Schloss Heiligenberg (Jugenheim)

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Schlossansicht mit hessischem Wappen am Portal des Turmaufsatzes

Schloss Heiligenberg steht östlich von Jugenheim, einem Ortsteil von Seeheim-Jugenheim, etwa zwölf Kilometer südlich von Darmstadt, auf dem Heiligenberg (209 m ü. NHN)[1], von dem man einen weiten Blick über die Rheinebene von der Pfalz bis hinüber zum Taunus hat.

Schloss[Bearbeiten]

Schloss Heiligenberg
Die Fürstliche Hessische Familie 1864 auf Schloss Heiligenberg

Nach der Klärung komplizierter Eigentums- und Lehens-Verhältnisse gelangte der landwirtschaftlich genutzte Heiligenberg 1811 in den Besitz des hessischen Hofkammerrats August Konrad Hofmann, der zwischen 1814 und 1816 einen von den Herren von Hausen nach 1794 errichteten Wirtschaftshof zum Hofgut ausbauen ließ. Möglicherweise war bereits an diesen Planungen der Architekt und Darmstädter Hofbaudirektor Georg Moller beteiligt.

Hofmann verkaufte das Gut 1827 an die damalige Erbgroßherzogin Wilhelmine von Hessen und bei Rhein, die es als Sommersitz nutzte. Als ihr Mann Ludwig nach dem Tod seines Vaters Großherzog wurde, standen ihr nun größere finanzielle Mittel zur Verfügung, mit denen sie das Gut durch Georg Moller ab etwa 1831 zu einem Schloss ausbauen ließ.

Später wurde Schloss Heiligenberg durch den drittgeborenen Sohn des großherzoglichen Paars, Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein, und seine morganatische Ehefrau Fürstin Julia von Battenberg bewohnt, die es ab 1862 die nächsten fünf Jahre und dann weiter bis 1886 mehrmals aus- und umbauten – offenbar nach bereits 1846 entstandenen Plänen des inzwischen verstorbenen Georg Moller.

Alexander und Julia wurden die Begründer des Adelsgeschlechts Battenberg / Mountbatten. Auf Grund der weitreichenden dynastischen Verbindungen der Familie war das Schloss bis 1914 Mittelpunkt regelmäßiger Besuche des russischen Zarenpaars und Treffpunkt von Königen, Fürsten und Diplomaten. Die älteste Tochter der beiden, die 1852 in Straßburg geborene Prinzessin Marie Karoline von Battenberg, spätere Fürstin von Erbach-Schönberg schildert im ersten Band ihrer dreibändigen Autobiographie "Entscheidende Jahre" recht anschaulich das Leben auf dem Heiligenberg in dieser Zeit, Besuche von Großfürsten und Kaisern oder der Einweihung des goldenen Kreuzes - aber auch den baulichen Wandel, den sie teilweise bedauerte.[2]

1920 verkaufte Alexanders Sohn Prinz Ludwig Alexander von Battenberg (seit 1917Louis Mountbatten, 1. Marquess of Milford Haven ), nach seiner Entlassung aus der Royal Navy 1918 in finanzielle Schwierigkeiten geraten, das Schloss an zwei Investoren: Geheimrat Dr. Theodor Görges aus Berlin und seinen Schwiegersohn Heinrich Prinz von Hohenleuben[3][4] bevor Mitte der 1930er Jahre angeblich zum Ausgleich von Steuerschulden der schon gleichgeschaltete hessische Staat Eigentümer wurde: zuerst als nationalsozialistische BDM Gauführerinnen- und Hauswirtschaftsschule genutzt[5], diente das Schloss bis Kriegsende als Ersatzlazarett.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Umbau des Inneren beherbergte die Anlage jahrzehntelang verschiedene Fachschulen und Institutionen, zuletzt war es bis 2011 Sitz des Amtes für Lehrerbildung.

