss zur barocken Dreiflügelanlage umgebaut und erhielt im 19. Jahrhundert nach den Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel eine gotisierende Fassade sowie im französischen Empire-Stil gestaltete Wohn- und Festräume. Heute beherbergt das Schloss die Landesbibliothek Coburg. Rund 25 historisch eingerichtete Räume können in Führungen besichtigt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Ehrenburg Nordostseite
Schloss Ehrenburg um 1900
Schloss Ehrenburg, Südfassade

Das Schloss Ehrenburg in Coburg wurde 1543 von Herzog Johann Ernst von Sachsen bei den Architekten Paulus Beheim (Nürnberg), Nikolaus Gromann und Caspar Vischer (Kulmbach) in Auftrag gegeben. Unter Einbeziehung eines nach der Reformation aufgelösten Franziskanerklosters entstand ein neues Stadtschloss, das drei Flügel auf der Nord-, West- und Südseite umfasste. Im Osten lehnte es sich an die Stadtmauer an. Der dreigeschossige Hauptbau mit den herzoglichen Gemächern, einem Treppenturm, Zwerchhäusern und Hofarkaden lag im Norden, die Schaufassade scheint sich nicht gegen den Hof, sondern nach Norden gewandt zu haben. Vor 1575 wurde auf der Ostseite des Hofes eine Schlosskapelle hinzugefügt.

Für den Bau wurden nur bezahlte Handwerker und nicht, wie damals üblich, Fronarbeiter verpflichtet. Diese Besonderheit soll der Grund für den Besuch Kaiser Karls V. im Jahre 1547 gewesen sein. Karl soll der damals gerade neu bezogenen Anlage bei dieser Gelegenheit den Namen Ehrenburg verliehen haben.

Ab 1590 ließ Herzog Johann Casimir den Südflügel durch den Straßburger Baumeister Michael Frey ausbauen, damals wurde auch das noch bestehende Eingangsportal verändert. Vor 1623 entstanden nördlich des ältesten Hofes aus der Zeit um 1543 zwei weitere (funktional untergeordnete) Höfe und die Gesamtanlage wurde nun von Süden erschlossen. 1623 errichtete Giovanni Bonalino unter Johann Casimir die zweigeschossige Bogenstellung des Altans im südlichen Hof (ehemals mit begehbarem Flachdach) und wertete auf diese Weise den neuen Eingangshof baulich auf. An der Südostecke dieses Hofes wurde 1631/32 die reich geschnitzte Hornstube eingebaut, die 1809 in die Veste Coburg übertragen wurde.

Ab 1680 ließ Herzog Albrecht III., der die Ehrenburg seit 1680 als Residenz nutzte, im Osten der Kernanlage auf planierten Hangterrassen einen neuen Hofgarten anlegen, zu dem als bauliches Bindeglied der neue, noch teilweise erhaltene Marstall überleitete.

Ein Großbrand zerstörte 1690 den nördlichen Teil der Renaissanceanlage. Dies nahm Herzog Albrecht III. zum Anlass, bis 1699 einen Neubau im Barockstil errichten zu lassen. Die Dreiflügelanlage um einen weiträumigen, nach Norden geöffneten Ehrenhof gliedert sich in den Hauptflügel, der rückwärtig an die ältere Schlossanlage angrenzt, den Westflügel mit der Schlosskirche und Repräsentationsräumen und den als Gästetrakt genutzten Ostflügel.

Im 19. Jahrhundert erhielt das Schloss unter Herzog Ernst I. nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel (1810) sein heutiges Aussehen im Stil der englischen Neugotik. Der Franzose André-Marie Renié-Grety gestaltete die Wohn- und Festräume mit der klassizistischen Formensprache. Den Gesamteindruck der Ehrenburg vervollständigte Ernst I. durch den Bau eines Theaters (Landestheater Coburg) gegenüber dem neu gestalteten Schlossplatz und dem Hofgarten, einem englischen Landschaftsgarten zwischen den Ensembles Ehrenburg-Landestheater und der Veste Coburg. Der Hofgarten zählt zu den bedeutenden deutschen Parkanlagen.

Der Freistaat Coburg schloss nach seiner Gründung 1919 mit Herzog Carl Eduard einen Abfindungsvertrag in Höhe von 1,5 Millionen Reichsmark über dessen Besitztümer. Damit ging unter anderem auch Schloss Ehrenburg in das Eigentum des Staates über. Die Einrichtungsgegenstände erhielt die Coburger Landesstiftung zugesprochen. Seit 1941 wird das Schloss durch die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betreut.

