Schloss Pürkelgut

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Westfassade von Schloss Pürkelgut
Nordfassade von Schloss Pürkelgut mit halbrundem Mittelrisalit

Schloss Pürkelgut ist ein Wasserschloss im Osten Regensburgs und gilt als einer der bedeutendsten barocken Profanbauten der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem sumpfigen Gelände existierte seit dem 13. Jahrhundert ein landwirtschaftliches Gut, das im 17. Jahrhundert den Namen Einhausen hatte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut, im Sommer 1634 von einer Abteilung des kaiserliche Belagerungsheeres besetzt, die gegen die Schweden kämpften, die Regensburg im November 1633 beim Kampf um Regensburg besetzt hatten. Nach den Kämpfen blieb die Anlage fast hundert Jahre lang eine Ruine.[1][2]

Das Schloss in seiner heutigen Form wurde 1728 unter Leitung von Johann Michael Prunner für den wohlhabenden Regensburger Kaufmann Johann Jakob Pürkel errichtet. Das Anwesen verfügte über ein Mansarddach, Ecktürme sowie einen halbrunden Mittelrisalit. 1749 fiel der Besitz an Johann August von Greifenstein, den Reichstagsgesandten für Schweden-Vorpommern, der in dem romantisch gelegenen Wasserschloss standesgemäße Feste feierte, dem „Sanssouci der Reichstagsgesandten von Regensburg“, wie es der Historiker Joseph Rudolf Schuegraf 1830 formulierte.

Am 23. April 1809 ließ sich Napoleon nach seiner Verwundung durch eine abgeprallte Kugel vor Regensburg zunächst zum Verbinden nach Schloss Pürkelgut und dann zur Übernachtung ins Kloster Karthaus-Prüll bringen.[3] Danach gab es im Schloss ein „Napoleonzimmer“. Nachdem der damalige Besitzer Friedrich Heinrich Hartmeyer 1826 eine Brauereikonzession erworben hatte, wurde das Gut in der Biedermeierzeit zu einem beliebten Sommer-Ausflugsziel mit Gartenwirtschaft und Tanzvergnügen. Unter Georg Hamminger aus Ortenburg entwickelte sich das Anwesen ab 1838 zu einer musterhaften Ökonomie, die 26 Personen beschäftigte. 1844 verkaufte Hamminger das Gut an Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis, der es als Jagdschloss nutzte. Ab 1847 sollte das Gut unter Leitung von Ludwig Mörike (Bruder von Eduard Mörike) zu einer Ackerbauschule ausgebaut werden, was jedoch unterblieb.[4][5]

Flüchtlinge und Bedienstete der Gutsverwaltung wohnten bis 1975 in dem Gebäude. Seither steht es leer.[6] Das Schloss befindet sich in einem schlechten baulichen Zustand und war zeitweise vom Einsturz bedroht. Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel konnte es im Herbst 2001 von der Fürstlichen Bauverwaltung nur notsaniert werden, wobei der Dachstuhl abgestützt, Dachrinnen installiert und Fenster abgedichtet wurden.[7]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Platz vor dem Schloss ist Schauplatz des jährlich stattfindenden Mittelalterfests Hexentanz und Feenzauber sowie diverser anderer kultureller Veranstaltungen, wie Konzerten oder Freiluftkino. Verschiedene diskutierte Nutzungskonzepte (Sitz des Landesamts für Denkmalpflege, Tagungs- oder Veranstaltungszentrum, Luxushotel, Eisstadion, Gewerbe- oder Ökobetrieb, Jugendherberge) führten zu keiner Realisierung. 2015 wurde ein Ankauf durch die Stadt Regensburg diskutiert, dieses Vorhaben wurde im Januar 2016 aber wieder verworfen, da sich die Fürstliche Bauverwaltung nicht mit der Stadt Regensburg einigen konnte. Im April 2016 wurde bekanntgegeben, dass das Schloss, der Gutshof und 4,9 Hektar landwirtschaftliche Flächen an ein Regensburger Immobilienunternehmen verkauft worden seien.[8][9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Pürkelgut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Engerisser Eine bisher unbekannte Ansicht der Belagerung Regensburgs im Jahr 1634. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 148. Band Regensburg 2008; S. 70; ISSN 0342-2518
  2. Karl Bauer: Regensburg Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ Buchverlag, Regensburg 2014, ISBN 978-3-86646-300-4. S. 682
  3. Eva Dewes, Sandra Duhem: Kulturelles Gedächtnis und interkulturelle Rezeption im europäischen Kontext Akademie Verlag, 2008. ISBN 3050041323, S. 528.
  4. Ursula Regener: Mörike in Regensburg und Mozart auf der Reise nach Prag. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Band 158. Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, 2018, ISSN 0342-2518, S. 103.
  5. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 681 ff.
  6. Kulturjournal Ostbayern
  7. Stadtheimatpflege Regensburg - Schloß Pürkelgut, abgerufen am 20. Mai 2009
  8. Wohnprojekt? Gloria verkauft Pürkelgut auf www.mittelbayerische.de
  9. Thurn und Taxis verkauft das Regensburger Pürkelgut auf www.br.de

Koordinaten: 49° 0′ 7″ N, 12° 7′ 52″ O