Seit 2012 ist im Schloss ein Trauzimmer der Gemeinde Seeheim-Jugenheim eingerichtet. Der Gartensaal und der Schlosshof werden regelmäßig für Kunstausstellungen und Konzerte genutzt. Eine Stiftung hat das Schloss 2013 im Sinne der Denkmalpflege für Kunst und Kultur übernommen.[6] 2014 fand zum ersten Mal ein Weihnachtsmarkt im Schlosshof statt, seit 2015 wird hier auch die "Juremer Kerb" eröffnet.

Umgebung[Bearbeiten]

  • Die das Schloss umgebende Parkanlage wurde lange nicht wie das nahe gelegene Fürstenlager (Bensheim-Auerbach) in besonderem Maße landschaftsgärtnerisch betreut, doch hat die Stiftung Heiligenberg Jugenheim ein Parkpflegewerk erstellen lassen, das sukzessiv umgesetzt wird. Noch immer kann der aufmerksame Besucher die stattliche Weihrauchzeder (Calocedrus) vor dem Hauptgebäude oder den Mammutbaum (Sequoioideae) am Teich kaum übersehen, auch Ginkgobäume und andere bis heute exotische Pflanzen kann das geübte Auge auf dem Heiligenberg erkennen. Stück für Stück wird aber auch im Umfeld die ehemalige Parkgestaltung wieder sichtbar. Der ursprüngliche Park überspannte eine viel größere Fläche als das heutige eingezäunte Areal, war auch viel offener gestaltet und ging fließend in die ihn umgebenden Waldungen über.[7]
  • Die Klosterruine Heiligenberg: In unmittelbarer Umgebung befinden sich die Reste des kleinen Nonnenklosters, das vermutlich an der Stelle eines befestigten Herrenhofes aus dem 11./12. Jahrhundert errichtet wurde und von 1263 bis 1413 bestand. Es wird angenommen, dass Konrad II. von Bickenbach und seine Frau Guda von Falkenstein das Kloster stifteten. Es beherbergte nur wenige Nonnen. 1413 hob der Mainzer Erzbischof Johann von Nassau-Wiesbaden-Idstein das Nonnenkloster auf, schlug es dem Kloster Lorsch zu, das ab jetzt den Pfarrer im Kloster besoldete und vermutlich auch Mönche hier einquartierte. Die kleine Klosterkirche wurde mindestens noch ein Jahrhundert lang benutzt - wie ein Regest von 1493 im Staatsarchiv Darmstadt beweist, in dem ein Eberhard Scheubel als Pfarrer im Kloster Heiligenberg bestellt wird.[8] Spätestens nach Einzug der Reformation in der Grafschaft Erbach 1544 setzte der Verfall der Klostergebäude ein. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einigen Raubgrabungen, der Heiligenberg verwilderte.
  • Zentlinde: Direkt daneben steht die Zentlinde, die früher auf etwa 1000 Jahre, heute eher auf rund 800 Jahre geschätzt wird. Vom 13. bis 16. Jahrhundert tagte hier das Zentgericht.
  • Das Wahrzeichen Jugenheims, das Goldene Kreuz, wurde 1866 zum Gedenken an die vormalige Bewohnerin Großherzogin Wilhelmine errichtet und von ihren vier Kindern am 28. Mai 1866 (Wilhelminentag) eingeweiht. Es steht auf einem Sockel aus schwarzem Syenit und ist etwa sieben Meter hoch. Mit seiner Blattvergoldung ist es von weitem aus der Rheinebene zu sehen.
  • Neben dem Kreuz steht das 1894 fertiggestellte Mausoleum der Familie von Battenberg. Es wurde für Prinz Alexander († 1888) und seine Frau Julia († 1895) errichtet. Nach der Umbettung der beiden in eine gemauerte Gruft unter der Begräbnisstätte vor dem goldenen Kreuz im Jahre 1902 wurde das Mausoleum zur Gedächtniskapelle des Hauses Battenberg umgewidmet. Auf dem Grab befindet sich auch ein Gedenkstein für ihren Enkel Louis Mountbatten, der 1979 von der IRA ermordet wurde.

