Schloss Meisdorf

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Schloss Meisdorf (um 1870)
Neues Schloss, Nordseite
Altes Schloss von 1708
Schloss Meisdorf, links Altes Schloss, rechts Neues Schloss (2015)

Das Schloss Meisdorf ist ein Schloss in Meisdorf, einem Ortsteil von Falkenstein im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz. Das Gebäude wurde 1708[1][2] in einem zwölf Hektar großen Schlosspark erbaut. Es wird als Hotel genutzt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Meisdorf steht am Nordrand des Unterharzes im Naturpark Harz. Es befindet sich am Südwestrand von Meisdorf nahe der Landesstraße 75, die 500 m südlich des Schlosses von der L 230 abzweigt und nordwestwärts zum Ballenstedter Ortsteil Opperode führt. Südöstlich vorbei an der zum Schloss gehörenden Parkanlage fließt die aus dem Naturschutzgebiet Selketal kommende Selke.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1708 ließ Johann Ludwig von der Asseburg(a) (1685–1732) das sogenannte Lange Gebäude als Wohnsitz auf dem Gut Meisdorf errichten.[3] Am 5. Februar 1716 fanden dort wegen Grenzstreitigkeiten Vergleichsverhandlungen der Vertreter Anhalts, der preußischen Regierung und des Barons von der Asseburg statt,[4] womit erstmals der Name Schloss Meisdorf belegt ist.

Ab 1761[5] befanden sich sowohl Meisdorf als auch die nahegelegene Burg Falkenstein im Besitz des Hofbeamten und Diplomaten Achatz Ferdinand von der Asseburg (1721–1797), Sohn von Johann Ludwig von der Asseburg. Da die Burg nur noch als Jagdschloss genutzt wurde und das alte Meisdorfische Wohnhaus für die Bedürfnisse des Freiherren zu klein geworden war, ließ dieser 1769[6](b) ein neues geräumigeres, wenn auch einfaches Schloss erbauen, und das alte Schloss wurde zur Beamtenwohnung umfunktioniert. Das neue Schloss, dessen Fassade dem Ort Meisdorf zugewandt war, war mit diesem durch eine 400 Schritt lange Linden- und Kastanien-Allee verbunden. Er ließ auch neben dem alten Wohnhaus das Rentamt als Gutsverwaltung und das Forsthaus auf dem Klusberg errichten.[2]

Nach dem Tode des Erbauers ging das Schloss in den Besitz der Neindorfischen Linie der Familie Asseburg über. Als diese Linie im Jahre 1816[1] mit dem Tode des Domkapitulars Ludwig Busso von der Asseburg (1762–1816) erlosch, fiel die Herrschaft Falkenstein der Eggenstedt-Ampfurtischen Linie zu. Damals wurde der preußische Geheimrat und Oberjägermeister Graf Ludwig August von der Asseburg (1796–1869) Besitzer und legte auf beiden Seiten des Schlosses nach Ballenstedt und Harzgerode Chausseen an. Ein großer Park und üppige Wiesen umgaben zu seiner Zeit das Schloss. 1822/1823 ließ er auch eine große massive Scheune[6] und das Haus Eremitage errichten, das auf einem ehemaligen Eiskeller erbaut wurde. Nach seinem Tod erbte sein Sohn Graf Ludwig II. von der Asseburg (1829–1909) das Gut.

1921/1922 wurde das Neue Schloss durch dessen Besitzer Friedrich Georg Deodat, Graf von der Asseburg-Falkenstein (1861–1940) nach Plänen des Architekten Max Brockert[7] umgebaut und dabei der Turm und der Seitenflügel hinzugefügt.[1] Er ließ 1910 erste Umbauten am Schloss vornehmen und auch die 1822 errichtete Scheune zu Wohnungen umbauen.[6]

Von 1944–1945 diente das Schloss Meisdorf als Lager für historisches Archivgut und Akten des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes in Berlin und wurde als Hauptausweichstelle bezeichnet. Im Bestand befanden sich auch von Friedland nach Meisdorf geschaffte Geheimdokumente, die im April 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges großteils zerstört wurden.[8]

