Schloss Paretz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schloss Paretz vom Ehrenhof

Schloss Paretz ist ein klassizistisches Schloss im Ort Paretz in der Stadt Ketzin/Havel. Das Schloss geht auf den preußischen König Friedrich Wilhelm III. zurück, der das Gut beziehungsweise Rittergut Paretz erwarb und ausbauen ließ.

Bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss, Entwurf von 1797
Schloss Paretz (um 1800, Franz Hillner). Unter den dargestellten Personen wohl auch Friedrich Wilhelm III. und Luise

Friedrich Wilhelm erwarb das Gut Paretz 1797 für 85.000 preußische Taler. Zu dieser Zeit war er noch Kronprinz und seit drei Jahren mit Luise von Mecklenburg-Strelitz verheiratet. Er selbst wirkte bei offiziellen Anlässen stets gehemmt und sprachlich wenig ausdrucksfähig, die Prinzessin dagegen war eine lebhafte und natürlich auftretende Person, die nach dem frühen Tod ihrer Mutter bei ihrer Großmutter in Darmstadt eine relativ freie Erziehung nach den Idealen Rousseaus genossen hatte. So wird verständlich, dass beide, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, einen Ort zu schätzen wussten, an dem sie sich zeitweilig den Zwängen des steifen Hofzeremoniells entziehen konnten. Dieser Ort sollte Paretz werden, ein abgelegenes Gut an der Havel, das der Kronprinz schon bei Besuchen in Kindertagen kennengelernt hatte. Hier entstand in den Jahren nach 1797 ein Refugium, das die gewünschten Eigenschaften aufwies – vor allem Stille und Einfachheit. Von Zeitgenossen erhielt es den Beinamen „Schloss Still-im-Land“.

Noch 1797 begann der Berliner Architekt David Gilly damit, an Stelle des alten Gutshauses aus dem frühen 18. Jahrhundert, von dem Teile des Grundrisses und des Mauerwerks erhalten blieben, ein schlichtes, frühklassizistisches Landschloss zu errichten. Die 60 Meter langen Fassaden des schmalen Bauwerks waren zurückhaltend akzentuiert: durch die hervorgehobenen Mittelrisalite mit Bogenfenstern, eine Farbgebung in abgestuften Tönen von gelblichem Weiß bis Ocker und zwei Pyramidenpappeln neben dem einstigen Haupteingang. In den Jahren 1797/1798 wurde die Inneneinrichtung des Schlosses fertiggestellt, eine Demonstration des frühen Klassizismus Berliner Prägung. Die stilistische Einfachheit, die sich hier und in ähnlichen Bauwerken des Adels zeigte, wurde vom Bürgertum später als „Biedermeier“ übernommen und weitergeführt. Das Interieur bestand aus formal schlichten Möbeln in hervorragender handwerklicher Verarbeitung. Spektakulär und bald weithin berühmt waren die gemalten und gedruckten Papiertapeten in den königlichen Wohnräumen. Einige der Tier- und Pflanzendarstellungen waren aus China importiert, die meisten aber in Berliner Manufakturen hergestellt worden, ebenso alle Bordüren mit ihren seriellen Motiven wie Weinlaub und Flieder. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms III. 1840 verfügten die sieben noch lebenden Nachkommen, dass die seit Beginn kaum veränderten Räume unbenutzt bleiben und nur dem Andenken an die Eltern dienen sollten. Diese Verfügung wurde von allen nachfolgenden Generationen der Hohenzollern respektiert, sodass der Originalzustand bis 1945 nahezu erhalten blieb.

Zuweilen wird der Bau auch als preußische Variante der so genannten Revolutionsarchitektur gesehen, die besonders in Frankreich den Übergang vom Spätbarock zum Klassizismus markierte. Unterstützt wurde der Architekt David Gilly von seinem Sohn Friedrich, der von der französischen Entwicklung stark beeinflusst war und dessen Anteil an dem Projekt Paretz in jüngster Zeit höher eingeschätzt wird als bisher. Die Einfachheit ihrer Bauten war nicht nur eine architektonische Geste im Stil der Zeit – von ihrem Auftraggeber, seit November 1797 König von Preußen, – wurden die Architekten entschieden dazu angehalten. „Nur immer denken, dass Sie für einen armen Gutsherrn bauen“ mahnte Friedrich Wilhelm, der hier nicht nur eine halbprivate Sommerfrische schaffen, sondern ein Beispiel liefern wollte für zeitgemäße, sparsame ländliche Zweckarchitektur in seinem damals wirtschaftlich wenig leistungsfähigen Königreich.

