Schloss Neustrelitz

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Schloss Neustrelitz, daneben die Schlosskirche (koloriertes Luftbild, um 1920)

Das Schloss Neustrelitz, erbaut 1726–1731 als erster Bau der späteren Residenzstadt Neustrelitz, war ab 1731 bis zum Ende der Monarchie Hauptresidenz der regierenden Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz. Dem Bau einer Siedlung für Hofstaat und Landesverwaltung nahe dem Schloss folgte 1733 ein Aufruf des Herzogs zur Ansiedlung von Neubürgern[1]. Dieses Schriftstück gilt heute als Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz.

Das Schloss Neustrelitz wurde mehrfach umgebaut und erweitert, zuletzt von 1905 bis 1909. Nach 1918 war das Schloss bis zur Wiedervereinigung der Freistaaten Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin im Jahr 1934 Sitz des demokratisch gewählten Landtags des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. Der Strelitzer Landtag handelte hier die erste demokratische Verfassung eines deutschen Bundesstaates aus. Ferner wurden die in Jahrhunderten gewachsenen Sammlungen des strelitzschen Fürstenhauses um zahlreiche Ausstattungsstücke aus diversen Schlössern der Dynastie erweitert und als Mecklenburg-Strelitzsches Landesmuseum im Schloss ausgestellt.

1934 diente das Schloss zunächst der SA als Sportübungsplatz, ab 1935 wurde es zur Führerschule Neustrelitz, die Lehrgänge für Sportlehrer für das Reichserziehungsministerium durchführen sollte. 1945 brannte das Schloss aus, dabei noch im Schloss befindliche Sammlungen gingen verloren. Die in Teilen wiederaufbaufähige Ruine wurde 1949 gesprengt und bis 1950 komplett abgetragen. Lediglich Teile der Fundamente und Kelleranlagen blieben bis heute erhalten.

Seit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 gibt es Bestrebungen für einen Wiederaufbau des Schlosses, der durch mehrere Vereine und Institutionen unterstützt wird. Am 24. Oktober 2019 stimmten die Neustrelitzer Stadtvertreter mehrheitlich für den Entwurf einer Vereinbarung mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern (MV) zur Entwicklung des Schlossbergareals. Zunächst soll der 51 Meter hohe Schlossturm im Äußeren entsprechend seinem historischen Vorbild wieder aufgebaut werden. Statt die denkmalgeschützten Kellerräume wie ursprünglich vorgesehen zu verfüllen, sollen diese beräumt, begehbar gemacht und mit einer nutzbaren Betondecke überspannt werden.

Hinsichtlich seiner kulturhistorischen Bedeutung war das Neustrelitzer Schloss in Mecklenburg mit den Residenzschlössern Güstrow, Ludwigslust und Schwerin vergleichbar.

Im Neustrelitzer Residenzviertel und innerhalb des Schlossparks blieben verschiedene Gebäude erhalten und wurden seit 1990 umfassend restauriert. Zu den bedeutendsten unter ihnen zählen die Schlosskirche, die Orangerie und der Hebetempel vom Strelitzer Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel, sowie die Parkvilla und der Luisentempel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtung und Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustrelitzer Residenzschloss, Bauzustand um 1770

Auf dem Pachtgut Glienecke hatte sich Herzog Adolf Friedrich III. von 1709 bis 1711 ein Fachwerkhaus bauen lassen, um es als Jagdschloss zu nutzen.

Nach einem Großbrand des bisherigen Residenzschlosses in Strelitz (1712) lebte die herzogliche Familie zunächst in einer Notunterkunft in der Strelitzer Kanzlei und den Sommerhäusern in Canow und Priepert.

