Schloss Erxleben

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Burg Erxleben – Luftbild um 1935: links das Renaissanceschloss Erxleben II mit Gutshof, rechts das Barockschloss Erxleben I mit Gutshof, dazwischen die Schlosskapelle mit dem Hausmannsturm

Das Schloss Erxleben ist ein Schlosskomplex in Erxleben, der aus einer mittelalterlichen Burganlage an der alten Heerstraße zwischen Braunschweig und Magdeburg entstanden ist. Es befand sich seit 1282 im Besitz der Familie von Alvensleben.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosskirche im Jahr 2015

Die Burg Erxleben war eine Niederungsburg mit Wassergräben und Wällen. Die erste Anlage könnte kurz nach 1100 erfolgt sein. 1166 kaufte Erzbischof Wichmann von Magdeburg die strategisch wichtige Burg. 1214 (oder 1218) wurde sie von Kaiser Otto IV. zerstört. Um 1270, spätestens 1282, könnte sie in den Besitz des Ritters Gebhard II. von Alvensleben (erwähnt 1251–1283) gekommen sein, der zu dieser Zeit noch auf der benachbarten Burg Alvensleben wohnte. Die Burg war im Mittelalter oft hart umkämpft. 1317 belagerte sie Markgraf Waldemar und der Erzbischof Burchard von Magdeburg, 1319 wiederum der Erzbischof und 1352 die Bürgerschaft von Magdeburg, wobei die Burg ausbrannte. 1399 wurde ein Drittel der Burg dem Herzog Friedrich I. (Braunschweig-Wolfenbüttel) (1357/58–1400) verpfändet. Es folgte eine sehr unruhige Zeit, in der Erxleben fortgesetzten Fehden, Verwüstungen und Verpfändungen ausgesetzt war. 1441 wurde die Burg durch die Herzöge Heinrich von Braunschweig und von Lüneburg zerschossen und verbrannt, aber nicht eingenommen. Die Pfandschaften wechselten in verschiedene Hände, bis sie schließlich 1505 durch Busso IX. von Alvensleben († 1534) wieder eingelöst werden konnten.

Teilung 1554[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1553 starb die Rote Linie der Alvensleben, die Erxleben in Besitz hatte, aus und die Burg ging im Erbgang auf die weiße und schwarze Linie der Familie über. Bei der Teilung erhielt die weiße Linie den 1785 abgerissenen Hauptturm im Schloss, das Haus mit der früheren Kapelle, das alte verfallene Gebäude bis an das Brauhaus, die Hälfte aller Scheunen und Ställe und den Platz zwischen beiden Mauern von der alten Quermauer bis an das Tor beim Hausmannsturm. Die schwarze Linie bekam: das neue Wohngebäude, das Brauhaus, das Gebäude über dem Tor zwischen Wohnhaus und Turm, die Hälfte der Scheunen und Ställe und den Platz mit dem Vorwerk vom Tor bis an die alte Quermauer. Die Trennung der beiden Teile erfolgte durch eine Mauer.

Schlosskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosskapelle Erxleben – Orgel vor der Zerstörung 1945

Beide Linien bauten eine neue gemeinsame Schlosskapelle St. Godehard. Der Rohbau entstand von 1562 bis 1564. Der weitere Ausbau zog sich noch bis 1580 hin. Der erste Gottesdienst fand am 9. September 1582 statt. Bauherrn waren Joachim I. von Alvensleben (1514–1588) aus der Schwarzen Linie und Valentin von Alvensleben (1529–1594) aus der Weißen Linie auf Grund einer Stiftung von Busso IX. von Alvensleben († 1534). 1674 ließ Gebhard Johann II. von Alvensleben (1642–1700) die Kirche erneuern und die Begräbnisgewölbe darunter errichten. Joachim I. war der erste Schlossherr, der sich in der Kapelle beisetzen ließ. Ihm folgten viele weitere Generationen der Familie von Alvensleben bis 1928, als Graf Albrecht von Alvensleben-Schönborn (1848–1928) dort seine letzte Ruhe fand. Dementsprechend ist die Kapelle reich mit Grabsteinen und Epitaphien aus mehreren Jahrhunderten ausgestattet, die wie eine Familienchronik wirken. In den Jahren 1709/1710 erhielt die Kapelle eine neue Orgel, gebaut vom bekannten Magdeburger Orgelbaumeister Heinrich Herbst und dessen Vater. Bei Kriegsende 1945 wurde die Kapelle im Inneren stark beschädigt, vor allem die Orgel und die Epitaphien. Das Gestühl wurde verbrannt. Nach dem Kriege notdürftig wiederhergestellt, wurde sie von 1953 bis 1996 als katholische Kirche genutzt. Ein 1998 gegründeter Förderkreis bemüht sich um die Erhaltung des wertvollen Kulturdenkmals.

