Schloss Gaienhofen – Evangelische Internatsschule am Bodensee

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Schloss Gaienhofen – Evangelische Internatsschule am Bodensee
SchlossGaienhofen.jpg
Schulform Gymnasium
Gründung 1946
Ort Gaienhofen
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 40′ 47″ N, 8° 58′ 53″ OKoordinaten: 47° 40′ 47″ N, 8° 58′ 53″ O
Träger Evangelische Landeskirche in Baden
Schüler 524[1]
Lehrkräfte zirka 60
Leitung Dieter Toder
Website www.schloss-gaienhofen.de

Schloss Gaienhofen – Evangelische Internatsschule am Bodensee war ein Internat in Gaienhofen im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg. Es wurde 1946 gegründet und befand sich zusammen mit dem Ambrosius-Blarer-Gymnasium im Schloss Gaienhofen. Das Schulzentrum bestand zuletzt aus dem Gymnasium mit einem allgemeinbildenden Zweig und einem Wirtschaftsgymnasium sowie aus einer einzügigen Realschule. Es war staatlich anerkannt und verfolgte einen kirchlichen Erziehungsauftrag. Mit der Schließung des Internatsbetriebs 2013 gab sich die Schule den Namen Schloss Gaienhofen – Evangelische Schule am Bodensee.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss wurde auf der Halbinsel Höri in Uferrandlage am Bodensee errichtet. Die Stelle wurde dabei strategisch günstig direkt am Untersee gewählt, wo sich der Bodensee zum Rhein hin verengt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1903 wurde Schloss Gaienhofen an Georg von Petersenn, Professor an der Musikhochschule Berlin, verpachtet. Das 1900 in Stolpe am Wannsee gegründete Deutsche Landerziehungsheim für Mädchen (D.L.E.H.f.M.), das sich in der Konzeption an den Grundsätzen des Reformpädagogen Hermann Lietz orientiert, wurde 1904 nach Gaienhofen verlegt. Der Gründung durch Bertha von Petersenn lag die Idee zugrunde, Mädchen durch eine vielseitige Ausbildung zu Selbstständigkeit und Berufstätigkeit zu befähigen. Das D.L.E.H.f.M. wurde von deren Tochter Jutta von Petersenn geleitet. 1906 kaufte Georg von Petersenn das Schloss, 1911 heiratete seine Tochter Hermann Lietz. Unter der Leitung von Alfred Andreesen ließen die Beziehungen der D.L.E.H.f.M. zum Landerziehungsheim für Mädchen in Gaienhofen zunehmend nach. Am 8. Juni 1925 kam es zu einem schweren Brand im Schloss. Das ausgebrannte Landerziehungsheim wurde danach wieder aufgebaut und nach dem Verkauf an Elisabeth Müller aus Flensburg bis 1944 weitergeführt. Erst 1933 wurde der erste Junge in das bisher nur von Mädchen besuchte Internat aufgenommen. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs gab es keinen geregelten Schulunterricht.

Im Jahr 1946, ein Jahr nach Kriegsende, wurde durch Bestrebungen des Konstanzer Pfarrers Hermann Senges und des Konstanzer Dekans Friedrich Mono der Schulverein der Evangelischen Internatsschule (heute Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden) gebeten, die Trägerschaft und Verantwortung für das Internat zu übernehmen – die Evangelische Internatsschule Schloss Gaienhofen war gegründet. Die Schule nahm viele Flüchtlingskinder auf. Die Schüler waren sowohl evangelischer als auch katholischer Konfession. Im Jahr 1951 verließ der erste Abiturientenjahrgang die Schule. 1952 erwarb die Evangelische Landeskirche das Schloss.

Der Evangelischen Internatsschule diente das zu diesem Zweck mehrfach veränderte und um neue Bauten ergänzte Schloss zuletzt als Internatshaus für Mädchen. Das Internat war in mehrere Gebäude im ganzen Dorf verteilt, wobei die Heime nach Geschlecht und auch nach Altersstufen getrennt waren.

Das Schloss Gaienhofen und der Uferabschnitt waren nicht öffentlich zugänglich.

Missbrauchsvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März 2010 gab die Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Baden in einer Presseerklärung bekannt, dass fünf Heimerzieher bzw. Lehrkräfte des Internats in Gaienhofen im Zeitraum seit Anfang der 60-er Jahre entlassen [wurden], weil ihnen sexueller Missbrauch bzw. in einem Fall der Besitz von Kinderpornographie vorgeworfen wurde[3]. In einer Mitteilung an die ehemaligen Schüler des Internates spricht Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht davon, dass die Landeskirche eine Arbeitsgruppe zur Klärung der Verdachtsfälle eingerichtet habe.[3]

Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff berichtete im Spiegel davon, wie er 1960 als Zwölfjähriger[4] von einem Lehrer wiederholt sexuell missbraucht wurde.[5] Er sei häufig unter Vorwänden in das Zimmer des Kantors gerufen und dort oral missbraucht worden.[6] „Doktorspiele, Ferkeleien, unausgegorener Sex“ seien ihm dort widerfahren.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Beenken (Red.), Evangelische Internatsschule Gaienhofen (Hrsg.): Schloss-Schule Gaienhofen: Evangelische Internatsschule 1946–1986. Verlag Stadler, Konstanz 1986, ISBN 3-7977-0154-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schülerzahl laut privatschulberatung.de (Memento des Originals vom 21. Dezember 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.privatschulberatung.de, abgerufen am 20. Februar 2011.
  2. Medienmitteilung der Schulleitung (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) (PDF; 65 kB)
  3. a b Presseinformation der Schulstiftung 'Klarer Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs', 11. März 2010, zuletzt abgerufen am 4. Juli 2011 (Memento des Originals vom 17. Oktober 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schulstiftung-baden.de
  4. Gaienhofen/Heppenheim: Kirchhoff und Fried berichten von Missbrauch
  5. Schriftsteller Kirchhoff wurde missbraucht: „Doktorspiele, Ferkeleien, unausgegorener Sex“ – Spiegel online
  6. Sexueller Missbrauch: Schriftsteller Kirchhoff wurde als Schüler missbraucht – stern.de
  7. Kriminalität: Spiegel: Autor Kirchhoff als Schüler missbraucht

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]