Schloss Lamberg

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Dieser Artikel erläutert den Bau in Steyr, Oberösterreich, zu den Stadtschlössern siehe Palais Lamberg.
Ansicht vom Stadtteil Ennsdorf aus, im Vordergrund der Ennskai

Das Schloss Lamberg ist ein Schloss in Steyr in Oberösterreich. Es liegt auf einer Hochterrasse oberhalb der Mündung der Steyr in die Enns. Das Schloss entstand aus der Styraburg, die namensgebend für die Stadt Steyr und das Bundesland Steiermark war. Da das Gebäude von 1666 bis 1938 im Besitz der Familie Lamberg war, ging deren Name auf das Schloss über.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Styraburg und rechts oben die Stadtpfarrkirche. Ausschnitt aus einer Stadtansicht von 1554

Die Styraburg, Stiraburg, Styrapurg oder auch Styrapurch, wurde am Beginn des 10. Jahrhunderts errichtet und 985 erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehörte den Traungauer Grafen (Otakare). 1078 wird Otakar II. erstmals urkundlich erwähnt. 1079 wird die Styraburg seine Residenz. 1192 gelangte die Burg auf Grund der Georgenberger Handfeste an die Babenberger, später an die Habsburger. 1666 gelangte die Burg samt Herrschaft in den Besitz der Grafen Lamberg. 1727 wurde die Anlage bei einem Brand zerstört und von Johann Michael Prunner neu errichtet. Um das Jahr 1750 war die zum Schloss gehörende Herrschaft die größte Grundherrschaft in Oberösterreich. Das Schloss wurde während der Koalitionskriege 1800, 1805 und 1809 schwer beschädigt. Der Römerturm erhielt seine heutige markante zinnenumgebene Plattform nach dem Stadtbrand von 1824.[1]

Vollrat Graf Lamberg verkaufte 1938 Schloss Lamberg samt dem umfangreichen Waldbesitz im Enns- und Steyrtal an das Deutsche Reich (Deutsche Reichsforste). Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte das Schloss Lamberg zunächst in den Besitz des Landes Oberösterreich und 1961 der Bundesforste. Anlässlich des 1000-jährigen Bestehens Steyrs 1980 wurde das Schloss seit 1977 restauriert – 1980 beherbergte es die Landesausstellung über die Hallstattkultur.[1]

Es wird heute unter anderem für Kulturveranstaltungen genutzt.

Gründungssagen[Bearbeiten]

In der Sage von Biterolf und Dietleib wird die Gründung der Burg mit Attila dem Hunnenkönig in Verbindung gebracht, der hier als Etzel erscheint. Der Westgote Biterolf war Fürst von Toledo, aber nahm im Gefolge Etzels etliche Jahre an dessen Feldzügen teil. Seine Frau Dietlinde, seinen Sohn Dietleib und seine Tochter Künhilde ließ er zurück. Als Dietleib herangewachsen war, verließ er gegen den Willen seiner Mutter die Heimat und suchte seinen Vater. Nach einer Zwischenstation am Hofe König Gunthers in Worms am Rhein gelangte er schließlich an Etzels Hof, wo ihn Markgraf Rüdiger von Pechlarn begrüßte. Wie sein Vater schloss er sich den Unternehmungen Etzels an und zeichnete sich wie Biterolf bei einem Polenfeldzug aus. Da jedoch weder Vater noch Sohn einander kannten, vermittelte dies Rüdiger von Pechlarn. Nach der Rückkehr an den Hof, der in den Niederungen zwischen Donau und Theiß gelegen haben soll, belohnte Etzel Biterolf mit dem Steyerland. Vater und Sohn errichteten nun die Steyrburg am Felsvorsprung und nannten das Land Steiermark. Danach ritten sie nach Spanien zurück und holten Dietlinde und Kühnhilde zu sich. An diese Überlieferung knüpft anschließend die Sage vom Raub der schönen Künhilde durch Zwergenkönig Laurin an.[2]

Eine weitere Überlieferung sucht den Bauplatz der Burg zu erklären: Zwei Brüder, beide Ritter, durchstreiften zu Pferd die Gegend. Als sie auf den Tabor (dem Ort wo heute der Taborturm steht) gelangten, beschloss der eine die Burg hier auf der Anhöhe zu bauen, da dieser Platz der schönste sei. Sein Bruder dagegen bestand auf den Felsvorsprung am Zusammenfluss von Enns und Steyr, als sichereren Bauplatz. Als sie sich nicht einigten entschieden sie sich zum Kampf und nach dem Willen des Siegers entstand die Burg am Felsvorsprung.[3]

Die Anlage[Bearbeiten]

Schloss Lamberg ist im heutigen Erscheinungsbild ein barockes Schloss mit einem englischen Landschaftspark. Die Pläne für den barocken Umbau stammen von Johann Michael Prunner. Von der ehemaligen Styraburg sind ein gotischer Torbogen am Fuß des Schlossberges, Reste der stadtseitigen Burgmauer, der 35 m breite Burggraben und der Bergfried (Römerturm) erhalten. Auch der Renaissancebrunnen mit dem Lambergischen Wappentier wurde zuerst 1666 im Hof der Burg aufgestellt.[4]

Schlosshof[Bearbeiten]

Der Schlosshof mit dem Brunnen. Dahinter liegen die Treppenhausvorhalle und die ehemalige Schlosskapelle (Juli 2015)

Der Hof wird von den drei Hauptflügeln umschlossen. Die dreieckige Form ergibt sich aus dem Bauplatz am Felsvorsprung.