Nachdem die Gemahlin des Herzogs, Dorothea Sophie[2], 1726 Geld von Verwandten aus Holstein beschaffen konnte, ließ sie ohne Wissen des Herzogs mithilfe von Strelitzer Bürgern und Architekt Julius Löwe das Glienecker Jagdschloss zu einem dreigeschossigen massiven barocken Fachwerkbau in Hufeisenform um- und ausbauen.[3][4] Nach der Fertigstellung im Jahre 1731 lud sie ihren Mann zu einer Spazierfahrt ein, die am neuerbauten Schloss vorbeiführte. Auf des Herzogs Frage nach dem Bewohner antwortete sie: „Ewer Liebden sind in Ihrem eigenen Haus.“[3]

Unter den Nachfolgern von Adolf Friedrich III. wurden Schloss und Stadt stetig zu einer barocken Residenz erweitert. Nach 1755 wurden die Außenwände des von Löwe errichteten Fachwerkbaus durch verputzte Steinwände ersetzt.[4] Um 1755 erfolgte unter Herzog Adolf Friedrich IV. die Errichtung der Treppenanlagen nach dem Vorbild von Versailles. Das Schloss war zu dieser Zeit eine typisch barocke, dreiflügelige Anlage mit offenem Ehrenhof. Erstmals beschrieb der englische Reiseschriftsteller Thomas Nugent Schloss und Park in ihrer damaligen Form.[4]

„Es [das Schloss] steht auf einem angenehmen, etwas erhabenen und trockenen Boden, vorne ein Tiergarten und hinten ein großer Garten an einem schönen See gelegen […] An beiden Seiten der Hauptallee sind Grotten und andere kleine Alleen, die zum Teil Irrgärten formieren […]“

Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg. Berlin 1781/82. [Dt. Ausgabe des engl. Originals von 1766/67].[5]

Erweiterungsbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Neustrelitz auf einer Postkarte von 1913

Das Schloss wurde bis zu seiner Zerstörung mehrmals umgebaut. 1865 wurde der stadtseitig gelegene Schlossflügel nach Entwürfen von Friedrich August Stüler überformt. Letzte einschneidende Um- und Erweiterungsbauten am Schloss erfolgten von 1905 bis 1909.[6] Dabei wurden an den Westflügel drei weitere Flügelbauten angefügt und so ein geschlossener Hof geschaffen; die Grundfläche des Schlosses wurde dadurch nahezu verdoppelt.

Auch der „Eosandersche Turm“ zwischen Ursprungs- und Erweiterungsbau stammt aus dieser Bauphase. Der neuerbaute Schlossturm neben der Gartenachse an der parkseitigen Baunaht war durch den unter Leitung von Johann Friedrich Eosander von Göthe erbauten Turm des Schlosses Charlottenburg inspiriert. Da der weithin sichtbare Schlossturm sich vom Markt aus gesehen annähernd auf einer Fluchtlinie mit der Schloßstraße befand, gewann er große Bedeutung für die stadträumlichen Blickbeziehungen. Er wurde zum Wahrzeichen der Stadt und für Mecklenburg-Strelitz.

Führerschule 1935–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nutzung durch das Reichserziehungsministerium als „Führerschule“ für Leibeserziehung war mit Umbauten zur Unterbringung der Lehrgänge verbunden. So wurde der Neustrelitzer Marstall zur Turnhalle, das Parkhaus zur Lehrstätte. Sie entwickelte sich durch das Engagement des Ministerialdirektors Carl Krümmel ab 1935 zum reichsweiten Zentrum staatlicher Leibeserziehung in Schule und Hochschule und nahm unter dem „Amt K“ des REM die führende Stellung auf dem Gebiete der Leibeserziehung im Deutschen Reich ein. Ab 1939 wurden nur Frauen ausgebildet, diese aber erstmals umfassend in vielen Sportarten über die Gymnastik hinaus. Im Kriegsverlauf wurde zusätzlich ein Lazarett im Schloss untergebracht, für dessen Insassen Versehrtensportangebote entwickelt wurden.

Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruinen des Neustrelitzer Schlosses (1949)

Unmittelbar vor dem Kriegsende brannte das Schloss in der Nacht vom 29. zum 30. April 1945 ab.

