Schloss Karlburg

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Schloss Karlburg

Das Schloss Karlburg (slowakisch: Rusovský kaštieľ) ist ein Schloss in der Slowakei. Es befindet sich in Rusovce (ungarisch: Oroszvár, deutsch: Karlburg), einem Stadtteil von Bratislava am rechten Donauufer unweit der Grenze zu Österreich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gutsbesitz Oroszvár wurde 1646 von Graf Stefan Zichy als Landsitz angekauft, dessen Familie mehr als 200 Jahre Eigentümer blieb.[1]

Wappen des Grafen Emanuel Zichy Ferrari
Wasserturm im Park

Das heutige Schloss wurde 1841 bis 1846 für den Grafen Emanuel Zichy Ferrari im Tudor-Stil, der damals in England vorherrschenden Neugotik, erbaut (Fassade: Arch. Franz Beer, Wien); eine Reverenz des Bauherrn an seine englische Gattin. Das von einem weitläufigen englischen Landschaftspark umgebene Gebäude (die Gutsfläche umfasst 24 Quadratkilometer beiderseits der Donau) ersetzte einen im Jahr 1521 errichteten Vorgängerbau am selben Standort. Als Besitz der Zichys war Schloss Karlburg oft Ort der Geburt und der Heirat von Mitgliedern der Aristokratie.

1872 verkaufte Familie Zichy an den Unternehmer Graf Hugo Henckel von Donnersmarck, der hier bis 1890 ein überregional bekanntes Gestüt für Rennpferde betrieb[2] und dann das Gut verkaufte. 1906 wurde das Anwesen von Graf Elemér Lónyay (ab 1917: Fürst) und seiner Gattin Stephanie von Belgien, der Witwe nach Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn, gekauft. Die beiden hatten 1900 geheiratet.

Bis 1945 war Schloss Karlburg sodann Wohnsitz des Paares. Bertha von Suttner besuchte die beiden dort zu Weihnachten 1906 und schrieb darüber in der Wiener Tageszeitung „Neue Freie Presse“, was Karl Kraus in seiner Zeitschrift „Fackel“ zu süffisanter Polemik veranlasste.[3] Bis 1914 war Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gattin gern hier zu Gast (denn beide Ehepaare waren nach den Regeln des Kaiserhauses nicht standesgemäß verheiratet).

Der 1946 in Budapest verstorbene Fürst vererbte Schloss und Park dem Benediktinerorden, der das Ehepaar 1945 auf seiner Flucht vor der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs in seiner Abtei Pannonhalma beherbergt hatte. Die Schlossbibliothek von Oroszvár (3.300 Titel, 4.500 Bände) ist bis heute in Pannonhalma erhalten.[4] Bis 1947 gehörte Karlburg, ungarisch Oroszvár, zu Ungarn, dann wurde es der Tschechoslowakei zugeschlagen (siehe: Bratislavaer Brückenkopf). Der Besitz wurde 1948 vom Staat beschlagnahmt.

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktueller Besitzer ist seit 1995 die slowakische Regierung, die das Schloss zu Repräsentationszwecken nutzen wollte und will. 1995–2000 investierte die slowakische Regierung rund 30 Millionen Euro in die Restaurierung, weitere 50 Millionen sind noch vorgesehen. Das Schloss ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Benediktiner wollen 2009 den Europäischen Gerichtshof anrufen, nachdem das slowakische Verfassungsgericht die Rückgabe an den Orden abgelehnt hat.[5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website des Parks Rusovce
  2. Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 9. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1896, S. 939
  3. Zeitschrift Fackel, Wien, vom 23. Jänner 1907, VIII. Jahr, Nr. 217, Die Suttner
  4. Details zur Bibliothek der Erzabtei Pannonhalma
  5. Tageszeitung Der Standard, Wien, 16. Dezember 2008, S. 8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Karlburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 3′ 9″ N, 17° 9′ 4″ O