Kreuz, Mausoleum und Zentlinde sind nur nach Voranmeldung zu besichtigen.[9]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHeiligenberg, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 17. Februar 2014, abgerufen am 15. Juni 2014.
  2. Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg Prinzessin von Battenberg: Entscheidende Jahre. 1859 - 1866 - 1870. Aus meiner Kindheit und Mädchenzeit. Zweite Auflage. Darmstadt 1923, Verlag der "Litera"-A.-G.
  3. Heinrich XXXI. Prinz Reuß jüngere Linie; Heinrich Prinz von Hohenleuben (seit 1918), * 10. Dezember 1868 in Jänkendorf, † 9. August 1929 in Breslau; deutscher Diplomat: 1910-1912 Botschafter in Indien (Neu Delhi); Gesandter in Iran (Teheran), verheiratet mit Ilse Marie Görges, siehe auch Stammliste Haus Reuß
  4. Günter Baisch und Claudia Schäfer: Jugenheim - Der Heiligenberg und die Battenberger, S. 37
  5. Fotoalbum vom Juli 1934, HStAD Bestand R 4 Nr. NACHWEIS
  6. Schloss Heiligenberg öffnet sich. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Mai 2013, Seite 48.
  7. Ompteda: Rheinische Gärten
  8. HStAD, A 1, 101/1: Urkunde vom 20. September 1493: Heiligenberg (Kloster): Präsentation des Eberhard Scheubel zum Pfarrer im Kloster Heiligenberg bei Jugenheim (Digitalisat im Archivinformationssystem Hessen)
  9. Eine Anmeldung kann über die Stiftung Heiligenberg Jugenheim erfolgen
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatConrad von Weinsberg 1368, Jugenheim. Grabdenkmäler in Hessen bis 1650. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 27. April 2005, abgerufen am 9. Oktober 2014.
  11. Darmstädter Echo, Freitag, 11. Dezember 2015, S. 18

Literatur[Bearbeiten]

  • Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg Prinzessin von Battenberg: Entscheidende Jahre. 1859 - 1866 - 1870. Aus meiner Kindheit und Mädchenzeit. Zweite Auflage. Darmstadt 1923, Verlag der "Litera"-A.-G., ohne ISBN
  • Günter Baisch und Claudia Schäfer: Jugenheim - Der Heiligenberg und die Battenberger Hg. Verkehrs- & Verschönerungsverein Jugenheim a.d. Bergstraße 1863 e.V, Jugenheim 2011, ohne ISBN, 64 Seiten
  • Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu Geschichte und Architektur. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1711-2, S. 62–64.
  • Hans Buchmann: Jugenheim, Balkhausen und der Heiligenberg - Aus der Chronik der Gemeinden Jugenheim und Balkhausen Herausgegeben vom Verkehrs- & Verschönerungsverein Jugenheim a.d.B., Druckerei Horn, Jugenheim 1978, ohne ISBN
  • Corti, Egon Caesar: Unter Zaren und gekrönten Frauen. Schicksal und Tragik europäischer Kaiserreiche an Hand von Briefen, Tagebüchern und Geheimdokumenten der Zarin Marie von Russland und des Prinzen Alexander von Hessen. 1.-8.A. Salzburg und Leipzig, Pustet 1936, 448 S., ohne ISBN
  • Hessendienst der Staatskanzlei (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 329.
  • Ludwig von Ompteda: Rheinische Gärten von der Mosel bis zum Bodensee: Bilder aus alter und neuer Gärtnerei. Berlin 1886, Verlag Paul Parey; Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, ISBN

Weblinks[Bearbeiten]

49.7513888888898.6475Koordinaten: 49° 45′ 5″ N, 8° 38′ 51″ O