Der Bau des Schlosses war also Teil eines weit umfangreicheren Auftrags. In der nächsten Umgebung des Schlosses sollte ein Park entstehen, die mittelalterliche Kirche ein neues Aussehen erhalten, ein ganzes Musterdorf nach englischem Vorbild angelegt werden. Alle diese Maßnahmen wurden zwischen 1797 und 1804 durchgeführt. Das Nachbargut Falkenrehde war bereits seit 1735 im Privatbesitz der Hohenzollern und 1832 erwarb Friedrich Wilhelm III. noch das Gut Uetz hinzu, sodass ein stattlicher Grundbesitz an Schatullgütern entstand, der bis zur Enteignung 1945 im Besitz des vormaligen Königshauses blieb.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detail der Tapete aus dem Gesellschaftssaal
Das Schloss von der Schlossparkseite
Schlossremise

Bei Kriegsende wurde das Schloss geplündert, 1945/1946 besetzte die Rote Armee das Haus, danach waren Kriegsflüchtlinge dort untergebracht. Von 1948 bis etwa 1960 nutzte die Bauernhochschule „Edwin Hoernle“ die historischen Gebäude, später die „VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) Tierzucht“, die höchste Verwaltungsinstanz für die Tierzucht der DDR. Durch verschiedene Um- und Anbauten ging das historische Erscheinungsbild verloren. Die beiden markanten Pappeln vor der Hauptfassade verschwanden, das Bogenfenster wurde rechteckig, grauer Kratzputz überdeckte die alte Farbfassung. Mit dem Aussehen eines Schul- oder Kulturhauses der frühen DDR überdauerte das ehemalige Schloss die nächsten fünfzig Jahre.

Durch Gemälde, Fotos und maßgerechte Zeichnungen war die Entwicklung des Schlosses zwischen 1797 und 1945 jedoch gut dokumentiert. Nach der politischen Wende von 1989 war das Haus vorübergehend von der Fachhochschule Potsdam genutzt worden- Studenten sicherten im Rahmen ihrer Ausbildung zu Restauratoren, was an historischer Substanz im Einzelnen noch zu finden war – Gesimse, Profile und Reste der ursprünglichen Ausmalung. Nachdem das Schloss 1996/97 durch das Land Brandenburg angekauft worden war, konnte das Äußere des Gebäudes zwischen 1999 und 2001 anhand der vorhandenen Unterlagen zuverlässig rekonstruiert werden. Im selben Zeitraum wurde auch das Gebäudeinnere wiederhergestellt, obwohl auch hier bauliche Veränderungen den ursprünglichen Zustand entstellt hatten und die Inneneinrichtung fast vollständig verschwunden war. Ein Aufruf zur Rückkehr von Möbelstücken und Geschirr, die in Haushalten der näheren Umgebung vermutet wurden, war nicht sonderlich erfolgreich. Inzwischen sind die Zimmer wieder mit Möbeln aus der Zeit um 1800 versehen worden, Hinweistafeln in jedem Raum beschreiben akribisch die einstige Ausstattung.

Die kunsthistorisch bedeutenden Papiertapeten blieben teilweise erhalten. 1947 waren sie von Mitarbeitern der Potsdamer Schlösser geborgen und in den Magazinen des Neuen Palais in Potsdam eingelagert worden. Ihr Zustand war allerdings nicht dazu geeignet, sie in Paretz wieder anzubringen und auszustellen. In einem großangelegten Restaurierungsprojekt, betreut von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und finanziert von der Cornelsen Kulturstiftung Berlin, wurde in insgesamt fünf Spezialwerkstätten zwischen 1998 und 2001 daran gearbeitet, die oft nur noch fragmentarisch vorhandenen und hochempfindlichen Tapeten zu ergänzen und zu stabilisieren. Die finanzielle Unterstützung von 1,5 Mio. Mark war mit der Auflage verbunden, dass die Tapeten in den ursprünglichen Räumen angebracht werden müssten (die Platzierung der einzelnen Stücke konnte anhand von Farbaufnahmen aus dem Jahre 1943 genau bestimmt werden). Diese Bedingung war ein wesentlicher Anreiz auch für die bauliche Wiederherstellung. In der Schlossremise ist in einer Dauerausstellung der königliche Fuhrpark ausgestellt.[1]

Park und Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfkirche

Die Entwürfe für den Schlosspark stammen sehr wahrscheinlich von David und Friedrich Gilly und wurden durch den neu eingestellten Hofgärtner David Garmatter ausgeführt. Die drei Teile des Parks, eine Fläche von insgesamt 7,5 Hektar, sind durch Straßen, Wege und Zäune voneinander getrennt, zugleich aber durch bewusst eingesetzte Sichtachsen miteinander verbunden.

