Schloss Mainberg

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Schloss Mainberg vom gegenüberliegenden Mainufer bei Sennfeld
Torhaus
Der Fabrikant Alexander Erbslöh (1854–1917) erwarb Schloss Mainberg im Jahre 1902 und stellte es dem Theologen Johannes Müller als „Freistätte persönlichen Lebens“ zur Verfügung

Schloss Mainberg liegt im gleichnamigen Ort Mainberg bei Schweinfurt in Unterfranken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

13. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Mainberg war ursprünglich nur eine Schutz- und Trutzstätte in Form eines Turmes, der noch heute steht. Schätzungen zufolge wurde er in den Jahren 900–1000 n. Chr. erbaut. Zu dieser Zeit war noch von der Burg Mainberg die Rede. Nach etlichen Erweiterungen wurde sie erst ab 1394 als Schloss bezeichnet. Schloss Mainberg wurde erstmals 1245 erwähnt und war im Besitz des Grafen von Wildberg.

1305–1542: Grafen von Henneberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1305 gehörte es dem Grafen von Henneberg-Schleusingen, Berthold VII. dem Weisen. In den Jahren 1480 bis 1486 ließ die Witwe des Grafen Wilhelm III. von Henneberg-Schleusingen, Herzogin Margarethe von Braunschweig-Wolfenbüttel (1451–1509), durch den Heidelberger Baumeister Philipp von Hoestätt das Schloss in seiner heutigen Form mit den drei Giebeln als Witwensitz erweitern. Zu dieser Zeit war es nach der Würzburger Festung Marienberg der zweitgrößte Herrschaftssitz in Mainfranken.

Im Bauernkrieg 1525 wurde es teilweise zerstört. 1542 kam Mainberg mit dem gesamten Amt Mainberg im Tausch gegen die Stadt Meiningen von den Grafen von Henneberg-Schleusingen an den Bischof von Würzburg (Konrad III. von Bibra). Nach der Säkularisation wechselten die Besitzer mehrfach. Im Laufe der Zeit erfuhr die Burg viele An- und Umbauten, bis das Schloss seine heutige Gestalt erhielt. Schloss Mainberg war der Verwaltungssitz für das hennebergische, später würzburgische Amt Mainberg. Im Schutze der alten Burg entstand die Siedlung, auf die der Burgname übertragen wurde, enggedrängt zwischen Fluss und Berghang und im engen, eingeschnittenen Meerbachtal, das dort in den Main mündet.

1822–1901: Wilhelm Sattler und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1822 ließ der Fabrikant Wilhelm Sattler das inzwischen verfallene Schloss restaurieren und die Räume in einem historistischen Stil herrichten. Er baute die schon ansehnliche Kunstsammlung weiter aus. Mit seinem Tod kam das Schloss auf den Markt. Die Kunstschätze wurden bei einer Aufsehen erregenden Auktion vom 29. Oktober bis 2. November 1901 in Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus in Berlin versteigert. Dazu gehörten sechs Skulpturen von Tilman Riemenschneider und gotische Glasmalereien.

1902–1915: Alexander Erbslöh und Johannes Müller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1902 wurde das Schloss von dem auf der Wasserburg Haus Rauental bei Barmen wohnenden Fabrikanten Alexander Erbslöh erworben, um es dem Schriftsteller und evangelischen Theologen Johannes Müller als „Freistätte persönlichen Lebens“ zur Verfügung zu stellen. Nachdem Elsa von Michael, geb. Haniel und spätere Gräfin von Waldersee, für Müller und seine Bewegung das Schloss Elmau hatte bauen lassen und dieser dorthin umgezogen war, diente Schloss Mainberg zu Beginn des Ersten Weltkriegs auch als Lazarett und Erholungsheim.

1915–1954: Geheimrat Ernst Sachs und Konsul Willy Sachs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1915 wurde es an den Unternehmer Ernst Sachs verkauft, der die Innenräume von Franz Rank im Stil der Zeit grundlegend umbauen ließ. Die historistisch-spätromantische Innenausstattung ist weitgehend erhalten und stellt ein – in dieser Qualität und aus dieser Zeit – für Bayern einzigartiges Gesamtkunstwerk dar.[1] 1932 wurde Gunter Sachs auf Schloss Mainburg geboren. Sein Vater Willy Sachs verkaufte das Anwesen 1954.

1954–1960: Wilhelm Heger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Heger, ein Haarwasserfabrikant, erwarb das Schloss im Jahre 1954 und nutzte es als Firmenzentrale. Im Dezember 1957 und in der folgenden Berufungsverhandlung wurde er wegen Betrugs zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Durch Hegers Haarwasser fühlten sich Unzählige getäuscht und die Bestellungen versiegten. Für das Baudenkmal Schloss Mainberg führte Hegers baldige Insolvenz in eine Krise. Im Herbst 1960 versuchte der Staat durch eine Versteigerung des Schlossinventars einen Teil von Hegers Steuerschulden zu begleichen.[2]

1961–1982: Stadt Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ersteigerung durch die Stadt ohne klare Nutzungskonzeption. Es waren verschiedene Nutzungen, u. a. Bildungsstätte, Museum (Sammlung Graf Luxburg), Hotel und Gaststätte angedacht, jedoch nichts davon wurde umgesetzt.

