Schloss Jegenstorf

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Schloss Jegenstorf
Schloss Jegenstorf von Norden (2014)

Schloss Jegenstorf von Norden (2014)

Entstehungszeit: um 1200 / 1720
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: erhalten
Ständische Stellung: Adel
Ort: Jegenstorf
Geographische Lage 47° 2′ 52″ N, 7° 30′ 34″ OKoordinaten: 47° 2′ 52″ N, 7° 30′ 34″ O; CH1903: 605381 / 210752
Schloss Jegenstorf (Kanton Bern)
Schloss Jegenstorf
Schloss Jegenstorf, Schreibkommode Louis XV, von Mathäus Funk (um 1765)

Das Schloss Jegenstorf ist ein Schloss in der Gemeinde Jegenstorf im Kanton Bern, Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Todesjahr Bertholds II. von Zähringen (1111) wird in Veröffentlichungen über Schloss Jegenstorf oft als legendäres, jedoch nicht nachweisbares Datum der Erbauung der ursprünglichen Wasserburg genannt. Im 12. Jahrhundert besassen die Herren von Jegistorf, die Gefolgsleute der Zähringer waren, die Besitzung, später gingen Anteile an dieser Herrschaft in den Besitz der Familien Buwli, von Erlach, Frieso, Gloggner, von Schwanden, Spilmann, von Torberg und Zigerli über. Nachdem die Familie von Erlach ab 1519 alleinige Besitzerin war, ging Jegenstorf 1584 durch Kauf an die Familie von Bonstetten und wurde an die von Wattenwyls vererbt. 1720 wurde die ursprüngliche Burg für Albrecht Friedrich von Erlach in einen barocken Landsitz umgebaut. Von 1758 bis 1934 gehörte das Schloss der Familie von Stürler und wurde von dieser 1913 bis 1916 gründlich renoviert. 1936 erwarb der Verein zu Erhaltung des Schlosses Jegenstorf das Anwesen, um es als Baudenkmal und Museum dem bernischen Volk zu erhalten. Das Schloss Jegenstorf war vom Herbst 1944 bis zum Sommer 1945 der Sitz des Oberbefehlshabers der Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg, General Guisan. 1955 gründete der Verein die Stiftung Schloss Jegenstorf, die seither Besitzerin der Domäne ist und das Museum für Bernische Wohnkultur vom 17. bis zum 19. Jahrhundert betreibt. Von Mai bis Oktober finden gewöhnlich Sonderausstellungen statt.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die umfangreichen Sammlungen umfassen Möbel Mathäus Funks, seines Bruders Johann Friedrich Funk und dessen Sohn Johann Friedrich Funk, Christoph Hopfengärtners, Johannes Äbersolds und Carl Franz Hossfelds. Die Schlossräume beherbergen die grösste Ausstellung bernischer Porträts. Diese umfasst wichtige Werke der Maler Joseph Werner, Johannes Dünz, Johann Rudolf Huber, Jakob Emanuel Handmann, Johann Ludwig Aberli, Joseph Esperlin, Pierre-Nicolas Legrand und Johann Friedrich Dietler. In den Schlossräumen befinden sich zahlreiche Berner Marmorkamine und Kachelöfen aus der ganzen Schweiz. Der letzte Schlossbesitzer Arthur von Stürler erwarb diese aus diversen Abbruch- oder Umbauobjekten. Die meisten der Kamineinfassungen (Rosenlaui-Marmor, Zwelütschinen-Marmor, Merligen-Marmor) stammen aus der Werkstatt Johann Friedrich Funks (I.). Dauerausstellungen zum Dichter Rudolf von Tavel, dem Pädagogen und Ökonomen Philipp Emanuel von Fellenberg und der Ökonomischen Gesellschaft Berns ergänzen die Sammlungen. In der Grotte des grossen Teichs Richtung Süden befindet sich die gusseiserne Statue Die Badende, nach dem 1767 im Salon präsentierten Original des französischen Bildhauers Christophe-Gabriel Allegrain (1710–1795).

Impressionen Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrschaft Jegenstorf

  • Akten zum Rechtsstreit zwischen Niklaus von Wattenwyl und den Herrschaftsleuten von Jegenstorf (1711-1715), Burgerbibliothek Bern, FA von Wattenwyl A 9 (11)
  • Urbar der Herrschaft Jegenstorf (1748), Staatsarchiv des Kantons Bern, FA von Erlach III 9
  • Eidbüchli für die Gerichte der Herrschaften Jegenstorf, Urtenen und Mattstetten, sowie der Freigerichte Mülchi, Hettiswil und Frienisberg, (2. Hälfte 18. Jh.), Staatsarchiv Bern, HA Varia 17
  • Audienz-Brouillard der Herrschaften Jegenstorf, Hindelbank, Urtenen, Bäriswil und Mattstetten (1775-1783), Staatsarchiv Bern, HA Varia 21
  • Audienz-Brouillard der Herrschaften Jegenstorf, Hindelbank, Urtenen, Bäriswil und Mattstetten (1785-1793), Staatsarchiv Bern, HA Varia 22

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans A. Haeberli: Aus der Besitzergeschichte des Schlosses Jegenstorf. Nachzeichnung und Katalog der Ausstellung zum 50jährigen Bestehen des Vereins Schloss Jegenstorf. 1936–1986. Stiftung und Verein Schloss Jegenstorf, Jegenstorf 1986.
  • Berner Schreibmöbel des 18. Jahrhunderts. hrsg. von der Stiftung Schloss Jegenstorf, Jegenstorf 2008 (Ausstellungskatalog, Schloss Jegenstorf, 10. Mai – 12. Oktober 2008).
  • Schloss Jegenstorf. Von der Burg zum Schloss. Schloss Jegenstorf im Wandel der Jahrhunderte. hrsg. von der Stiftung Schloss Jegenstorf, Bern 2004, ISBN 3-9522728-1-7.
  • Toni P. Labhart: Kamine aus bernischen Marmoren. Schloss Jegenstorf. Stiftung Schloss Jegenstorf, Bern 2003, ISBN 3-9522728-0-9.
  • Mario Marguth: Das Schloss Jegenstorf als Kommandoposten des Generals. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. 7. Jg., 1945, ISSN 0005-9420, S. 244–248, online.
  • Heinrich Türler und Emanuel Jirka Propper: Das Bürgerhaus im Kanton Bern, II. Teil. Zürich 1922, S. LXVII−LVII und Taf. 70-72.
  • Georges Herzog: Schloss Jegenstorf. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 339). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1983, ISBN 978-3-85782-339-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Jegenstorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien