Schloss Itter

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Itter
Schloss Itter in 1979.jpg
Entstehungszeit: unbekannt (9.–12. Jh.)
Burgentyp: Hügelburg
Erhaltungszustand: zwischenzeitlich Ruine, Wiederaufbau im 19. Jh., bewohnt
Ort: Itter
Geographische Lage 47° 28′ 14″ N, 12° 8′ 23,5″ O47.47054312.139869720Koordinaten: 47° 28′ 14″ N, 12° 8′ 23,5″ O
Höhe: 720 m ü. A.
Schloss Itter (Tirol)
Schloss Itter

Schloss Itter ist ein Prachtbau des 19. Jahrhunderts in Itter im Brixental, in Nordtirol

Geschichte[Bearbeiten]

Burg Itter[Bearbeiten]

Die Erbauungszeit der Burg ist unbekannt. Sie war eine Grenzfeste des Hochstiftes Regensburg zur Überwachung des Eingangs des Brixentals gegen das Bistum Salzburg und könnte schon nach 900 entstanden sein (902 kam das Brixental an Regensburg) vielleicht aber auch erst später. 1380 wurde Itter vom Regensburger Domkapitel an Salzburg verkauft; die erste bekannte urkundliche Erwähnung stammt von 1241 (zusammen mit Dorf Itter und Pfalzgraf Rapoto II. von Ortenburg als Burgherren).[1]

Im 14. Jahrhundert waren dann Gericht und Pflege Itter auf der Burg ansässig, Burg und Dorf wurden als Burgfrieden eingerichtet, was für die Bevölkerung neben Versorgung des Verwaltungssitzes mit Brennholz und Nahrungsmittel auch Wegebau und Stellung militärischer Kontingente bedeutete. Zu den Pflegern – die häufig wechselten – gehörten etwa die Freundsberger.
1526 wurde die Burg in den Bauernaufständen von Pinzgauer Bauern zerstört, aber 1532 wiederaufgebaut.[1]

Als das Gericht im 17. Jahrhundert nach Hopfgarten verlegt wurde, wurde der Sitz, wie so viele Burgen, dem Verfall überlassen.

1806, während der Besatzungszeit der Napoleonischen Kriege, überließ die bayerische Regierung die Ruine der Gemeinde Itter für einen symbolischen Baupfennig von 15 Gulden.[2] Diese erlaubte den heimischen Bauern, sie als Steinbruch zu verwenden und sich am Baumaterial zu bedienen.

Schloss Itter[Bearbeiten]

1878 kaufte ein Unternehmer aus München, Paul Spieß, das Areal. Er ließ das heutige Schloss auf den Grundmauern erbauen. In der Folge wurde – erfolglos – eine Fremdenpension mit 50 Zimmern eingerichtet. 1884 erwarb die Pianistin Sophie Menter das Anwesen, Liszt und Tschaikowski waren beispielsweise hier zu Gast. 1902 ließ ein neuer Besitzer, Eugen Meyer, das Bauwerk im neugotischen Stil mit Anklängen an den Tudorstil umbauen. Unter diesen Eigentümern wurde – mit großem Aufwand – der Bau zu einem Repräsentationssitz der Belle Epoque.

1943 bis 1945 war in Itter ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, unter anderem für prominente Häftlinge (Sonderhäftlinge). Hier interniert wurden beispielsweise

Das Schloss im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Westfassade im Jahr 1979, während Zeit der Nutzung des Schlosses als Hotel

Im Sommer 1944 entwickelten die auf Schloss Itter zur Zwangsarbeit eingesetzten regulären KZ-Häftlinge für sich und die prominenten Häftlinge einen Fluchtplan in die Schweiz. Die Flucht scheiterte, weil sich die Prominenten weigerten, an der Flucht teilzunehmen.[3]