Zu den Brandursachen sind verschiedenste Erinnerungsberichte und Spekulationen in Umlauf. So heißt es beispielsweise „der Brand wurde aus purem Vandalismus gelegt“, oder „das Landratsamt wurde angezündet, weil dort Waffen gelagert hätten“. Augenzeugen wollten beobachtet haben, „daß in den letzten 14 Tagen vor Einmarsch der Roten Armee große Mengen Aktenkisten vom Bahnhof in das Schloß transportiert, örtliche Gespanne dazu verpflichtet [...] wurden. Außerdem seien große Mengen Benzinkanister auf dem Schloßhof gesehen worden. Der Brand des Schlosses habe noch in der Nacht des 29. April kurz nach Abzug der letzten deutschen Truppen begonnen und könnte mit den Aktenverbrennungen im Zusammenhang stehen“.[7] Anderswo heißt es, Leuchtgeschosse deutscher Flugzeuge, die versuchten, anrückende sowjetische Panzer zu bekämpfen, hätten das Dach getroffen und es damit in Brand gesetzt.[8]

Das Feuer war noch in 15 Kilometer Entfernung am Himmel zu sehen. Reste der Ausstattung blieben ungesichert zurück. Damit gingen auch große Teile des in den 1920ern im Schloss entstandenen Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseums verloren, zu dem Sammlungen, Kunstbesitz und Raumausstattungen aus dem Besitz des bis 1918 in Neustrelitz regierenden Fürstenhauses formiert worden waren. Verschiedenartige Stücke wurden durch die Bevölkerung gestohlen, in den Kellerräumen untergebrachte Gegenstände zum Teil aber auch noch sehr viel später verkauft (zum Beispiel die Kutsche für einen Spielfilm der DEFA). Die Steine der Bauruine des Schlosses nutzten die Neustrelitzer und ihre sowjetischen Besatzer für Neubauten und Reparaturen in der Stadt. Die letzten Reste wurden 1949 gesprengt und bis 1950 abgetragen.

Vom Schloss Neustrelitz sind heute oberirdisch keine Spuren mehr vorhanden. An das ehemalige Neustrelitzer Residenzschloss erinnern heute nur noch einige Reste der Keller aus der letzten Bauphase im frühen 20. Jahrhundert. Der ungefähre Grundriss der älteren Flügel ist heute mit weißen Kieselsteinen angedeutet.

Im Schlosspark blieben der ehemalige Marstall und das Großherzogliche Palais, auch Parkhaus genannt, erhalten.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Mittelrisaliten des Schlosses nachempfundene Zeltfassade auf der Terrasse der Gartenseite und der Turmbau, ab 2001 für einige Jahre aufgestellt

Seit der Zerstörung 1945 wurden verschiedene Möglichkeiten eines Wiederaufbaus der Neustrelitzer Schlossanlage oder eine andere städtebaulich sinnvolle Neubebauung des stadtbildprägenden Schlossbergs diskutiert. Bislang erreichte jedoch kein Konzept die Ausführungsreife.

Ab 2001 gewährte eine Zeltkonstruktion an der Stelle des Mittelbaus, die im Sommer als Kulisse für Operettenaufführungen diente, einen Eindruck von Dimension und Fernwirkung des einstigen Bauensembles. An der Stelle des Turmes wurde (aus statischen Gründen etwas versetzt) eine diesem in Gestalt und Größe nachempfundene Aussichtsplattform aufgestellt. Allerdings gab es letztendlich für die Zeltkonstruktion und den Turm weder einen verantwortlichen Träger noch weitere Eigentümer- bzw. baurechtliche Genehmigungen, so dass inzwischen eine Demontage erfolgte.

Am 27. August 1998 bildete sich in Neustrelitz der „Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.“, um den Wiederaufbau des Neustrelitzer Schlosses zu befördern. Dies soll vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit, historische Dokumentation und Pflege des kulturellen Erbes rund um den Schlossgarten in Neustrelitz verwirklicht werden.[9] In der Satzung des Vereins heißt es dazu: „Zweck der Tätigkeit des Vereins ist die Förderung von Kunst und Literatur sowie des Denkmalschutzes und des Heimatgedankens, insbesondere die Förderung der Wiederbebauung des Neustrelitzer Schlossberges im historischen Sinne sowie der Erhalt des barocken Gesamtensembles der Residenzstadt.“[10]

Schlosskeller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhaltene Schlosskeller mit Gewölbe aus der letzten Bauphase des Schlosses um 1905 (Foto von 2015)

