Schloss Hagenberg (Weinviertel)

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Schloss Hagenberg im Weinviertel
Frontalansicht des Schlosses (2012)

Schloss Hagenberg, auch Schloss Haggenberg, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in der Gemeinde Fallbach[1] im nördlichen Weinviertel.

Das vierflügelige Wasserschloss wurde urkundlich erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. In seiner jetzigen, unter den Grafen Sinzendorf geschaffenen Form besteht es seit dem 17. Jahrhundert. Es stand u. a. im Besitz der Familien Hackenberg, Trauttmansdorff und Liechtenstein. Das Schloss wird privat bewohnt, ist jedoch unter Voranmeldung zu besichtigen.[2]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schreibweise des Namens Haggenberg hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach verändert. Die ursprüngliche Bezeichnung wird von einer Streitaxt abgeleitet. Daher war bis in die Neuzeit „Hakenberg“ oder „Hackenberg“ üblich. Erst in der Barockzeit setzte sich „Haggenberg“ durch, das zur Zeit des Kaisers Joseph II. zu „Hagenberg“ wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erbauer Heinrich von Hackenberg ist erstmals 1224 urkundlich nachweisbar,[3] 1264 wird „castrum Hackenberg“ als Ort einer Urkundensiegelung angegeben. Nach dem Tod des letzten Hackenbergers geht der Besitz 1382 an Alber Stuchs von Trautmannsdorf, 1543 kaufte Christoph Kuenritz das Schloss und wandelte es in ein Renaissanceschloss um.[3] 1620 von Anhängern des siebenbürgischen Fürsten und kurzzeitigen ungarischen Gegenkönigs Bethlen Gábor geplündert, blieb das Anwesen während des 30-jährigen Krieges verwüstet. Der Verkauf an Sigmund Friedrich von Sinzendorf erfolgte 1650. Die Familie von Sinzendorf war seit 1592 auf dem benachbarten Schloss Ernstbrunn ansässig. 1679 gestaltete dessen Neffe Theodor Reichsgraf von Sinzendorf das Gebäude in ein Barockschloss mit reichlicher Verzierung, einer prächtigen Gartenanlage und verschlüsselter Botschaft um. Nach dem Tod des Reichsfürsten Prosper von Sinzendorf 1822 fiel der Besitz Hagenberg mitsamt dem Ernstbrunner Erbe an die Fürsten Reuß-Köstritz. Es wurde nur mehr für den Gutsbetrieb landwirtschaftlich genutzt und verwahrloste.

Ab 1945 als deutsches Eigentum unter sowjetischer Verwaltung, gelangte das Schloss 1955 mit dem Staatsvertrag wieder in den Besitz des Fürsten Reuß. Mit dem Verkauf der umliegenden herrschaftlichen Äcker ziehen ab 1959 Künstler der Wiener Gruppe um Friedensreich Hundertwasser und Padhi Frieberger in das Gebäude. 1974 kaufte Hauptmann Josef Steiger das Gebäude, 1986 wurde es von Horst Wächter, dem ehemaligen Assistenten von Hundertwasser und Sohn des nationalsozialistischen Politikers und SS-Führers Otto Wächter, erworben.[3] 2020 übernahm die Familie Osmann das Schloss. Der Vorbesitzer Horst Wächter bleibt im Haus und widmet sich weiterhin der kunsthistorischen Forschung vor Ort sowie der Aufarbeitung der Geschichte seines Vaters Otto Wächter.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das viergeschossige Gebäude lässt sich in seiner geometrischen Grundrissstruktur und den harmonischen Proportionen der Renaissance zuordnen, obwohl das Grundmauerwerk bis ins Mittelalter zurückgeht. Das Raumprogramm unterliegt einer kosmologischen Mystik, die vermutlich ab 1679 mit dem Ausbau zum barocken Lustschloss unter Graf Theodor von Sinzendorf in das Gebäude eingebettet wurde. Die Ecken der 4 Trakte sind exakt nach den 4 Himmelsrichtungen ausgerichtet, die Räumlichkeiten sind in Enfiladen gegliedert und umgeben einen rechteckigen Hof. In den seitlichen Prunkräumen der Südtrakte sind farbige Deckenfreskos erhalten geblieben, die neben den Stuckverzierungen in den restlichen Räumen auf das mythologische Gesetz der Dualität verweisen.