Als sich im April 1945 der Vormarsch der US-Armee Richtung Dachau ankündigte, setzte sich Eduard Weiter, der letzte Lagerkommandant des KZ Dachau, nach Itter ab und erschoss sich hier am 2. Mai 1945.[3] Nach dem Abzug der SS-Wachmannschaft übernahmen eine Handvoll US-Soldaten unter Captain John C. Lee jr. und ein Dutzend Soldaten der Wehrmacht unter Major Josef Gangl, die sich dem österreichischen Widerstand angeschlossen hatten, den Schutz der befreiten Ehrenhäftlinge und verteidigten das Schloss gegen den Angriff einer versprengten Waffen-SS-Einheit. Gangl starb dabei; die Schlossgebäude wurden durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt.[4][5][6][7]

Nach 1945[Bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde ein Nobelhotel mit Hubschrauberlandeplatz eingerichtet, neuerlich ohne wirtschaftlichen Erfolg (Schlosshotel Itter im Eigentum der Ittag-Hotel AG, Vaduz). Seit 1980 ist das Anwesen Privatbesitz und Wohnobjekt.

Heute steht das Bauensemble unter Denkmalschutz. Von der alten Burg sind Reste von zwei Bergfrieden und der Verbindungsflügel erhalten.

Adelsgeschlecht Itter[Bearbeiten]

Ein Bezug von Schloss Itter in Tirol zu den bedeutenden, in der Gefolgschaft Karl des Großen stehenden, Edelherren von Itter, einem edelfreien Adelsgeschlecht mit Besitz im Itter- und Hessengau, besteht nicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio Tirol, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Tirol. Wien 1980, S. 374.
  • Stephen Harding: The Last Battle. When U.S. and German Soldiers Joined Forces in the Waning Hours of World War II in Europe. Da Capo Press, Philadelphia 2013, ISBN 978-0-306-82209-4.
    • deutsche Ausgabe: Die letzte Schlacht – Als Wehrmacht und GIs gegen die SS kämpften. Zsolnay Verlag, Wien 2015, ISBN 978-3-55205718-0.[8]
  • Georg Clam Martinic: Österreichisches Burgenlexikon – Schlösser, Burgen und Ruinen. 1991, S. o.A.
  • Josef Weingartner, Magdalena Hörmann-Weingartner: Die Burgen Tirols. Ein Burgenführer durch Nord-, Ost- und Südtirol. 3. Auflage. Innsbruck/Bozen 1981, S. 58 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Itter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stephen Harding: The Last Battle. When U.S. and German Soldiers Joined Forces in the Waning Hours of World War II in Europe. Da Capo Press, Philadelphia 2013, ISBN 978-0-306-82209-4, S. 11-12 (Auszug (Google))
  2. Burg Itter im Brixental. auf: burgen-adi.at
  3. a b c Volker Koop: In Hitlers Hand. Sonder- und Ehrenhäftlinge der SS. Böhlau Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-412-20580-5. Augusta Léon-Jouhaux: Prison pour hommes d'État. Denoël/Gonthier, 1973.
  4. a b Bernard L. Rice: Recollections of a World War II Combat Medic. Indiana Magazine of History Vol. 93, No. 4, Dezember 1997, S. 312–344, insbesondere S. 340–343 (JSTOR)
  5. Stephen Harding: The Battle for Castle Itter. World War II Magazine, Ausgabe August/September 2008 (Online-Kopie auf history.net)
  6. Marc von Lüpke: Schlacht von Schloss Itter. Als Wehrmacht und Amerikaner gemeinsam gegen die SS kämpften. In: Spiegel Online. 24. Februar 2015, abgerufen am 1. März 2015.
  7. http://oe1.orf.at/artikel/401164 Die letzte Schlacht, Als Wehrmacht und GIs gegen die SS kämpften (Buchbesprechung) Kontext – Sachbücher und Themen, ORF.at, gesendet 6. März 2015, 09h05
  8. Deutschlandfunk.de, 9. März 2015, Günter Kaindlstorfer: Ein interessantes Stück Tiroler Regionalgeschichte