Im Frühjahr 2013 formulierte der Residenzschlossverein Vorschläge, wonach zunächst die Schlosskeller gesichert und für Besucher erlebbar gemacht werden könnten. Im späteren Verlauf könnten Probestücke der Fassade aufgestellt und Türzargen platziert werden, um die Raumwirkung des Schlosses im Park allmählich wiederherzustellen.[11] Dabei wurden Vorschläge für mögliche Finanzierungsquellen innerhalb eines Besuchskonzeptes gemacht, unter anderem durch Spenden, Eintrittsgelder, eine Regional- und Stadtinfo, öffentliche Toiletten, Souvenir- und Spendeneinrichtungen, Imbiss und Führungen.[12]

Laut ursprünglichen Plänen des Finanzministers des Landes Mecklenburg-Vorpommern (MV) Mathias Brodkorb und des Betriebes für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL MV)[13] sollten die erhaltenen Schlosskeller von Neustrelitz für mindestens 1,2 Millionen Euro zugeschüttet werden.[14][15] Mehrere Kellerdecken, Gewölbe, sowie erhaltene Säulenpodeste und Fliesen des historischen Kellers würden dabei vernichtet werden. Die Pläne wurden in der Region und unter Denkmalpflegern in Deutschland kontrovers diskutiert und überwiegend abgelehnt. Die renommierte Architekturhistorikerin und Denkmalpflegerin Sabine Bock sprach von einem frevelhaften Vorgehen und der des Schlosses beraubten „amputierten Stadt“ Neustrelitz.[16] Da es sich um ein Denkmal und nicht um ein Bodendenkmal handelt, widerspricht eine solche unumkehrbare Verfüllung den Denkmalpflegegesetzen.[17] Henry Tesch bezeichnete den Plan der irreversiblen Verfüllung als „endgültige Beerdigung des Neustrelitzer Schlosses“.

Am 29. Januar 2018, genau 99 Jahre nach dem Wahlgesetz des Freistaates Mecklenburg-Strelitz und damit der Gründung des ersten deutschen Landesparlamentes in Neustrelitz, fand eine Schlosskonferenz unter Beteiligung von Landes- und Kommunalpolitikern, Fachleuten und Wilhelm von Boddien (Förderverein Berliner Schloss) statt. Die Konferenz unter Schirmherrschaft der Stiftung Mecklenburg sprach sich für den Erhalt und die Nutzbarmachung der Schlosskeller aus, um eine künftige Nutzung des Schlossareals zu ermöglichen.[18][19] Trotz der massiven Kritik hielt das Finanzministerium zunächst an den Plänen für die Zuschüttung der denkmalgeschützten Schlosskeller fest.[20] Die Neustrelitzer Stadtvertreter votierten in einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen[21] gegen die Zuschüttung der Schlosskeller. Die Beräumung der Kellerräume vom Schutt solle unter Schonung der Decken, Wände und Böden durchgeführt werden. Mithilfe der Denkmalpflege soll dann eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden.[22]

Als Reaktion auf den großen öffentlichen Druck erklärte Finanzminister Brodkorb im Februar 2018, dass die Zuschüttung der Schlosskeller zunächst nicht vorgenommen werden soll. Mit der Entfernung der Vegetation über den denkmalgeschützten Kellern wurde begonnen. Das weitere Vorgehen wurde zwischen der Stadt Neustrelitz, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bei einem Treffen im Finanzministerium in Schwerin am 7. März besprochen. Weitere Gespräche folgten.[23][24]

