Schloss Opočno

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Schloss Opočno
Innenhof mit Renaissance-Arkaden
Im Innenhof des Schlosses
Luftaufnahme

Das Schloss Opočno (deutsch Opotschno) liegt in der gleichnamigen Stadt Opočno in Ostböhmen, die zur Königgrätzer Region gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Stelle des heutigen Schlosses stand ursprünglich eine Přemyslidenburg, die zum königlichen Burgensystem gehörte. Sie wird in der Chronik des Cosmas von Prag für das Jahr 1068 erwähnt. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts gelangte sie an Sezema von Dobruška, bei dessen Nachkommen sie bis 1425 verblieb als sie von den Hussiten erobert wurde.

Seit 1495 gehörte Opočno den Herren Trčka von Leipa, die 1562 in den böhmischen Herrenstand aufgenommen wurde. Wilhelm Trčka von Leipa errichtete 1560–1569 an der Stelle der Burg ein dreiflügeliges Renaissanceschloss. Nach der Ermordung Adam Erdmanns von Trčka von Leipa 1634 in Eger wurde Opočno von Kaiser Ferdinand II. konfisziert. Er übergab es den italienischen Grafen Rudolf und Hieronymus von Colloredo-Wallsee. Nach dem großen Brand Ende des 17. Jahrhunderts nahmen sie einige Veränderungen im Barockstil daran vor, wobei der Kern des Renaissanceschlosses erhalten blieb. Die Umbauarbeiten leitete Giovanni Battista Alliprandi. 1775 kamen Schloss und Herrschaft an Fürst Rudolph Joseph von Colloredo. Seine Nachfahren, die Fürsten von Colloredo-Mansfeld, nahmen im 18. und 19. Jahrhundert wichtige Positionen in der österreichischen Diplomatie und im Militär ein. Sie besaßen das Schloss bis zur entschädigungslosen Enteignung des Fürsten Josef II. (1866–1957) im Zuge der Beneš-Dekrete durch die Tschechoslowakei 1945. Nach der Samtenen Revolution erhielt Kristina Colloredo-Mansfeld den Grundbesitzes des früheren Gutes Opočno zurückübertragen, während sie das Schloss nach einem Aufsehen erregenden Urteil des Verfassungsgerichtes wieder an den Staat zurückgeben musste. Über das Inventar ist noch ein Rechtsstreit anhängig.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss beherbergt eine Galerie mit italienischen Gemälden aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sowie eine kostbare Schlossbibliothek. Sehenswert ist auch der Rittersaal, in dem wertvolle Rüstungen und historische Waffen ausgestellt werden. Im Repräsentationssalon sind Porträts der Familienmitglieder der Schlossbesitzer zu sehen. Sammlungen aus Afrika und Amerika runden die Ausstellung ab. Zu der Sammlung, deren Wert das Denkmalschutzamt auf über eine Milliarde Kronen, rund 35 Millionen Euro, einschätzt, gehören unter anderem eine künstlerisch wertvolle Kutsche.

Politische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Vorgesprächen auf dem unweit gelegenen Schloss Ratibořice fanden vom 10. bis 23. Juni 1813 politische Verhandlungen auf dem Schloss Opočno statt. Mit ihnen sollte Österreich in ein antinapoleonisches Bündnis eingebunden werden. Teilnehmer waren Zar Alexander I. von Russland, der österreichische Kanzler Metternich, der preußische Staatskanzler Hardenberg und zeitweise auch König Friedrich Wilhelm III. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen kam es am 27. Juni 1813 im schlesischen Reichenbach zu der Konvention von Reichenbach.

Aktuelles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Adelsfamilie verklagte im Jahre 2007 den Tschechischen Staat auf Restitution der Kunstsammlung aus dem Renaissanceschloss im ostböhmischen Opočno. Ein Gerichtsentscheid des Kreisgerichts von Hradec Králové (Königgrätz) im Oktober 2007 lehnte dies jedoch in einem Berufungsverfahren erneut ab, so dass die Familie Colloredo-Mansfeld nun das Oberste Gericht der Tschechischen Republik anrufen will.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Castle Opočno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.radio.cz: Ostböhmisches Gericht entschied über Kunstsammlung in Schloss Opočno. 18. Oktober 2007

Koordinaten: 50° 15′ 53,5″ N, 16° 6′ 56,1″ O