Schloss Linnep

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Das Schloss von der Seeseite aus
Schloss Linnep von Westen, mit der zum Haupteingang über den Graben führenden Treppe
Eingangstür mit Wappen

Das Schloss Linnep, oder meist Haus Linnep genannt, ist ein Wasserschloss südsüdöstlich des Ratinger Stadtteils Breitscheid im nordrhein-westfälischen Kreis Mettmann.

Schloss Linnep bei Sonnenuntergang

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird der Rittersitz um 1090–1120 in einer Urkunde des Stifts Kaiserswerth als linepo[1] bzw. im Jahr 1093 in Person des Wernherus de linepe in einer Urkunde der Abtei Werden erwähnt.[2] Die Bauart der alten Teile weist auf das 12. Jahrhundert. 1769 entstand an der Stelle der alten Burg ein Neubau, in den der runde Turm, wohl 1000 Jahre alt, mit dem Spitzdach und die Ringmauer aus der alten Anlage integriert wurden. Nach 1855 erfolgten weitere Anbauten. Die sehr kompakte Anlage wird von einer großen Gräfte umgeben, die vom kleinen Hummelsbach durchflossen wird. Zugang zum Schloss ist heute eine ausladende Treppe über die Gräfte. Der Hof davor ist als Vorburg befestigt und besteht aus einer Toranlage mit Wirtschaftsgebäuden.

Südwestlich des Schlosses befindet sich der schlichte Saalbau der 1684 eingesegneten Waldkirche Linnep, einer der ältesten reformierten Kirchenneubauten im Rheinland. Daneben findet sich der Fachwerkbau der ehemaligen Schlossmühle, die am Hummelsbach errichtet wurde, langjähriges Wirtshaus war und heute Teil des dahinter stehenden Reitstalles ist.

Haus Linnep (oder Lennep) war bis 1802 der Kern der Herrschaft Linnep.[3] Die Ritter und Herren zu Linnep (Linepe, Lynepe) besaßen die Burg bis 1461. Eine Bastardlinie entwickelte sich zum noch heute blühenden, niederländischen Adelsgeschlecht Van Lennep. Durch die am 29. September 1461 vollzogene Heirat von Eva (* um 1420; † 1483), Erbtochter von Dietrich von Linnep und Elisabeth von Sayn, mit Friedrich von Neuenahr-Alpen kam die Herrschaft an die Grafen von Limburg. Ab 1582 bewohnte die freiherrliche Familie von Isselstein aus dem Haus Egmond, die der reformierten Konfession angehörte, Haus Linnep, zunächst als Pfand, dann ab 1643 erblich durch Kauf.[4]

Im Zuge der Reformation versammelten sich die evangelischen Christen in Linnep bis 1684 im Schloss, dem Wohnsitz ihres Schutzherrn. Ab 1684 konnten die ersten Gottesdienste in einer eigenen Kirche auf einem Grundstück nahe dem Schloss, das der damalige Schlossherr Freiherr Vincent Schott von Isselstein der Gemeinde schenkte, gefeiert werden.

Ab 1731 erfolgten häufige Besitzerwechsel. 1855 wurde das Schloss von Ferdinand Reichsgraf von Spee, jüngerer Bruder des Grafen auf Schloss Heltorf, gekauft und das dazugehörige Waldgebiet auf über 300 Hektar vergrößert. Bis in die 1990er Jahre befand sich im neuesten Schlossflügel das Archiv des Kreises Mettmann. Das Schloss war privater Wohnsitz des Landwirtes und langjährigen CDU-Lokalpolitikers Clemens Graf von Spee (1929–2011) und seiner Familie. Im Jahr 2008 übernahmen Isabella und Wilderich Freiherr von Ketteler Schloss Linnep. Seit 2010 gibt es die Möglichkeit, standesamtliche Trauungen in Schloss Linnep zu schließen.

Nach den verheerenden Stürmen „Cyrill“ 2008 und „Ela“ 2014 wurde das Schloss und sein Umfeld in einen sehr guten Zustand versetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf, Düsseldorf 1894, S. 152.
  • Heinrich Ferber: Rittergüter im Amte Angermund. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsverein. Band 7. Ed. Lnitz, Düsseldorf 1893, S. 111 ff (Digitalisat der ULB Düsseldorf).
  • Jens Friedhoff: Haus Linnep. In: Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW / Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Burgen AufRuhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion. Essen: Klartext Verlag, 2010, S. 283–286.
  • Ernst Haiger: Konfession und Begräbnisort: Adelige Grablegen in der St.-Laurentius-Kirche in Mintard im 17. und 18. Jahrhundert. In: Die Pfarrkirche in Mintard = Zeitschrift des Geschichtsvereins Mülheim a. d. Ruhr 92 (2017), ISSN 0343-9453, S. 69–111 (u. a. über die Familie v. Isselstein und die Kirche von Linnep)
  • Karl Heck: Schloß Linnep bei Kettwig. In: MBGV - Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Jg. 17 (1920) Nr. 7/8, S. 49–59.
  • Paul Herder: Die Kirche zu Schloß Linnep. In: Bergische Geschichtsblätter. Jg. 5, Nr. 4, Elberfeld 1928.
  • Frank K. van Lennep: Verzameling van oorkonden betrekking hebbende op Het Geslacht van Lennep, 1093 - 1900, Bd. 1, Amsterdam 1900 (Digitalisat der BSB).
  • Theo Volmert: Schloß Linnep und seine Bewohner, in: Die Quecke, Ratinger und Angerländer Heimatblätter, Nr. 51, Oktober 1981, S. 1–10.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schloss Linnep – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kelleter, Urkundenbuch Kaiserswerth, U 10, S. 16.
  2. LAC I 247.
  3. Die Akten der Herrschaft Linnep befinden sich im LAV NRW W, Bestand Grafschaft Tecklenburg [1]
  4. Da aufgrund der Verpfändung der Herrschaft Linnep an die Familie Isselstein die Witwe Konrad Gumprechts von Bentheim-Tecklenburg, Gräfin Johannetta Elisabeth von Nassau-Siegen, vom Grafenhaus Bentheim nicht mit dem ihr zugesicherten Witwensitz Linnep sowie den im Ehevertrag vereinbarten Finanzmitteln versehen werden konnte, wurde ihr die vormundschaftliche Regentschaft in der Grafschaft Limburg für Graf Moritz von Bentheim-Tecklenburg überlassen.

Koordinaten: 51° 20′ 54″ N, 6° 52′ 29″ O