Am 6. September 2018 wurde der Plan zur Sanierung und Nutzbarmachung des Schlossareals (Landesprojektes „Ein Bellevue für Neustrelitz“) auf einer Stadtratssitzung von Vertretern des Finanzministeriums MV und des BBL erneut vorgestellt. Das Land MV favorisierte bisher eine denkmalgerechte Konservierung, die Verfüllung der Schlosskeller mit Fließsand und die Abdeckung mit Geotextil-, Schotter- und Rasenschichten. Die Schlossfundamente sollten originalgetreu nachgezeichnet und der Mittelrisalit des ursprünglichen Schlossgebäudes durch je vier, am Abend beleuchtete Säulen zur Mittelachse und zum Tiergarten hin hervorgehoben werden. Diese sollen künftig den Eingangsbereich zu den Schlossgartenfestspielen markieren. Die Fläche der Schlosserweiterung von 1905/08 wurde als begehbare Grünfläche mit einem Platz für vorhandene Artefakte im ehemaligen Innenhof geplant. Informationen zum Schloss und zum Garten sollen integriert und für Besucher eine pultartige Brüstung zur Mittelachse hin errichtet werden. Von erhöhter Position aus soll diese einen Ausblick auf den Schlossgarten ermöglichen. Der Stadtvertreter und Bauunternehmer Bernd Werdermann und der Neustrelitzer Architekt Christian Peters stellten unter dem Motto „Ein Neustrelitzer Beitrag zum Erhalt der Schlosskeller und ein Ausblick für die Zukunft“ einen alternativen Vorschlag zur Kellerverfüllung vor. Die baufällige Kellerdecke kann durch eine neue wasserdichte und tragfähige Stahlbetondecke abgefangen werden; auf eine Verfüllung zur Stabilisierung des alten Mauerwerks könnte dann verzichtet werden. Nach vollständiger Beräumung könnten die Kellerräume begehbar und nutzbar gemacht werden. Christian Peters regte darüber hinaus an, auf dem Schlossberg einen Ausstellungs- und Aussichtsturm zu errichten, der an das zerstörte Schloss erinnert und einen deutlichen Bezug zur Stadt herstellt. Finanzministerium und BBL hielten den Neustrelitzer Vorschlag, der dem Finanzministerium bereits 6 Wochen vorher vorlag, grundsätzlich für realisierbar. Offene Fragen zur Planung und Finanzierung müssten jedoch noch geklärt werden. Insgesamt waren für das Schlossbergprojekt bis dato rund 1,2 Millionen Euro im Landeshaushalt bewilligt worden.[25]

Schlossturm um 1920

Im November 2018 bot das Land Mecklenburg-Vorpommern an, sich mit 7 Millionen Euro an Turmbau, Kellersanierung und Gestaltung des Neustrelitzer Schlossbergs zu beteiligen. Die Stadt Neustrelitz sollte sich mit 2 Millionen Euro an den geplanten Gesamtkosten von 9 Millionen Euro beteiligen. Zur Gestaltung des Schlossturms standen mindestens zwei Vorschläge zur Diskussion. Der Neustrelitzer Residenzschlossverein e.V.[26] wollte den Turm originalgetreu haben. Der Architekt Christian Peters und der Stadtvertreter Bernd Werdermann favorisierten dagegen einen Turm, der zwar an das Original erinnern soll, aber nicht exakt originalgetreu ist.[27] Der Residenzschlossverein Neustrelitz e.V. und der Verein Stadtbild Deutschland e.V.[28] sprachen sich bereits zu Beginn der Diskussion für einen originalgetreuen Wiederaufbau von Schlossteilen aus.[29]

Wie es weitergeht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Oktober 2019 stimmten die Neustrelitzer Stadtvertreter mehrheitlich für den Entwurf einer Vereinbarung mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern zur Entwicklung des Schlossbergareals. Der 51 Meter hohe Schlossturm soll im Äußeren entsprechend seinem historischen Vorbild wieder aufgebaut werden. Die Stadt will als Bauherr auftreten und den Turm in eigener Verantwortung errichten. Insgesamt wurden rund 4 Millionen Euro (inkl. möglicher Kostensteigerungen von ca. 25 Prozent) für den Bau veranschlagt. Davon will das Land MV als Eigentümer des Areals 3 Millionen Euro (75 Prozent) tragen. Die restliche 1 Million Euro (25 Prozent) trägt die Stadt selbst. Statt die denkmalgeschützten Kellerräume wie ursprünglich vorgesehen zu verfüllen, sollen diese auf Kosten des Landes beräumt, begehbar gemacht und mit einer nutzbaren Betondecke überspannt werden. Der Stadt steht es anschließend frei, die Kellerräume selbst zu nutzen oder anderweitig durch Dritte nutzen zu lassen.[30][31]

Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der ehem. Schlossterrasse auf die barocke Hauptachse nach der Sanierung 2019
Hirschportal, Tor zwischen ehem. Schloss und Tiergarten

