Schloss Neustrelitz

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Das Schloss Neustrelitz auf einer Postkarte von 1912

Das Schloss Neustrelitz, erbaut 1726–1731 im nahe der früheren Stadt Strelitz gelegenen Glienecke, war ab 1731 Hauptresidenz des regierenden Herzogs Adolf Friedrich III. von Mecklenburg-Strelitz, dessen Strelitzer Wasserschloss 1712 abgebrannt war. Nach 1918 war es Sitz des Landtags des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. Dem Bau einer Siedlung für Hofstaat und Landesverwaltung nahe dem Schloss folgte 1733 ein Aufruf des Herzogs zur Ansiedlung von Neubürgern. Dieses Schriftstück gilt heute als Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz. 1945 brannte das Schloss aus, die Ruinen wurden später abgetragen.

Im Residenzviertel und innerhalb der Parkanlagen blieben verschiedene Gebäude erhalten und wurden inzwischen restauriert.

Geschichte und Schicksal des Schlosses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtung und Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustrelitzer Residenzschloss, Bauzustand im späten 18. Jahrhundert

Auf dem Pachtgut Glienecke hatte sich Adolf Friedrich III., Herzog zu Mecklenburg-Strelitz, von 1709 bis 1711 ein Fachwerkhaus bauen lassen, um es als Jagdschloss zu nutzen.

Nach einem Großbrand des bisherigen Residenzschlosses in Strelitz (1712) lebte die herzogliche Familie zunächst in einer Notunterkunft in der Strelitzer Kanzlei und den Sommerhäusern in Canow und Priepert.

Nachdem die Gemahlin des Herzogs Dorothea Sophie[1] 1726 Geld von Verwandten aus Holstein beschaffen konnte, ließ sie ohne Wissen des Herzogs das Glienecker Jagdschloss von Christoph Julius Löwe zu einem dreigeschossigen massiven barocken Fachwerkbau in Hufeisenform um- und ausbauen.[2][3] Nach der Fertigstellung 1731, lud sie ihren Mann zu einer Spazierfahrt ein, die am neuerbauten Schloss vorbeiführte. Auf des Herzogs Frage nach dem Bewohner antwortete sie: „Ewer Liebden sind in Ihrem eigenen Haus.“ [2]

Unter den Nachfolgern von Adolf Friedrich III. wurden Schloss und Stadt stetig zu einer barocken Residenz erweitert. Nach 1755 wurden die Außenwände des von Löwe errichteten Fachwerkbaus durch verputzte Steinwände ersetzt.[3] Um 1755 erfolgte unter Herzog Adolf Friedrich IV. die Errichtung der Treppenanlagen nach dem Vorbild von Versailles. Das Schloss war zu dieser Zeit eine typisch barocke, dreiflügelige Anlage mit offenem Ehrenhof. Erstmals beschrieb der englische Reiseschriftsteller Thomas Nugent Schloss und Park in ihrer damaligen Form.[3]

„Es [das Schloss] steht auf einem angenehmen, etwas erhabenen und trockenen Boden, vorne ein Tiergarten und hinten ein großer Garten an einem schönen See gelegen […] An beiden Seiten der Hauptallee sind Grotten und andere kleine Alleen, die zum Teil Irrgärten formieren […]“

Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg. London 1768.[4]

Erweiterungsbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustrelitzer Residenzschloss, um 1910

Das Schloss wurde bis zu seiner Zerstörung mehrmals umgebaut. 1865 wurde der stadtseitig gelegene Schlossflügel nach Entwürfen von Friedrich August Stüler überformt. Letzte einschneidende Um- und Erweiterungsbauten am Schloss erfolgten von 1905 bis 1909.[5] Dabei wurden an den Westflügel drei weitere Flügelbauten angefügt und so ein geschlossener Hof geschaffen; die Grundfläche des Schlosses wurde dadurch nahezu verdoppelt.

Auch der „Eosandersche Turm“ zwischen Alt- und Erweiterungsbau stammt aus dieser Bauphase. Der neuerbaute Schlossturm an der parkseitigen Baunaht war ein Nachbau des unter Leitung von Johann Friedrich Eosander von Göthe erbauten Turms des Schlosses Charlottenburg. Vom barocken Gartenteil des Schlossparks aus gesehen, wurde durch den Turm die Symmetrie in Bezug auf die Gartenachse gebrochen. Da der weithin sichtbare Schlossturm sich vom Markt aus gesehen annähernd auf einer Fluchtlinie mit der Schloßstraße befand, gewann er große Bedeutung für die stadträumlichen Blickbeziehungen.

Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar vor Kriegsende, in der Nacht 29./30. April 1945, wurde das Schloss durch Brandstiftung weitgehend zerstört. Das Feuer war noch in 15 Kilometer Entfernung am Himmel zu sehen. Reste der Ausstattung blieben ungesichert zurück. Damit gingen auch große Teile des in den 1920ern im Schloss entstandenen Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseums verloren, zu welchem man Sammlungen, Kunstbesitz und Raumausstattungen aus dem Besitz des bis 1918 in Neustrelitz regierenden Fürstenhauses formiert hatte. Verschiedenartige Stücke wurden durch die Bevölkerung gestohlen, in den Kellerräumen untergebrachte Gegenstände zum Teil aber auch noch sehr viel später verkauft (zum Beispiel die Kutsche für einen Spielfilm der DEFA). Die Steine der Bauruine des Schlosses nutzten die Neustrelitzer und ihre sowjetischen Besatzer für Neubauten und Reparaturen in der Stadt. Die letzten Reste wurden 1949 gesprengt und bis 1950 abgetragen.

Reste und Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Mittelrisaliten des Schlosses nachempfundene Zeltfassade auf der Terrasse der Gartenseite und der Turmbau, ab 2001 für einige Jahre aufgestellt.

An das ehemalige Neustrelitzer Residenzschloss erinnern heute nur noch einige Reste der Keller des Gebäudeteils aus dem 20. Jahrhundert. Der Grundriss der älteren Flügel ist mit weißen Kieselsteinen gekennzeichnet.

Seit 2001 gewährte eine Zeltkonstruktion an der Stelle des Mittelbaus, welche im Sommer als Kulisse für Operettenaufführungen diente, einen Eindruck von Dimension und Fernwirkung des einstigen Bauensembles. An der Stelle des Turmes wurde (aus statischen Gründen etwas versetzt) eine diesem in Gestalt und Größe nachempfundene Aussichtsplattform aufgestellt. Allerdings gab es letztendlich für die Zeltkonstruktion und den Turm weder einen verantwortlichen Träger noch weitere Eigentümer- bzw. baurechtliche Genehmigungen, so dass inzwischen eine Demontage erfolgte.

Seit der Zerstörung 1945 wurden verschiedene Möglichkeiten eines Wiederaufbaus der Neustrelitzer Schlossanlage oder eine andere, städtebaulich sinnvolle Neubebauung des stadtbildprägenden Schlossbergs diskutiert. Bislang erreichte jedoch kein Konzept die Ausführungsreife.

Am 27. August 1998 hat sich in Neustrelitz ein „Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.“ gegründet, um den Wiederaufbau des Neustrelitzer Schlosses zu befördern. Dies soll vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit, historische Dokumentation und Pflege des kulturellen Erbes rund um den Schlossgarten in Neustrelitz verwirklicht werden.[6]

In der Satzung des Vereines heißt es dazu: „Zweck der Tätigkeit des Vereins ist die Förderung von Kunst und Literatur sowie des Denkmalschutzes und des Heimatgedankens, insbesondere die Förderung der Wiederbebauung des Neustrelitzer Schlossberges im historischen Sinne sowie der Erhalt des barocken Gesamtensembles der Residenzstadt.“[7]

Im Frühjahr 2013 formulierte der Verein Vorschläge, wonach zunächst die Schlosskeller gesichert und für Besucher erlebbar gemacht werden könnten. Im späteren Verlauf könnten Probestücke der Fassade aufgestellt und Türzargen platziert werden, um die Raumwirkung des Schlosses im Park allmählich wiederherzustellen.[8] Während für dieses Konzept noch keine Finanzierung gesichert ist, wurden Vorschläge für mögliche Finanzierungsquellen innerhalb eines Besuchskonzeptes gemacht, u.a. durch Einlass/Eintritt, eine Regional- und Stadtinfo, öffentliche Toiletten, Souvenir- und Spendeneinrichtungen, Imbiss und Führungen. [9]

Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der ehem. Schlossterrasse auf die barocke Sichtachse

Der Neustrelitzer Schlosspark, der in seinen Grundzügen bis heute erhalten ist, wurde 1731/1732 nach Fertigstellung des Residenzschlosses von Julius Löwe als Barockgarten angelegt.[10][11] Wie in der Stilepoche des Barock üblich, war die Anlage auf das Schloss ausgerichtet. Nur die barocke Sichtachse blieb vom ehemaligen Barockgarten erhalten. Ein großes von Alleen flankiertes Rasenparterre führt auf der Sichtachse vom Schlossberg zum von Friedrich Wilhelm Buttel als Point de vue in der Mitte des 19. Jhd. anstelle eines Vorgängerbaus errichteten Hebetempel. Die Verengung der Sichtachse in Richtung des Zierker Sees war ein gartenarchitektonisches Stilmittel, um den Barockgarten tiefer und länger erscheinen zu lassen.[10]