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1982–2005: Gerhard Eichhorn und Erben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Schweinfurter Unternehmer.

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Seit 2005: Renate Ludwig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Mainberg im Jahr 2005

Die Immobilienmaklerin Renate Ludwig erwarb das Schloss 2005 gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern für 550.000 Euro. Letztere schieden nach kurzer Zeit wieder aus, sodass Ludwig alleinige Eigentümerin wurde. Sie setzte das unter Eichhorn verfolgte Gastronomiekonzept zunächst fort. 2007 diente das Schloss als Filmkulisse für eine Folge der Krimiserie Pfarrer Braun mit Ottfried Fischer (Das Erbe von Junkersdorf). Seit 2006 sind an der Giebelfront im Bereich der Dachrinnen Wasserflecken sichtbar, die sich in den folgenden Jahren stetig vergrößerten. Wegen statischer Probleme sperrte das Landratsamt Schweinfurt 2010 den Bereich der Vorburg weiträumig ab.[3] Im Dezember 2011 erklärte Landrat Leitherer erstmals öffentlich, die Vorburg sei „schon jetzt nicht mehr zu retten“.[4] Wegen fehlender Brandschutzvorrichtungen untersagte das Landratsamt Schweinfurt bis auf weiteres jegliche Nutzung.[5] Im Frühjahr 2011 brachen großflächig Steine aus der nördlichen Zwingermauer. Wegen aufgefrorener Leitungen und eindringender Feuchtigkeit wurde 2012 an mehreren Stellen Schimmelbildung sichtbar. Im Lucretienzimmer musste das Parkett wegen Hausschwammbefalls entfernt werden. Nach fast dreijähriger Vorbereitung begann das Architekturbüro Staib (Würzburg) im Mai 2016 mit der grundlegenden Untersuchung des baulichen Zustandes. Lokale und überregionale Medien berichteten in dieser Zeit immer wieder über den besorgniserregenden Zustand des Schlosses. Im November 2017 teilte der Bayerische Rundfunk mit, dass die Eigentümerin Schloss Mainberg gerne verkaufen würde.[6][7]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amtmänner, Millionäre, Gastronomen: Schloss Mainberg. Dokumentarfilm, 30 Min., Bayerischer Rundfunk. Ein Film von Wolfgang Schramm, ausgestrahlt am 3. Oktober 2016.[8]
  • Ein Märchenschloss verfällt. Das Elend von Mainberg. Videoreportage, 10:21 Min. Ein Film von Peter Solfrank für die Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel" des Bayerischen Rundfunks, ausgestrahlt am 24. Oktober 2015. (Video bei YouTube)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Horling, Uwe Müller (Hrsg.): Fürsten & Industrielle. Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten. (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins Schweinfurt. Neue Folge, Band 8; zugleich Mainfränkische Studien. Band 80). Schweinfurt 2011, ISBN 978-3-88778-360-0.
  • Thomas Horling: Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten. Fürstensitz und Industriellenvilla. In: ARX. Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol. Jg. 35,Nr. 2, 2013, ISSN 0394-0624, S. 3–9.
  • Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm: Schlösser und Burgen in Unterfranken. Eine vollständige Darstellung aller Schlösser, Herrensitze, Burgen und Ruinen in den unterfränkischen kreisfreien Städten und Landkreisen. Hofmann Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X, S. 114–115.
  • Wilhelm Sattler: Das alte Schloß Mainberg bei Schweinfurt und seine frühern Bewohner. Schweinfurt 1836. (Digitalisat im Internetarchiv)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Mainberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Horling: Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten. Fürstensitz und Industriellenvilla. In: ARX. Burgen und Schlösser in Bayern, Österreich und Südtirol. Jg. 35, Nr. 2, 2013, S. 3–9.
  2. Daniela Harbeck-Barthel: Ausgegraben aus dem Archiv: Als „Glatzenkönig“ ins eigene Schloss., abgerufen am 19. Juli 2017.
  3. Absperrzaun am Schloss bremst Weinlese aus. In: Schweinfurter Tagblatt. Ausgabe vom 11. September 2010.
  4. Schloss Mainberg: Vorburg ist „unrettbar verloren“. In: Schweinfurter Tagblatt. Ausgabe vom 9. Dezember 2011.
  5. Im Schloss geht erstmal gar nichts. In: Schweinfurter Tagblatt. Ausgabe vom 4. Januar 2012.
  6. Norbert Steiche: Sanierungsarbeiten: Schloss Mainberg bekommt Gerüst. In: BR.de. 28. November 2018, abgerufen am 22. Februar 2018.
  7. Verkaufsangebot Schloss Mainberg. In: IIM.de. Abgerufen am 22. Februar 2018.
  8. Amtmänner, Millionäre, Gastronomen: Schloss Mainberg. In: Programm.ARD.de. 3. Oktober 2016, abgerufen am 22. Februar 2018.

Koordinaten: 50° 3′ 25,6″ N, 10° 17′ 22,9″ O