Der Schlossgarten in der direkten Umgebung des Schlosses, früher allein den Herrschaften vorbehalten, entstand aus ehemaligen Nutzgartenflächen und einem Teil des Parks, der zum Gut der Familie Blumenthal gehörte. Das Gelände ist nahezu vollständig flach. Einige Beispiele von besinnlicher Kleinarchitektur – das Japanische Haus, eine Grotte und eine kleine Tempelruine – wurden nach 1945 abgerissen.

Der Kirchgarten orientiert sich am deutlichsten an englischen Vorbildern. Hier ist der Boden leicht gewellt, der Hauptweg weist auf die Mitte des Schlosses und bildet die zentrale Achse des ganzen Ensembles. Zwei typische Staffagebauten am Rande dieses Abschnitts – die Kirche und das Gotische Haus – bereichern die Anlage. Der Kirchgarten war nach 1918 landwirtschaftlich genutzt worden, später verwilderte er und wurde ab 1975 wieder hergerichtet.

Die Luisenpforte um 1900

Im Rohrhausgarten finden sich die deutlichsten Höhenunterschiede. An seiner Südseite wurde um 1800 sogar Wein angebaut. Ein rohrgedecktes Häuschen, von Friedrich Gilly am höchsten Punkt von Paretz errichtet, 1903 abgerissen, gab diesem Abschnitt seinen Namen. An einer entlegenen Stelle ließ Friedrich Wilhelm III. 1811 die gusseiserne, neugotische Luisenpforte errichten, zur Erinnerung an den letzten Besuch der Königin in Paretz am 20. Mai 1810. Das Denkmal wurde 1920 zerstört. Auf dem ehemals östlichen Teilstück des Rohrhausgartens steht seit 1965 eine Gruppe von Wohnblöcken.

Die Ursprünge der Dorfkirche von Paretz liegen im Mittelalter, in der Zeit um 1200. Reste von Wandmalereien aus dieser Zeit wurden im Chor freigelegt und konserviert. Seine heutige Form erhielt der Bau in den Jahren 1797/98. Verbürgt ist, dass David Gilly für das Kirchendach, ein sogenanntes Bohlenbinderdach, verantwortlich war; die dekorative neugotische Gestaltung der Fassade und die entsprechende Illusionsmalerei im Inneren sind wohl Valentin von Massow und Martin Friedrich Rabe zuzuschreiben. Nach dem Vorbild des Zustands um 1800 wurde das später noch mehrfach veränderte Gebäude in den Jahren 1983 bis 1985 rekonstruiert. Das bedeutendste Stück der Innenausstattung ist ein Tonrelief von Johann Gottfried Schadow, das in der ehemaligen Königsloge zu sehen ist: Die Apotheose der Königin Luise.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Marr: Das Dorf Paretz. DKV Kunstführer Nr. 629/5. Deutscher Kunstverlag, München Berlin.
  • Paretzer Skizzenbuch. Bilder einer märkischen Residenz um 1800. Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2000.
  • Adelheid Schendel: Studie zur Geschichte und Kunstgeschichte des Dorfes und des Schlosses Paretz. Im Auftrag des Institutes für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Berlin, vorgelegt Potsdam 1980.
  • Birgit Lucas, Titia Hoffmeister, Matthias Marr: Paretz. Schlösser und Gärten der Mark. Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark. Berlin 1993, ISBN 3-87584-416-5.
  • Gundula Werger: Ich bin doch nur ein armer Gutsherr : Sommerfrische für die Krone: In Paretz richteten sich Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen ihr Schloss Still-im-Land ein, das als vorbildliches Landgut sogar Geld abwarf. in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Mai 2010, Seite R 3.
  • Claus-Dieter Steyer: Paretz. Eine königliche Sommerfrische. be.bra verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86124-665-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Paretz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Königlicher Fuhrpark. spsg.de. Eingesehen am 2. Februar 2018.


Koordinaten: 52° 28′ 6″ N, 12° 52′ 36″ O