Schloss Lichtenstein (Sachsen)

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Schloss Lichtenstein vom Schlossbergaufgang
Haupteingang zum Schloss

Das Schloss Lichtenstein ist ein Schloss im Renaissancestil über der sächsischen Stadt Lichtenstein.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss steht auf einer Höhe von 340 Meter ü. NN etwa 300 Meter nordöstlich des Stadtzentrums von Lichtenstein. Es befindet sich in einer strategisch besonders günstigen Lage auf einem Geländesporn am östlichen Hochufer des Rödlitzbaches und wird von einem ehemals tiefen Abschnittsgraben von der Hochebene des Hinterlandes abgetrennt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Haupteingang folgt eine mit Wappen geschmückte Torhalle und der seit dem 19. Jahrhundert von Bogengängen umgebene Schlosshof. Der freie Umgang des oberen Stockwerks wurde später eingebaut. Auf der Spitze des Turmes befindet sich eine Wetterfahne mit dem schönburgischen Hauswappen.

Im Mittelalter sicherte eine Zugbrücke den Eingang. Die Gleitrinnen der Brückengewichte sind heute in einem Raum unter der Zufahrt zum Schloss zu sehen. Unter dem Pflaster der Zufahrt zum Schlosstor wurden in der DDR-Zeit Fundamente der alten Burg bei Grabungen aufgefunden. Es soll sich dabei mutmaßlich um Bauten der Vorburg handeln. Zwischen 2014 und 2016 erfolgten Grabungen im Schlosshof, wobei das Fundament eines quadratischen Bergfriedes aufgefunden wurde. Da in ganz Sachsen nur wenige quadratische Bergfriede gibt (u. a. Burg Waldenburg) soll dieses Fundament erhalten werden. Bei teilweise durchgeführter Entkernung wurde im sogenannten Rittersaal (mutmaßlich Spätgotik) unter Verputz ein Schönburgisches Wappen entdeckt und freigelegt.

Von der Angergasse zum Schloss führen 178 Schlossstufen und überwinden eine Höhe von 34 Meter.

Vom Palais in der Nähe des Schlosses, das 1996 Mittelpunkt der sächsischen Landesgartenschau war, zieht sich bis zum Ortsteil Schäller die Käpplerschlucht hin, deren Holznutzung früher dem Schlosskaplan zustand.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste, allerdings umstrittene Erwähnung des Schlosses als „Castrum Lichtenstein“ gibt es aus dem Jahr 1212. In einer aus dem Jahr 1286 bezeugten Erwähnung einer Burg werden die Schönburger als Besitzer benannt. Diese erste Burganlage war einstöckig und besaß hölzerne Wehrgänge sowie einen Wachtturm. Später wurde die Wehranlage in Bruchsteinmauerwerk aus Porphyr ausgeführt.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss am 18. August 1632 durch die kaiserliche Armee zerstört. 1648 wurde es in der heutigen Form wieder aufgebaut und war bis ins 19. Jahrhundert Mittelpunkt der schönburgischen Feudalherrschaft Lichtenstein. Während der Märzrevolution 1848 soll sich Klemens Wenzel Lothar von Metternich, der ein Verwandter der Schönburger war, im Schloss verborgen gehalten haben. Das erregte Volk setzte zwar eine Durchsuchung des Schlosses durch, aber diese verlief ergebnislos.

Seit 1945 ist das Schloss im Inneren vollkommen umgebaut worden und diente dem katholischen Caritasverband als Altersheim „St. Elisabeth“.

In den 1950er Jahren wurden durch die Heimatfreunde des Kulturbundes die unterirdischen Gänge unter dem Schloss sowie die schönburgische Familiengruft freigelegt und für Besichtigungen begehbar gemacht. Am Eingang des Schlosses wurden auch das Gangsystem einer unterirdischen Vorburg, eine Folterkammer und ein Verlies entdeckt.

Das Schloss ging im Jahr 2000 in den Besitz von Alexander Prinz von Schönburg-Hartenstein über.

2008 endete der Nutzungsvertrag mit der Stadt Lichtenstein. Ein Restaurator aus der Region erwarb das Gebäude 2014 nach Zwangsversteigerung für 78.400 Euro.[1]

Familiengruft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruft wurde 1797 unter der Schlosskapelle angelegt. In ihr sind 20 Mitglieder des Hauses Schönburg bestattet. Der Eingang war bis zum Jahre 1958 ein Belüftungsschacht. Die aus Holz, Zink, Kupfer und Gusseisen hergestellten Särge wurden durch eine Öffnung im Fußboden der Kapelle hinabgelassen.

Einer der Särge steht einen kleinen Spalt offen. Otto Victor von Schönburg-Waldenburg fürchtete sich vor einem Scheintod, so dass er Hölzer zwischen Deckel und Unterteil befestigen ließ. Eine Leine führte vom Sarg durch ein Loch in der Decke der Gruft in seine Gemächer und war mit einer Glocke verbunden, mit welcher er seinen Bediensteten läuten wollte, falls er aus dem Scheintod erwachte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Lippmann: Die Ausgrabungen an der Burg Lichtenstein. In: Natur und Heimat, 8, 1959, 1, S. 28–30
  • Bruno Lippmann: Die Zerstörung der Burg Lichtenstein im Jahre 1357. In: Der Heimatfreund für das Erzgebirge, 7, 1962, Nr. 6.
  • Zwischen Mülsengrund, Stollberg und Zwönitztal (= Werte unserer Heimat. Band 35). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1981.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Lichtenstein (Saxony) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitteldeutscher Rundfunk, abgerufen am 29. Oktober 2014

Koordinaten: 50° 45′ 28″ N, 12° 38′ 4,9″ O