Die in den letzten Jahrzehnten von Grund auf restaurierte Ehrenburg beherbergt die Landesbibliothek Coburg mit einem Bestand von über 400.000 Bänden; ein Großteil ist als Museum ausgebaut und kann bei Führungen besichtigt werden.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im neugotisch gestalteten Westflügel befindet sich die doppelgeschossige, protestantische Hofkirche. Es ist eine dreischiffige, pfeilergestützte, sechsachsige Emporenhalle mit einem Kappengewölbe. Die Kirche ist 10,8 Meter breit und 30,33 Meter lang. Die Innenausstattung ist in Formen des italienischen Barocks gestaltet. Die Stuckarbeiten stammen von den Brüdern Lucchese, der Altar wohl von Nikolaus Resch. Der Grundstein wurde am 23. Juni 1690 gelegt. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 4. Februar 1738.

Die Orgel steht auf einer Empore über dem Kanzelaltar. Der Orgelprospekt ist dreiteilig mit Rechteckfeldern und vergoldetem Schnitzdekor. Das Instrument wurde im Rahmen des Kirchenneubaus von dem Coburger Orgelbauer Paul Daum aufgestellt. Verbesserungen, Reparaturen und Restaurierungen fanden in den Jahren 1815, 1818, 1829 und 1866 statt. Um 1875 führte der Coburger Orgelbauer Anton Hasselbarth einen Um- und Erweiterungsbau aus. Ein weiterer Umbau folgte 1931 durch die Ludwigsburger Firma Walcker. Das Instrument hat zwölf Register auf zwei Manualen und Pedal.[1]

Riesensaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über der Hofkirche befindet sich im zweiten Obergeschoss der Riesensaal, ein prunkvoller Festsaal. Die hölzerne Dachkonstruktion überspannt den Raum stützenfrei und wird von 28 Altanenfiguren getragen. Die Stuckierung ist ein Werk der Gebrüder Lucchese. Medaillonbilder schmücken die Decke und zeigen Minerva als Schutzgöttin der schönen Künste und Wissenschaften und deren allegorische Darstellungen. Am Deckenrand sind 56 Wappen ehemaliger Herrschaftsbereiche des Hauses Wettin vorhanden.

Thronsaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Thronsaal befindet sich in der Mitte des Ostflügels im zweiten Obergeschoss. Der französische Architekt Renié-Grétryund entwarf zwischen den Jahren 1816 und 1833 die Gestaltung und Ausstattung des Saals im klassizistischen Stil des französischen Empire. Bronzen, vergoldete Möbel und roter Samt sowie mehrfarbig, eingelegte Parkettböden und eine Stuckdecke bestimmen die Einrichtung.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine beliebte Anekdote dreht sich um das 1860 aus England importierte watercloset, die vermutlich erste Toilette mit Wasserspülung auf dem europäischen Kontinent. Es wurde in Königin Victorias Räumlichkeiten in der Ehrenburg installiert und durfte ausschließlich von ihr verwendet werden.

Ebenso soll der erste funktionsfähige Aufzug für Königin Victoria in der Ehrenburg installiert worden sein. Da der damaligen Königin Großbritanniens das Treppensteigen zu mühselig wurde, forderte sie kurzerhand einen handbetriebenen Aufzug für sich, den sie auch bekam.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

nach Autoren alphabetisch geordnet

  • Herbert Brunner, Lorenz Seelig: Schloss Ehrenburg Coburg. Amtlicher Führer. 5. neu gestaltete Auflage. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 2002, ISBN 978-3-932982-44-6.
  • Anette Faber: Der neugotische Umbau von Schloß Ehrenburg nach den Plänen Karl Friedrich Schinkels 1810 - 1840. In: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 30, 1985, S. 281–394.
  • Peter O. Krückmann: Ein ungewöhnliches Schloss aus ungewöhnlichen Zeiten - Die Ehrenburg in Coburg. In: Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Bd. 19, Jg. 2015. Regensburg 2016, S. 80–87.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Ehrenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Alte Orgeln im Coburger Land, Teil III. Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1972, S. 86.

Koordinaten: 50° 15′ 29″ N, 10° 58′ 2″ O