Schloss Pyrmont

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Eingang zur Festung und zum Schloss auf einer Brücke über den Wassergraben

Das Schloss Pyrmont war Residenz beziehungsweise Sommerresidenz der Grafen von Spiegelberg und der Grafen von Waldeck-Pyrmont im heutigen Bad Pyrmont. Der bestehende Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert. Heute beherbergt er ein Museum. Das Schloss ist Teil der Festung Pyrmont aus dem 16. Jahrhundert.

Geschichte[Bearbeiten]

Festung und Renaissanceschloss[Bearbeiten]

Festung und Renaissanceschloss vor dem Dreißigjährigen Krieg

Graf Friedrich VI. von Spiegelberg als Landesherr der Grafschaft Pyrmont erbaute zwischen 1526 und 1536 im Tal von Pyrmont eine Festung mit einem darin befindlichen Schloss. Erfahrungen mit dem Festungsbau hatte er durch die Verstärkung der Burg Coppenbrügge mit Mauern und Rondellen. Die Festung Pyrmont bestand aus einer nahezu quadratischen Wallanlage mit einem 40 Meter breiten Wassergraben. Die Wälle verfügten über Kasematten und einer in Stein ausgeführten Eckbastion, womit die italienische Befestigungsmanier anklingt. Der Zugang zur Festung erfolgte über eine Holz- und später über eine Klappbrücke. Innerhalb der Wälle entstanden Gebäude und im südwestlichen Bereich ein erster Schlossbau.

Nach der Fertigstellung des Schlosses 1536, bezog es Graf Friedrich VI., der im benachbarten Lügde residierte. Später wurde der Schlossbau zum Seitenflügel eines größeren Schlosses, das sein Sohn Philipp 1557 im Stil der Weserrenaissance anbauen ließ. Überlieferten Ansichten zufolge handelte sich um ein dreistöckiges Gebäude mit drei Zwerchgiebeln, ähnlich der Bauart der Hämelschenburg. Außerdem wurde ein Turm zur Archivierung von Schriftgut errichtet. Vor der Vollendung des Renaissanceschlosses starb Philipp. Vollendet wurde der Bau durch den Ehemann seiner Schwester Hermann Simon von Lippe. Anschließend residierten die Grafen zur Lippe und die Grafen von Gleichen auf dem Schloss. 1625 trat Graf Hans Ludwig von Gleichen die Grafschaft Pyrmont an die Grafen von Waldeck ab.

Im Dreißigjährigen Krieg lebte der Erbfolgestreit zwischen dem Bistum Paderborn und den Grafen von Waldeck wieder auf. Für das Bistum belagerten Truppen des Generals Pappenheim die Festung Pyrmont im Jahr 1629. Die 400 Mann starke Besatzung ergab sich nach zehn Monaten. 1633 eroberten schwedische Truppen die Festung zurück, die 1636 von den Kaiserlichen zurückerobert wurde. Nach einer erneuten Einnahme durch die Schweden im Jahr 1646 übergaben sie die Festung 1649 an die Grafen von Waldeck. Durch die Belagerungen wurde das Schloss beschädigt. Notdürftig wiederhergerichtet, diente es den Grafen von Waldeck als Sommerresidenz. Außerdem wurde es in der Folgezeit vernachlässigt und begann zu verfallen.

Als Graf Anton Ulrich von Waldeck-Pyrmont 1706 die Regentschaft in Waldeck und Pyrmont übernahm, ließ er sich vom Baumeister Hermann Korb ein neues Schloss im Stil des Barock errichten. Der Bau entstand in den Jahren zwischen 1706 bis 1710 auf dem Sockelgeschoss und weitere Teile des Vorgängerbaus. Bereits 1721 kam es zu einer Erweiterung durch den Architekten Julius Ludwig Rothweil. Es wurden ein Kommandantenhaus, zwei Kavaliershäuser und ein Magazingebäude erbaut. Die Festungsanlagen wurden instand gesetzt. Hinzu kam die Umgestaltung der Gärten im Barockstil. Weitere Veränderungen folgten ab 1765 unter dem Baudirektor Franz Friedrich Rothweil. In den Jahren zwischen 1852 und 1855 wurden einige Bauten aufgestockt, und das Schloss erhielt sein heutiges Aussehen.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich im Schloss ein Lazarett, da Pyrmont Lazarettstadt war. Nach dem Krieg hatte das britische Rote Kreuz bis 1948 seinen Sitz im Schloss. 1956 erwarb das Land Niedersachsen Festung und Schloss von der fürstlichen Familie zu Waldeck und Pyrmont. Eine erste Sanierung erfolgte von 1960 bis 1962; eine weitere folgte zwischen 1978 und 1987. Anschließend bekam die Anlage eine Nutzung als Volkshochschule sowie als Museum für die Geschichte der Stadt Pyrmont und des Heilbades. Außerdem wird die Schlossanlage für verschiedene Veranstaltungen genutzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Härtel: Schloß Pyrmont (Große Baudenkmäler, Heft 171). 2. Auflage, München/Berlin 1972
  • Karl Theodor Menke: Pyrmont und seine Umgebung. 2. Auflage. Hameln und Pyrmont 1840, S.128–134 (Digitalisat).
  • Titus Malms: Belgische NS-Exilregierung im Schloss Pyrmont in: Deister- und Weserzeitung vom 13. August 2005

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Pyrmont – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.9835555555569.2483611111111Koordinaten: 51° 59′ 1″ N, 9° 14′ 54″ O