Schloss Gurtweil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schloss Gurtweil
Süd-Ansicht Gurtweiler Schloss

Süd-Ansicht Gurtweiler Schloss

Entstehungszeit: 9. Jahrhundert
Erhaltungszustand: Nachfolgebau erhalten
Ständische Stellung: Gaugrafen-Albgau
Ort: Gurtweil
Geographische Lage 47° 38′ 30″ N, 8° 14′ 46″ OKoordinaten: 47° 38′ 30″ N, 8° 14′ 46″ O
Höhe: 372 m ü. NN
Schloss Gurtweil (Baden-Württemberg)
Schloss Gurtweil

Das Schloss Gurtweil befindet sich im Schlüchttal in der Ortschaft Gurtweil, einem Stadtteil der Kreisstadt Waldshut-Tiengen im baden-württembergischen Landkreis Waldshut.

Propstei des Klosters St. Blasien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Propstei des Klosters St. Blasien auf einer Supraporte in Schloss Bürgeln

Es ist ein großer, schlichter Kastenbau, der sich über drei Stockwerke erstreckt und an den Enden mit Staffelgiebeln versehen ist. Der Vorgängerbau war ab 1646 Propstei des Klosters St. Blasien. Die ehemalige Burg, umgeben mit Wassergräben, brannte am 13. Mai 1660 ab. Innerhalb von vier Jahren entstand durch das Kloster St. Blasien die noch heute bestehende Anlage. 1720–1747 wurden noch Um- und Anbauten ausgeführt, so eine Orangerie (die heutige Schlosskapelle), Obst- und Blumengärten und eine große Scheuer. Die Inneneinrichtung war sehr prunkvoll, in dieser Zeit wurde vermutlich auch der schöne Renaissancekachelofen errichtet. Stuckarbeiten sind ebenfalls erhalten, sie stammen von Franz Joseph Vogel.

1697 wurde als erster Propst Martin Steinegg ernannt. In den Jahren 1732 bis 1749 war Pater Stanislaus Wülberz Propst in Gurtweil. Auch die Pröpste und Patres Trudpert Neugart, Franz Kreutter, Ignatius Gumpp, Joseph Lukas Meyer und Columban Reble wohnten dort.

Napoleonische Kriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Aufhebung des Klosters St. Blasien wurde das Schloss verkauft, es diente auch als Lazarett. An der Umfassungsmauer steht ein Denkmal für die dort Verstorbenen. Zunächst war es eine Gruppe von 250 kranken Soldaten aus dem Regiment des Fürsten Colloredo-Mansfeld. Doch als bekannt wurde, dass in der Propstei ein Lazarett eingerichtet war, brachte man aus weiter Umgebung kranke Soldaten dorthin. Es waren vor allem österreichische Soldaten, die an Typhus starben. Nach Aufzeichnungen von Joseph Lukas Meyer sollen es in den Jahren zwischen 1813 und 1814 etwa 3000 gewesen sein. Im Dorf Gurtweil sind weitere 250 Menschen nach Ansteckung verstorben. [1]

Kinderheim St. Elisabeth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1822 verkaufte der badische Staat das Schloss an Longin Gantert, dessen Sohn es bis 1846 besaß. 1857 wurde es auf Initiative des Pfarrers Hermann Kessler und mit Hilfe von Spendern gekauft und eine „Rettungsanstalt für gefährdete und verwahrloste Mädchen“ als Kloster Mariä vom Siege gegründet.

Am 3. Dezember 1857 konnte der Pfarrer Schwestern von Ottmarsheim aus der 1845 unter dem Pfarrer Karl Rolfus gegründeten Gemeinschaft Schwestern vom Kostbaren Blut unseres Heilands im Hl. Sakrament zur Sühne und Anbetung in Steinerberg für Gurtweil gewinnen. Diese Gemeinschaft ging auf den Wunsch von Gaspare del Bufalo und auf die Gründung durch Maria de Mattias zurück.

1867 kam eine Haushaltungschule dazu. Als sich ab 1869 abzeichnete, dass das Kloster geschlossen wird, plante man in Amerika eine Neugründung, 1873 verließen 49 Schwestern die Heimat. Insgesamt wurden dann fünf Niederlassungen weltweit gegründet, so in Ruma (Illinois), Banjaluka, [2] Gutenberg bzw. Schaan in Liechtenstein, Wichita, und in O´Fallon[3] Einige Schwestern blieben dennoch vor Ort und setzten ihre Tätigkeit ohne Ordenskleid bis 1894 fort. Am 1. Mai 1897 wurde das Armenkinderheim Riegel-Gurtweil durch die Kirchenbehörde eröffnet. Seit 1928 hieß es Erzbischöfliches Kinderheim St. Elisabeth. Heute ist es das Wohnheim der Caritas-Werkstatt St. Ulrich. Seit 1980 leiten es die Gengenbacher Franziskanerinnen.

Die Schlosskapelle wurde am 23. Juli 1664 durch den Weihbischof Sigismund von Konstanz geweiht[4] und enthält einen Altar des Johann Christoph Feinlein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Kraus (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Waldshut. Mohr, Freiburg im Breisgau 1892 (Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 3), S. 125–126 (online).
  • Leo Beringer: Geschichte des Dorfes Gurtweil, 1960

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leo Beringer, Geschichte des Dorfes Gurtweil, S. 222
  2. Webseite Kloster St. Elisabeth Schaan
  3. Webseite der Schwestern vom kostbaren Blut in O´Fallo
  4. Leo Beringer, Geschichte des Dorfes Gurtweil, 1960, S. 53