Schloss Murrmirnichtviel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schloss Murrmirnichtviel
Ruine Murrmirnichtviel

Ruine Murrmirnichtviel

Daten
Ort Bad Dürkheim
Bauherr Grafen von Leiningen
Baustil Barock
Baujahr Anfang des 18. Jahrhunderts
Abriss spätestens 1793 bis auf wenige Reste
Koordinaten 49° 26′ 33″ N, 8° 5′ 39,5″ OKoordinaten: 49° 26′ 33″ N, 8° 5′ 39,5″ O
Schloss Murrmirnichtviel (Rheinland-Pfalz)
Schloss Murrmirnichtviel
Besonderheiten
• ursprünglich Wachturm, der später zum Jagdschloss ausgebaut wurde
• ursprünglicher Name Friedrichsburg
• heutiger Name erstmals 1787 erwähnt
• Standort durch Ritterstein 271 markiert

Schloss Murrmirnichtviel, seltener auch Murr-mir-nicht-viel, ganz vereinzelt Murmel-nicht-viel, ist die Ruine eines Jagdschlösschens mit Wachturm, das den leiningischen Grafen gehörte. Es liegt im Pfälzerwald südwestlich der Kreisstadt Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe der Ruine entdeckte man römische Gräber, die auf eine Straßenstation der Römer an dieser Stelle zurückgeführt werden. Im Jahr 1534 wurde ein Wachturm erstmals urkundlich erwähnt und noch als „die Klause“ bezeichnet, also eine enge, primitive Behausung. Er wurde wohl im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Vermutlich durch Johann Friedrich von Leiningen (1661–1722)[1] wurde der Turm – wie auch das nur 600 Meter entfernte leiningische Jagdschloss Kehrdichannichts – zur Grenzsicherung des Jagdreviers zwischen Leiningen und der Kurpfalz zunächst wieder auf- und dann ebenfalls zu einem barocken Jagdschlösschen ausgebaut. Es liegt etwas erhöht auf dem Südwestkamm der Dreispitz; so konnte man die kurpfälzischen Nachbarn vom Turm aus beobachten.

Eine neuerliche Zerstörung oder ein Verfall muss bald stattgefunden haben, denn bereits 1781 wurden das Jagdhaus und der Wachturm in einem Salbuch als Ruine Friedrichsburg bezeichnet. Spätestens 1793, als die Französische Revolution auch auf die linksrheinischen deutschen Gebiete übergegriffen hatte, wurde die Anlage endgültig niedergebrannt. Auf einer Landkarte von 1797 erscheint erstmals der neue Name.

1926 waren die Mauern noch fünf Meter hoch. 1963 wurde die Ruine aus der Obhut des ehemaligen Königlich-Bayerischen Forstareals an das Land Rheinland-Pfalz übergeben. 1988/89 wurden die Mauerreste, die nur noch aus Teilen der Außenwand mit Fensteransätzen und dem Turmstumpf bestehen, freigelegt und gesichert.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Murrmirnichtviel ist angelehnt an den des Jagdschlosses Kehrdichannichts und wurde möglicherweise vom Volksmund gebildet. Im Hinblick auf die Streitigkeiten zwischen Leiningen und Kurpfalz um die Grenzen der Jagdreviere war „Murr mir nicht viel!“ als eindringliche Warnung gedacht und sollte so viel bedeuten wie „Füg dich ohne Murren (in das Verbot, mein Jagdrevier zu betreten)!“

In Anlehnung an die historischen Pfälzer Jagdhäuser Kehrdichannichts, Schaudichnichtum und Murrmirnichtviel nannte der Pfälzische NS-Gauleiter Josef Bürckel sein um 1935 bei Ramsen errichtetes Jagdhaus Lassmichinruh.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magnus Backes, Heinz Straeter: Staatliche Burgen, Schlösser und Altertümer in Rheinland-Pfalz. Schnell & Steiner, Regensburg 2003, ISBN 3-7954-1566-7.
  • Jürgen Keddigkeit: Schlösser in der Waldeinsamkeit: von kurpfälzischen und leiningischen Jagdschlössern im Pfälzerwald. In: Die Pfalz am Rhein 1991, 2, S. 14–15.
  • Walter Eitelmann: Rittersteine im Pfälzerwald. 4. Auflage. Pfälzerwald-Verein, Neustadt/Weinstraße 1998, ISBN 3-00-003544-3.
  • Günter Stein: Burgen und Schlösser in der Pfalz. Weidlich, Frankfurt/Main 1976, ISBN 3-8035-8356-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theodor Berger, Kurtzgefaßte Genealogische, Historische, Politische Beschreibung der neuen Hochfürstl. Häuser und Grafen des H. Röm. Reichs, S. 316.