Brunnen mit Zwergenfiguren[Bearbeiten]

In der Mitte des Hofes befindet sich ein Brunnen aus dem Jahr 1666 mit einer Hundeplastik, umgeben von zwölf barocken Zwergenfiguren aus Sandstein. Die wasserspeiende Hundefigur stellt das Lambergische Wappentier dar. Die Inschrift am Halsband lautet: F. I. G. V. LAMBERG 1666. Die Sandsteinfiguren stammen ursprünglich aus dem Zwergengarten des ehemaligen Stiftes Gleink und wurden anlässlich der Landesaustellung 1980 im Lamberger Schlosshof aufgestellt.[5] Bis August 2014 war dieses Ensemble von sechs, in den 1950er Jahren gepflanzten, Linden umgeben. Durch die Baumwurzeln wurde der Brunnen, laut Magistrat Steyr, stark beschädigt. Die Bäume wurden deshalb am 25. August 2014 abgetragen und der Brunnen freigegraben.[6] Brunnen und Zwergenfiguren wurden anschließend restauriert und wieder aufgestellt (Stand 2015).

Ehemalige Schlosskapelle[Bearbeiten]

Die zweigeschossige barocke Fassade der ehemaligen Schlosskapelle dominiert den Südosttrakt. Die Kapelle dient heute als Zeremoniensaal für das Standesamt.

Treppenhausvorhalle[Bearbeiten]

Die Halle des barocken Torbaus leitet in das Treppenhaus über, von dem aus die Räumlichkeiten der Polizeidirektion zugänglich sind.

Uhrturm[Bearbeiten]

Der Uhrturm aus dem Jahr 1731 war ursprünglich mit einer kuppelartigen Haube gedeckt.

Hauptportal[Bearbeiten]

Das Hauptportal im Südosttrakt des Schlosses ist durch die Berggasse erreichbar. Es zeigt die Wappen der Familien Lamberg und Harrach.

Römerturm[Bearbeiten]

Der älteste Bauteil der Anlage ist der Römerturm. Der mit Zinnen bekrönte Turm war der Bergfried der alten Burg. Bei seiner Errichtung dürften Quader des ehemaligen römischen Legionslagers Lauriacum verwendet worden sein.

Burggraben[Bearbeiten]

Ebenfalls erhalten blieb der Graben der Styraburg. Er wird von einer Arkadenbrücke von um 1728/31 überspannt.[4] Der Graben wird im Rahmen des Musikfestivals Steyr für Operettenaufführungen und Open-Air-Kino genutzt.[7] Seit 1988 werden darin Alpensteinböcke gehalten.[8]

Schlossbibliothek[Bearbeiten]

Die barocke Schlossbibliothek ist mit ca. 12000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken Österreichs.[9]

Außenanlagen[Bearbeiten]

Unteres Burgtor[Bearbeiten]

Durch einen gotischen Torbogen führt die Berggasse zum Schloss Lamberg. Das Burgtor zeigt unter dem Lamberg-Wappen eine Ansicht der mittelalterlichen Burg. Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Maximilian I. sind auf dem Fresko als Ritter dargestellt. In Anlehnung an die Gründungssage der Burg Steyr werden die beiden auch als jene Ritter interpretiert, die durch einen Zweikampf den Standort der Burg ermittelt haben.

Schlosspark[Bearbeiten]

Ab 1476 wurde unter Johannes Beckenschlager, dem geflohenen Erzbischof von Gran und späteren Erzbischof von Salzburg, erstmals ein Burggarten angelegt.[10] Im März 1844 erhielt der damalige französische Ziergarten seine heutige Gestaltung als englischer Landschaftspark. Öffentlich zugänglich ist er seit 23. Juli 1919 und mit 1. August nahm ihn die Stadtgemeinde in Pacht. 1938 übernahm die Reichsforstverwaltung den Park zusammen mit dem Allodialbesitz des Grafen Lamberg und 1942 ging dieser Besitz an den Reichsgau Oberdonau über. Von diesem erwarb die Stadt den Park zusammen mit Glashäusern, Wasserturm und Gartenpavillon. Der Gartenpavillon (Blumauergasse 1) blieb lange ungenutzt und wurde erst 1969/72 revitalisiert,[11] die letzte Renovierung war 2002.[12] Die Dreifaltigkeitssäule beim Eingang Blumauergasse stammt von 1714 und stand früher an der Leopold-Werndl-Straße. Ihren heutigen Platz erhielt sie 1974.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Lamberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Schloss Lamberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag über Lamberg auf Burgen-Austria Angesehen am 18. März 2011
  2. Franz Harrer – Sagen und Legenden von Steyr, Steyr: Ennsthaler 1994, 5. Auflage S. 7 f. ISBN 3-85068-004-5
  3. Sagen und Legenden von Steyr, S. 12 f.
  4. a b Beitrag Josef Ofners im Amtsblatt der Stadt Steyr Nr. 6/1970 (steyr.at: Bauten: Schloss Steyr.)
  5. Folder Lamberg, S. 20
  6. Hannes Fehringer: Wurzeln zerstörten Barockbrunnen und Kommentar Baum fällt! (OÖN vom 28. August 2014, Lokalteil Steyrer Zeitung S. 29)
  7. Amtsblatt der Stadt Steyr, Juli 2015 S. 17
  8. Steinböcke bleiben im Schlossgraben. in: Amtsblatt der Stadt Steyr, 19. Dezember 2013 S. 9
  9. Schlossbibliothek: Steyr.info (aufgerufen am 5. Oktober 2014)
  10. Folder Lamberg (PDF; 2,5 MB) aufgerufen am 6. Februar 2015
  11. a b Manfred Brandl: Neue Geschichte von Steyr. Ennsthaler 1980 ISBN 3-85068-093-2 S. 71f.
  12. Architekturbüro Meissl aufgerufen am 6. Februar 2015

48.04166666666714.418888888889Koordinaten: 48° 2′ 30″ N, 14° 25′ 8″ O