Schloss Ostrau

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Schloss Ostrau
Schloss Ostrau. Brücke über den Burggraben
Schloss Ostrau, Burggraben
Leinwandtapeten aus Ostrau, heute im Schloss Friedrichsfelde
Wandbespannung aus Ostrau, heute im Schloss Friedrichsfelde

Schloss Ostrau ist ein Barockschloss im gleichnamigen Ort Ostrau (Saalekreis) bei Halle (Saale). Das Barockschloss stammt aus der Zeit nach 1713. Der breite Wassergraben, der das Schloss umschließt, gehörte zu einer mittelalterlichen Burg. Von dieser sind nur minimale Reste erhalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Ortes Ostrau wird auf das slawische Wort „Insel“ zurückgeführt. Man vermutet deshalb, dass die durch einen breiten Wassergraben gebildete Insel bereits zur Zeit der slawischen Besiedelung eine Wallburg getragen hat. Eine erste urkundliche Nennung erfuhr der Ort, als Markgraf Konrad der Große 1125 die Kapelle und vier Hufen Land dem Augustinerkloster auf dem Petersberg schenkte. Eine mittelalterliche Befestigung ist als existent anzunehmen, als 1156 Hogerus von Ostrau, ein markgräflicher Ministeriale genannt wurde. Bis 1285 war dieses Geschlecht in Ostrau ansässig. Ein Otto II. von Ostrau ließ 1237 eine Burgkapelle errichten.

1288 war Ostrau in den Verkauf der Herrschaft Wettin an das Erzstift Magdeburg durch die Grafen von Brehna eingeschlossen. In den Jahren bis 1378 kauften die Bischöfe von Merseburg dann nach und nach die gesamte Herrschaft Ostrau auf.[1] [2] Sie stand ab 1485 unter der Verwaltung des wettinischen Amts Delitzsch,[3] lag von diesem jedoch räumlich getrennt. Die Bischöfe verliehen Ostrau an verschiedene Lehnsnehmer, unter ihnen die Familien von Witzleben, von Hoym, von Leipzig. 1540 verlehnt Bischof Sigismund von Lindenau das Besitztum an Herzog Heinrich den Frommen. 1585 schließlich erwarb die Familie von Veltheim die Burg. Sie blieb bis 1945 in Familienbesitz. Die Veltheims ließen die Burg zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss mit weiträumigen Wirtschaftshof umbauen.

Im Dreißigjährigen Krieg konnte sich die Burg gegen ein schwedisches Korps unter General von Königsmarck und gegen kaiserliche Truppen unter General Gallas halten. Otto Ludwig von Veltheim ließ ab 1713 die alten Gebäude abreißen und durch den französischen Architekten Louis Remy de la Fosse ein Schloss im Stile des französischen Barock erbauen. Es zählt zu den wertvollsten Barockbauten des Landes Sachsen-Anhalt.

Der Besitzer Hans Hasso von Veltheim, Indologe, Anthroposoph und Weltreisender, ließ 1929–33 Schloss und Schlosspark durchgreifend sanieren. Er vollendete durch den Ausbau des Nordostflügels den barocken Schlossbau. Die Patronatsloge der Schlosskirche ließ er zu einer anthroposophisch inspirierten Grab-Altar-Kapelle umbauen. Der Adlige machte das Schloss zu einem Treffpunkt von Anthroposophen und Geistesschaffenden aus aller Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Veltheim enteignet. Die Bibliothek und Kulturgüter wurden teilweise in die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verbracht, von den sowjetischen Besatzern beschlagnahmt oder geplündert. Marsden Hartleys Gemälde Leuchtturm aus Veltheims Sammlung hing ab 1954 in der Moritzburg (Halle). [4] Später wurde das Schloss als Internat genutzt. Die Grab-Altar-Kapelle als Teil der Kirche hat diese Zeit im Wesentlichen unversehrt überstanden. 1990 wurde dort die Urne von Hans Hasso von Veltheim beigesetzt.

Derzeit wird das Schloss von einer Grundschule, einem Jugendklub und dem Schloss Ostrau e.V. genutzt. Von der mittelalterlichen Bausubstanz ist außer dem Fundament des Bergfriedes nur noch der Burggraben erhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Der Bezirk Halle. Akademie-Verlag, Berlin 1976.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt II, Regierungsbezirke Dessau und Halle. München-Berlin 1999, S. 647 f.
  • Andreas Fincke: Die Grab-Altar-Kapelle in der Schlosskirche zu Ostrau. Ein anthroposophisches Kleinod. In: Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen. Jg. 71, 2008, H. 7, S. 252–257 ISSN 0721-2402.
  • Bruno Goetz: Schloss Ostrau bei Halle-Saale. Ostrau 1937.
  • Berent Schwineköper (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Provinz Sachsen Anhalt. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1975, S. 391–392.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Ostrau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Rittergut Ostrau und seine Orte im Buch „Geographie für alle Stände“, S. 519
  2. Die Gutsherrschaft Ostrau im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f.
  4. Nach Restitution an die Erben wurde es bei Christie’s für 6,3 Millionen US$ versteigert (Abbildung und Bericht)

Koordinaten: 51° 37′ 6″ N, 12° 0′ 39″ O