Schloss Erxleben II mit Hausmannsturm um 1865, Sammlung Alexander Duncker

Hausmannsturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Turm der Kapelle dient der alte, 50 Meter hohe Hausmannsturm, das Wahrzeichen von Erxleben. Er diente früher als Wartturm und der Bewachung der ursprünglich dicht neben ihm liegenden Hauptbrücke über den Burggraben und wird erstmals 1339 erwähnt. Nach Hugo Prejawas Forschungen (1905) ist er vor 1319 erbaut worden. Nach anderen Forschungen hat ein Vorgängerbau bereits um 920 bestanden. Er soll zunächst nur 28 Meter hoch gewesen, zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhöht und Mitte des 17. Jahrhunderts mit barocker Schweifhaube und Laterne bekrönt worden sein. Oben wohnte bis ins 19. Jahrhundert ein Turmwächter. 1950 wurde der Turm wiederhergestellt (Schieferbedeckung) und 1998 erhielt er eine neue Turmkugel.

Weitere Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Erxleben I um 1865, Sammlung Alexander Duncker

Nach der Teilung von 1554 hat vor allem Joachim I. von Alvensleben weitere Bauten errichtet. Hierzu gehörte u. a. der Joachimsbau und der Wirtschaftshof. Unter Gebhard Johann II. von Alvensleben wurde das Schloss Erxleben II 1679–1682 grundlegend erneuert. Friedrich August II. von Alvensleben (1750–1813) ließ 1782–84 das spätbarocke Schloss Erxleben I bauen.

1840 erhielt die Fassade des Schlosses Erxleben II einen zweistöckigen Balkonerker. 1905 entstand der Bibliotheksbau als Umbau einer alten Scheune mit einem Treppenturm. Hier wurde die von Joachim I. aufgebaute wertvolle Lehnsbibliothek aufgestellt. Heute befindet sich in den Räumen die Heimatstube „Burggalerie“.

Beide Rittergüter wurden 1945 - nach fast 700 Jahren - durch die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Das Barockschloss Erxleben I wird heute für die Außenstelle der Verbandsgemeinde Flechtingen genutzt. Der große Renaissancebau des Schlosses Erxleben II, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg eine Oberschule untergebracht war, steht seit einigen Jahren leer und ist teilweise akut vom Einsturz bedroht. Die Gemeinde als Eigentümerin bemüht sich um den Erhalt mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Familie von Alvensleben hat einen Teil der Forstflächen zurückerworben.

Rekonstruktionszeichnungen von Anco Wigboldus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erxleben um 1785 – Zeichnung von Anco Wigboldus

Der Kunsthistoriker Udo von Alvensleben-Wittenmoor (1897–1962) hat in den Jahren 1935 und 1936 zusammen mit dem holländischen Maler Anco Wigboldus zwei Zeichnungen angefertigt, in denen der Zustand der Gesamtanlage in den Jahren 1785 und 1910 dargestellt wird.