Der Neustrelitzer Schlosspark, der in seinen Grundzügen bis heute erhalten ist, wurde 1731/1732 nach Fertigstellung des Residenzschlosses von Julius Löwe als Barockgarten angelegt.[32][33] Wie in der Stilepoche des Barock üblich, war die Anlage auf das Schloss ausgerichtet. Nur die barocke Sichtachse blieb vom ehemaligen Barockgarten erhalten. Ein großes von Alleen flankiertes Rasenparterre führt auf der Sichtachse vom Schlossberg zum von Friedrich Wilhelm Buttel als Point de vue in der Mitte des 19. Jhd. anstelle eines Vorgängerbaus errichteten Hebetempel. Die Verengung der Sichtachse in Richtung des Zierker Sees war ein gartenarchitektonisches Stilmittel, um den Barockgarten tiefer und länger erscheinen zu lassen.[32]

Im Laufe der Jahre wurde der Schlosspark immer wieder umgestaltet und zu einer mehrteiligen Parkanlage erweitert. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts folgte die Umgestaltung eines Parkteils nach Ratschlägen von Peter Joseph Lenné im Stil englischer Landschaftsgärten.[34] In diesem Teil des Schlossparks wurde 1891 zum Gedenken an die preußische Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz der Luisentempel errichtet.[35][36] Dieses Bauwerk, ebenso wie der Hebetempel, eine Reihe von Kopien antiker und klassizistischer Bildwerke – aufgestellt an der ehem. Schlossauffahrt, auf der barocken Sichtachse und beidseitig der Götterallee –, die restaurierte Kopie des Orestsarkophags nahe der Orangerie, der Kinderbrunnen von Albert Wolff und die Kopie der antiken Bronzestatue Betender Knabe im Orangeriegarten, sowie die am östlichen Rand des Parks gelegenen Neustrelitzer Orangerie selbst, zeugen vom Kunstgeschmack des Adels in der Zeit des Klassizismus.[37]