Der heutige Zugang zu dem Wasserschloss erfolgt durch eine kurze Allee im Nordosten über eine steinerne Brücke, die an die barocke Sichtachse durch das Gebäude anschließt: Diese führt durch das Eingangstor in eine freskierte Eingangshalle, durch den Innenhof mit achteckigem Quellbrunnen und weiter in eine dreijochige Muschelgrotte, die „sala terrena“.[3] Die Grotte ist noch immer mit Statuen, Fresken, Muscheln und Stuck geschmückt und führt in den Gartenbereich. Die Verlängerung der Sichtachse führt dem ehemaligen Zugang folgend über den Wassergraben hinweg in die Landschaft, wo sich in der Barockzeit ein künstlich angelegter See mit Insel befand, der von venezianischen Gondoliere befahren werden konnte. Noch heute sind die mittelalterlichen Mauern und wesentliche Teile der barocken Ausstattung im Original erhalten.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein Initiative Hagenberg,[4] der seine Internetpräsenz mit der Schreibweise „Haggenberg“ betreibt,[5] veranstaltet und fördert kulturelle Aktivitäten im Schloss: In unregelmäßigen Abständen finden die „Haggenberger Schlossgespräche“ mit Fachleuten aus Philosophie, Architektur, Kunstgeschichte, Geschichts- und Politikwissenschaft statt. Der Dialog hat meist einen Bezug auf das Schloss, oder dort auffindbare Themen wie griechische Mythologie, Hermetik, Tempelritter, Freigeister, Kabbalistik und Mystik.

Schloss Hagenberg inspirierte auch einige Filmemacher. Szenen von „Das höchste Gebot“ (2013), „Kabale und Liebe“ (2005), „In einem anderen Leben“ (2005), „Napoleon“ (2002) und „Lina“ (2017) wurden hier gedreht. Auch Fotografen namhafter Möbelhersteller und Modelabels wie beispielsweise Wittmann und Sportalm nutzten die Szenerie vor Ort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Niederösterreichischen Burgen und Schlösser. 2 Bände, Georg Binder, Wien/Leipzig 1925, Band 2, S. 118.
  • Gerhard Reichhalter, Karin Kühtreiber, Thomas Kühtreiber: Burgen Weinviertel. Hrsg. von Falko Daim, Freytag-Berndt, 2005, ISBN 978-3-7079-0713-1.
  • Rudolf Büttner, Renate Madritsch: Burgen und Schlösser vom Bisamberg bis Laa/Thaya. Burgen und Schlösser in Niederösterreich 14 (Birken-Reihe), St. Pölten/Wien 1987, S. 158 ff.
  • Georg Clam Martinic: Österreichisches Burgenlexikon. Burgen und Ruinen, Ansitze, Schlösser und Palais. Landesverlag, Linz 1992, S. 133.
  • Dehio Niederösterreich, nördlich der Donau (hrsg. v. Bundesdenkmalamt). Verlag Anton Schroll & Co., Wien 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 382–383.
  • Manfred Jasser, Peter Kenyeres: Schlösser und Burgen im Weinviertel. Schriftenreihe Das Weinviertel 3 (hrsg. vom Kulturbund Weinviertel), Mistelbach 1979, S. 95.
  • Philippe Sands: Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht. Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit. Übersetzung Thomas Bertram. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2020, ISBN 978-3-10-397443-0 (über Otto Wächter)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schloss Hagenberg (Weinviertel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schloss Hagenberg. In: fallbach.gv.at. Abgerufen am 21. Juni 2019.
  2. Haggenberg. In: haggenberg-castle.at. Abgerufen am 10. September 2020 (Wasserschloss Haggenberg im Weinviertel).
  3. a b c d Hagenberg II. Schloss. In: NÖ-Burgen online. Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Universität Salzburg;
  4. Wasserschloss Haggenberg im Weinviertel. In: kulturvernetzung.at. Kulturvernetzung Niederösterreich, Initiative Hagenberg, Horst Wächter, abgerufen am 10. September 2020.
  5. vereinsrechtlicher Name: „INITIATIVE HAGENBERG - Verein zur Neu-Orientierung der nö. Nordost-Region“, Zentrales Vereinsregister Österreich Nr. 339263220. (abgerufen 16. Jänner 2021).

Koordinaten: 48° 37′ 55″ N, 16° 27′ 0,4″ O