Ansicht von 1785[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste stellt die Burg Erxleben vom Nordwesten dar. Gedacht ist der Zeitpunkt nach Errichtung des Barockschlosses Erxleben I und vor Abbruch des Bergfrieds im Zentrum der Burg. Im Vordergrund sind die Gebäude von Erxleben I, rechts das ältere, 1554–1784 bewohnte Schloss der Weißen Linie, davor der dazugehörige Garten zu sehen. Jenseits des Bergfrieds befindet sich das mittelalterliche Schloss Erxleben II mit vier Treppentürmen, in dem die Schwarze Linie der Alvensleben bis 1945 wohnte. Deren Wirtschaftshof, die einstige Vorburg, schließt sich halbkreisförmig nach Süden an. Hinter dem Schloss sieht man die Schlosskapelle, den Hausmannsturm und die Gärten von Erxleben II.

Erxleben um 1910 – Zeichnung von Anco Wigboldus

Ansicht von 1910[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Ansicht zeigt die Burg von Südosten im Zustand von 1910. Im Vordergrund sieht man das Halbrund des Wirtschaftshofes, angelegt von Joachim I., zur Linken überragt von dem seit 1784 nicht mehr bewohnten Schloss Erxleben I. Es folgt das weitläufige Schloss Erxleben II, beginnend mit dem hochgiebeligen Joachims-Bau, sich fortsetzend bis über den Treppenturm der 1905 ausgebauten Bibliothek hinaus. Rechts davor steht der Hausmannsturm, der ursprünglich das Burgtor und drei aufeinander folgende Zugbrücken beschirmte. Dahinter sind die Schlosskapelle und das Barockschloss Erxleben I zu sehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Band 1 und 2, 1819, Band 3, 1829.
  • Bernhard Rudolf Behrends: Chronik des Kreises Neuhaldensleben. Zweite überarbeitete Auflage, Erster Band. Neuhaldensleben 1890.
  • Hugo Prejawa: Die Burg Erxleben. In: 34. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel, Magdeburg 1907, S. 139–150. online (kompletter Jahresbericht)
  • Udo von Alvensleben-Wittenmoor: Alvenslebensche Burgen und Landsitze. Dortmund 1960.
  • Marie-Luise Harksen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Haldensleben. Leipzig 1961, S. 235–273.
  • Udo von Alvensleben, Harald von Koenigswald: Besuche vor dem Untergang. Frankfurt/M, Berlin 1968, S. 182–204.
  • Michael Behrens: Zur Geschichte der Orgel in der Schlosskapelle Erxleben. Jahresschrift des Kreismuseums Haldensleben, Band 25, 1984, S. 28–39.
  • Busso Graf von Alvensleben: Erxleben und die Familie von Alvensleben. Sonderdruck aus Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Sachsen-Anhalt, 1996.
  • Rudolf Peisker: Das historische Erxleben – eine Chronik. Herausgeber: Gemeinde Erxleben. Staßfurt (ohne Jahreszahl) um 1998.
  • Udo von Alvensleben-Wittenmoor: Die letzten fünf Generationen der Alvensleben in Erxleben II – 1782–1945 (verfasst 1959). Herausgegeben von der Familie von Alvensleben e.V., Falkenberg August 2008, 44 S.
  • Busso von Alvensleben: Burg und Schlösser Erxleben, Ldk. Börde, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Mitteilungen der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Heft 17 Halle/Saale 2008, S. 408–429, 12 Abb.
  • Busso von Alvensleben: Erxleben. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V., Schriftenreihe "Schlösser und Gärten in Sachsen-Anhalt", Döbbelin 2009, 28 S.
  • Hildegard Bernick: Geschichte des Hausmannsturms Erxleben. In: Börde, Bode, Heide. Heimatschrift 2009. Herausgeber Landkreis Börde. Haldensleben 2009, S. 3–9.
  • Hildegard Bernick: Die Schlosskirche Erxleben und ihre Erbauer. In: Börde, Bode, Heide. Heimatschrift 2010. Herausgeber Landkreis Börde. Haldensleben 2010, S. 71–78.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Erxleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 13′ 6″ N, 11° 14′ 26,3″ O