Modelle und Ansichten vom Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Modell des Schlosses vor seiner Zerstörung ist im Modellpark in Klütz zu besichtigen. Das Modell entstand ursprünglich für den Modellpark Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg, der 2011 geschlossen wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Wagner [Hrsg.]: Fremdenführer von Neustrelitz und Umgebung. Neustrelitz 1926.
  • Michael Gust: Das Neustrelitzer Residenzschloss. cw strelitzia, Neustrelitz 1998.
  • Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz ca. 2000. (Broschüre mit Fotos von Horst-Günter Jung ohne Angabe des Erscheinungsjahrs).
  • Katrin Bosch: Die Bedeutung und Funktion der Führerschule Neustrelitz im System der nationalsozialistischen Leibeserziehung. Diss. Essen 2008 (Volltext)
  • Friederike Drinkuth: Männlicher als ihr Gemahl. Herzogin Dorothea Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön, Gemahlin Adolph Friedrichs III. von Mecklenburg-Strelitz. Regentin und Stadtgründerin von Neustrelitz. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2016. ISBN 978-3-944033-00-6.
  • Torsten Foelsch: Das Residenzschloß zu Neustrelitz. Ein verschwundenes Schloß in Mecklenburg. Foelsch & Fanselow Verlag, Groß Gottschow 2016. ISBN 978-3-9816377-1-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Neustrelitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz vom 20. Mai 1733 (Digitalisat) In: Carolinum, Jg. 46 -Nr. 88, S. 8 – 19, Göttingen 1982/83, Hrsg.: Altschülerschaft des Gymnasiums Carolinum.
  2. Näheres über die Herzogin in Helmut Borth: Herzoghaus Mecklenburg-Strelitz: Von gekrönten Häuptern, blaublütigen Kuckuckskindern und der Mirower Fürstengruft. Steffen Verlag 2014, ISBN 3-942477-95-5, Kapitel: „Frivoles Rokoko – Adolf Friedrich III. (1686–1752), Herzog zu Mecklenburg-Strelitz, und Dorothea Sophie von Holstein–Plön (1692–1765), Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz“.
  3. a b Annalise Wagner: Aus dem alten Neustrelitz. Kapitel: Wie aus der Meierei Glienke die Stadt Neustrelitz wurde. 2. Auflage, Neustrelitz 1968, S. 6
  4. a b c Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 12.
  5. Thomas Nugent: Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg. Band 1. London 1768, S. 268 ff. Zitiert von Gerlinde Kienitz in: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 12.
  6. Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 9.
  7. Torsten Fölsch: Das Residenzschloss zu Neustrelitz. Ein verschwundenes Schloss in Mecklenburg. Fölsch & Fanselow Verlag, Groß Gottschow 2016, ISBN 978-3-981637717, S. 461 ff.
  8. Hintergrund zur Zerstörung des Schlosses in einem Bericht auf ndr.de, abgerufen 7. September 2018.
  9. Vorstellung „Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.“
  10. Vereinssatzung Residenzschlossverein – § 1 Abs. 4, Zweck des Vereins
  11. Strategiepapier Schlosskeller Neustrelitz: „Den Schlosskeller erhalten und erleben“. 12. Oktober 2009, Hrsg. Residenzschlossverein Neustrelitz e.V..
  12. Strategiepapier Schlosskeller Neustrelitz: „Den Schlosskeller erhalten und erleben“ (Schritt 9). 12. Oktober 2009, Hrsg. Residenzschlossverein Neustrelitz e.V..
  13. Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL MV)
  14. Forum: Braucht Neustrelitz sein Schloss wieder? Die Welt, 24. Januar 2018.
  15. Herrichtung des Schlossbergareals Neustrelitz, Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern, 7. Dezember 2017.
  16. Neustrelitz: Das gesprengte Schloss und die „amputierte Stadt“ in: Schweriner Volkszeitung. 29. Januar 2018.
  17. Braucht Neustrelitz sein Schloss? Nordkurier, 24. Januar 2018.
  18. Braucht Neustrelitz sein Schloss wieder? in: Schweriner Volkszeitung. 28. Januar 2018.
  19. 1945 in Brand gesteckt: Tagung in Neustrelitz über Zukunft des Residenzschlosses in: Nordkurier. 29. Januar 2018.
  20. Trotz Kritik: (Finanz-)Ministerium hält an Verfüllung von Neustrelitzer Schlosskeller fest, Nordkurier, 31. Januar 2018.
  21. Schlosskeller Neustrelitz: Wie weiter? NDR, 1. Februar 2018.
  22. Pläne für Schlosskeller: Stadtvertretung stellt klare Forderung an Schwerin, Nordkurier, 1. Februar 2018.
  23. Alexander Block: Bäume am Schlosskeller von Neustrelitz gefällt, in: Nordkurier. 20. Februar 2018.
  24. Arbeiten an der Ruine des Schlosskellers vorerst eingestellt
  25. Positive Signale für Schlossberg-Kompromiss. In: Strelitzer Echo - Jahrgang 27, Ausgabe 18. Pressestelle der Stadt Neustrelitz, 15. September 2018, S. 3, abgerufen am 5. Dezember 2019.
  26. Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.
  27. Susanne Böhm: Land gibt noch mehr Geld für Turmbau, Nordkurier, 20. November 2018
  28. Stadtbild Deutschland e.V.
  29. Pläne für die Rekonstruktion des Neustrelitzet Schlossturmes, Stadtbild Deutschland e.V., 16. November 2018.
  30. Stadvertretung - Neustrelitzer bauen Schlossturm wieder auf. In: Nordkurier-Online. 25. Oktober 2019, abgerufen am 2. November 2019.
  31. Grünes Licht für Schlossturm. In: Strelitzer Echo - Ausgabe 22. Pressestelle der Stadt Neustrelitz, 9. November 2019, abgerufen am 10. November 2019.
  32. a b Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 6.
  33. Otto Wagner [Hrsg.]: Fremdenführer von Neustrelitz und Umgebung. Neustrelitz 1926, S. 21.
  34. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg. Museum der Stadt Neustrelitz, S. 8 (illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung).
  35. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg. Museum der Stadt Neustrelitz, S. 20 (illustriert mit Fotografien von Horst-Günter Jung)
  36. Otto Wagner [Hrsg.]: Fremdenführer von Neustrelitz und Umgebung. Neustrelitz 1926, S. 28.
  37. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg. Museum der Stadt Neustrelitz, S. 20 (illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung).

Koordinaten: 53° 21′ 33″ N, 13° 3′ 28″ O