Im Laufe der Jahre wurde der Schlosspark immer wieder umgestaltet und zu einer mehrteiligen Parkanlage erweitert. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts folgte die Umgestaltung eines Parkteils nach Ratschlägen von Peter Joseph Lenné im Stil englischer Landschaftsgärten.[12] In diesem als „englischen Garten“ bezeichneten Teil des Schlossparks wurde 1891 zum Gedenken an die preußische Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz der Luisentempel errichtet.[13][14] Dieses Bauwerk, ebenso wie der Hebetempel, eine Reihe von Kopien antiker und klassizistischer Bildwerke – aufgestellt an der ehem. Schlossauffahrt, auf der barocken Sichtachse und beidseitig der Götterallee –, die restaurierte Kopie des Orestessarkophags nahe der Orangerie, der Kinderbrunnen von Albert Wolff und die Kopie der antiken Bronzestatue Betender Knabe im Orangeriegarten, sowie die am östlichen Rand des Parks gelegenen Neustrelitzer Orangerie selbst, zeugen vom Kunstgeschmack des Adels in der Zeit des Klassizismus.[15]

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Modell des Schlosses vor seiner Zerstörung ist im Modellpark in Klütz zu besichtigen. Das Modell entstand ursprünglich für den Modellpark Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg, der 2011 geschlossen wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Wagner [Hrsg.]: Fremdenführer von Neustrelitz und Umgebung. Neustrelitz 1926.
  • Michael Gust: Das Neustrelitzer Residenzschloss. cw strelitzia, Neustrelitz 1998.
  • Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz ca. 2000. (Broschüre mit Fotos von Horst-Günter Jung ohne Angabe des Erscheinungsjahrs).
  • Torsten Foelsch: Das Residenzschloß zu Neustrelitz. Ein verschwundenes Schloß in Mecklenburg. Foelsch & Fanselow Verlag, Groß Gottschow 2016. ISBN 978-3-9816377-1-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Näheres über die Herzogin in Helmut Borth: Herzoghaus Mecklenburg-Strelitz: Von gekrönten Häuptern, blaublütigen Kuckuckskindern und der Mirower Fürstengruft. Steffen Verlag 2014, ISBN 3-942477-95-5, Kapitel: „Frivoles Rokoko – Adolf Friedrich III. (1686–1752), Herzog zu Mecklenburg-Strelitz, und Dorothea Sophie von Holstein–Plön (1692–1765), Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz“.
  2. a b Annalise Wagner: Aus dem alten Neustrelitz. Kapitel: Wie aus der Meierei Glienke die Stadt Neustrelitz wurde. 2. Auflage, Neustrelitz 1968, S. 6
  3. a b c Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 12.
  4. Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg. Band 1. London 1768, S. 268 ff. Zitiert von Gerlinde Kienitz in: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 12.
  5. Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 9.
  6. Vorstellung „Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.“
  7. Vereinssatzung Residenzschlossverein - § 1 Abs. 4, Zweck des Vereins
  8. Strategiepapier Schlosskeller Neustrelitz: „Den Schlosskeller erhalten und erleben“ (Residenzschlossverein)
  9. Strategiepapier Schlosskeller Neustrelitz: „Den Schlosskeller erhalten und erleben“ (Residenzschlossverein) - Schritt 9): Schaffung einer Infrastruktur, die am Ort zum Verweilen einlädt, die informiert und die das fehlende Residenzschloss trotzdem erlebbar macht - als Startpunkt für eine Reise in die Geschichte von Mecklenburg-Strelitz, sowie als zentraler Punkt im Stadt- und Gartenensemble. Weiterhin sind unter Berücksichtigung der bestehenden gastronomischen Strukturen und angrenzenden Ausstellungsorten touristische Einrichtungen wie Einlass/Eintritt, Regional- und Stadtinfo, WC, Souvenir- und ggf. Spendeneinrichtungen, Imbiss, Kinderspielplatz und Führungen anzubieten/zu berücksichtigen, die das Projekt mitfinanzieren können.
  10. a b Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 6.
  11. Otto Wagner [Hrsg.]: Fremdenführer von Neustrelitz und Umgebung. Neustrelitz 1926, S. 21.
  12. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg. Museum der Stadt Neustrelitz, S. 8 (illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung).
  13. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg. Museum der Stadt Neustrelitz, S. 20 (illustriert mit Fotografien von Horst-Günter Jung)
  14. Otto Wagner [Hrsg.]: Fremdenführer von Neustrelitz und Umgebung. Neustrelitz 1926, S. 28.
  15. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg. Museum der Stadt Neustrelitz, S. 20 (illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Neustrelitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 21′ 33″ N, 13° 3′ 28″ O