Schloss Hanfelden

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Schloss Hanfelden, Westansicht
Schloss Hanfelden, 3-geschoßiger Vierflügelbau
Schloss Hanfelden, Hof zwischen Hauptgebäude und Umfassungsmauer
Abbildung von Schloss Hanfelden in: G. M. Vischer: Topographia Ducatus Stiriae, 1681.

Schloss Hanfelden ist ein im Wesentlichen aus dem 15. Jahrhundert stammender Schlossbau im Ortsteil Unterzeiring in der Gemeinde Pölstal in der Steiermark.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglicherweise schon um 1410 begann der Mautpächter am Triebener Tauern, Caspar Han(n), mit der Errichtung eines Ansitzes, der der Familie Hann seinen Namen verdankt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts ist Wilhelm Zeller (gestorben 1448) Besitzer des Hofes. Hans Han d. J. (1450–1516) stammt wohl von Hans Han d. Ä. ab, der ebenfalls Mautpächter am Triebener Tauern war. Hans Han d. J. wurde vom römisch-deutschen König Maximilian I. mit dem Gut belehnt und begann 1494 mit dem Wiederaufbau eines öden Hofes.

Ein Aufenthalt Maximilians I., den letzten Ritter, im Schloss, oder zumindest in Unterzeiring ist für Oktober 1506 durch mehrere dort unterzeichnete Urkunden dokumentiert. Er wollte der Erzählung nach die abgesoffene Silbermine in Oberzeiring wieder aktivieren und soll persönlich schon um 1475 im Schloss Hanfelden drei Monate gewohnt haben, um die Arbeiten zu überwachen. Ein Maximilianzimmer erinnert noch daran.

Die Familie Han(n) musste das Schloss 1579 an ihren Verwandten Hans Rauchenberger verkaufen, welcher der Anlage ihre heutige frühbarocke Gestalt gab. 1593 wird nochmals ein Wilhelm von und zu Hanfelden als Besitzer genannt. Nachdem die Rauchenberger 1629 aufgrund ihrer protestantischen Religionszugehörigkeit das Land verlassen mussten, kam das Schloss in oft wechselnde Besitzverhältnisse. Dies führte dazu, dass es bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts baufällig war. 1856 wurde das Schloss durch den Gewerken Franz Xaver Neuper von der Familie Schwarzenberg erworben. Seine Nachkommen besitzen das Schloss noch heute.

Das Gebäude, welches sich bis heute weitgehend so präsentiert, wie es Georg Matthäus Vischer 1681 in seiner Topographia Ducatus Stiriae zeigt, steht seit 1965 unter Denkmalschutz und stellt aufgrund seiner unverfälschten authentischen Erhaltung ein besonderes architektonisches und denkmalpflegerisches Juwel dar. Besonders bekannt ist die sogenannte Maximiliansstube mit der rund 100 Jahre nach dem Besuch Maximilians angefertigten Inschrift zum Besuch des Königs in Zeiring.

Unterzeiring – Schloss Hanfelden – Backofen in der Schlossküche im Erdgeschoß

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2016 werden vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie (Universität Wien) unter der Leitung von Frau Prof. Claudia Theune in Kooperation mit dem interdisziplinären Arbeitskreis Schloss Hanfelden archäologische und bauhistorische Untersuchungen durchgeführt. Aktuelle dendrochronologische und bauhistorische Forschungen scheinen darauf hinzudeuten, dass der erste Wohnturm möglicherweise erst um 1500 errichtet wurde. Eine ältere Bebauung, wie sie aus den schriftlichen Quellen erschlossen wird, bezieht sich wohl auf einen zu dieser Zeit verlassenen Hof ('öder Hof').[1]

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss verfügt über die beiden einzigen noch erhaltenen, im Kern spätmittelalterlichen Blockwerkkammern in der Steiermark.[2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Aigner,: Bauaufnahmen auf Schloß Hanfelden, Steiermark, Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 18, Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie, Wien 2002, S. 5–20.
  • Walter Brunner: St. Oswald-Möderbrugg, Band 1 – Eine Gemeinde und ihre Geschichte, 2002, 682–709.
  • Gerhard Reichhalter: Blockwerkkammern des 13. bis 15. Jahrhunderts aus österreichischen Burgen. In: Burg und Funktion. Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Wien 2006, S. 179–192.
  • Robert Fürhacker, Claudia Theune, Interdisziplinärer Arbeitskreis Schloss Hanfelden: Schloss Hanfelden – Einst & Jetzt. Ausgabe 1/2016 und Ausgabe 2/2018 Unterzeiring 2016 & 2018 (Ausgabe 1, pdf, univie.ac.at) – ausführliche Baudokumentation.
  • Melanie Reif: Vive Hanfelden. Ein Beitrag zu einer substanzorientierten, vorbereitenden Untersuchung des Schloßes Hanfelden in Unterzeiring (Diplomarbeit, TU Graz 2016, https://diglib.tugraz.at/vive-hanfelden-2016).
  • Josef Steiner-Wischenbart: Die Burgen und Schlösser im oberen Murtal, Graz 1913, S. 11–15.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schloss Hanfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie aus einem Turm ein Schloss wurde. In: Kleine Zeitung. 29. Juli 2017. Abgerufen am 3. August 2017.
  2. Schloss Hanfelden. In: burgenseite.com. Abgerufen am 3. März 2016.
  3. 1. Maximilianfest im ehemaligen Jagdschloss des Kaisers. In: Kleine Zeitung. 23. September 2015, abgerufen am 3. März 2016.

Koordinaten: 47° 15′ 32″ N, 14° 30′ 41″ O