Am 17. April 1945 wurde das Neue Schloss, das zu dieser Zeit von der Gräfin Margarete von der Asseburg-Falkenstein (1868–1945) bewohnt war, durch einen Blindgänger getroffen. Das Geschoss hatte die Hirschplastik im Schlosspark durchschlagen, den Turm des Schlosses getroffen und war in einem Bett im Obergeschoss liegen geblieben. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Dann rückten amerikanische Truppen in Meisdorf ein, die das Schloss beschlagnahmten. Ab Juli 1945 diente es als Kommandantur der russischen Armee und als Flüchtlingsunterkunft. Ab 1946[6] wurde die Schlossanlage als Ferienobjekt des VEB Walzwerk Hettstedt genutzt, das Forsthaus wurde 1977 zum Gästehaus des Rat des Kreises Aschersleben.[9]

1992 wurden das Schloss und die Gebäude im Schlosspark nach Privatisierung renoviert und zu einer Hotelanlage umgebaut. Das Alte Schloss von 1708 dient als Restaurant, das Neue Schloss, das Gräfliche Rentamt und die Chalet Ludwig genannte ehemalige Scheune beherbergen Hotelzimmer. Die Gebäude im Schlosspark stehen unter Denkmalschutz. Im Schlosspark befindet sich eine große Ansammlung alter Bäume und in der Mitte die Plastik eines Rehbockes auf einem Sockel.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mausoleum Neues Gewölbe der Asseburger nahe Schloss Meisdorf

Etwa 450 m südwestlich des Schlosses steht im Laubwald neben der Selke das Mausoleum Neues Gewölbe, das 1834[10] im neugotischen Stil aus rohem Sandstein erbaut wurde. Es diente den Asseburgern bis 1928[10] als Begräbnisstätte. Zum Mausoleum führt südwestlich der L 75 ein Waldweg. Es ist als Nr. 207[11] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen; die Stempelstelle befindet sich am Selketalstieg.

Ein anderer Weg verlief zu dem oberhalb des Schlosses auf einem Berg gelegenen Schweizerhäuschen (), das bis 1945 als Oberförsterei genutzt wurde und heute Forsthaus genannt wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Meisdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(a) Eine andere Quelle gibt Sybilla Brigitta von der Asseburg 1708 als Erbauer des Schlosses an, in jener Zeit Witwe von Johann Heinrich von der Asseburg (1662–1689). Ihr Sohn Johann Ludwig soll dann von der Burg Falkenstein nach Schloss Meisdorf gezogen sein.[5]
(b) Es gibt literarische Quellen für das Jahr 1769 als Baujahr des Neuen Schlosses als auch für das Jahr 1787.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Schloss Meisdorf, in Hotel im Schloss, auf hotel-im-schloss.de
  2. a b Der geschichtliche Hintergrund des Parkhotels (Parkhotel Schloss Meisdorf), auf vandervalk.de
  3. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Band 11. 1975, ISBN 978-3-520-31401-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 31. August 2016]).
  4. Udo Münnich: Historische Grenzverläufe und Grenzsteine im nördlichen Unterharz. In: Harz-Zeitschrift. 62. Jahrgang, 2010, ISBN 978-3-86732-088-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. a b Achatz Ferdinand Frhr von der Asseburg, K.A.V. von Ense, F.A. von der Schulenburg: Denkwürdigkeiten des Freiherrn Achatz Ferdinand von der Asseburg. Nicolai, 1842 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 31. August 2016]).
  6. a b c d Heimatverein Meisdorf: Chronik Meisdorf 1184–1984. Eigenverlag, 1984 (heimatverein-meisdorf.de [PDF; 422,0 MB; abgerufen am 31. August 2016]).
  7. Günter Meissner: Allgemeines Künstlerlexikon. in der Google-Buchsuche K. G. Saur Verlag, 1996
  8. Martin Kröger, Roland Thimme: Das politische Archiv des Auswärtigen Amtes im Zweiten Weltkrieg. Institut für Zeitgeschichte München/Berlin, 1999, abgerufen am 30. August 2016 (PDF; 1,2 MB).
  9. Chronik der Gemeinde Meisdorf, 2005, Meisdorf, Eigenpublikation
  10. a b Neugotische Begräbnisstätte der Grafen von der Asseburg Falkenstein (Informationstafel-Foto am Mausoleum Neues Gewölbe), auf jensunterwegs.de
  11. Harzer Wandernadel: Stempelstelle 207 / Mausoleum, auf harzer-wandernadel.de

Koordinaten: 51° 42′ 14″ N, 11° 17′ 15″ O