Schloss Rheda

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Schloss Rheda von Nordosten gesehen
Schloss Rheda von Südosten gesehen
Orangerie im Schlossgarten

Das Schloss Rheda ist ein Wasserschloss in Rheda-Wiedenbrück, Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Burganlage wurde erstmals 1170 erwähnt. Die Herrschaft geht auf das Freigericht Rheda mit Vogteirechten an den Klöstern Liesborn und Freckenhorst zurück, die um 1170 in den Händen des Widukind von Rheda lagen. Widukind errichtete am Emsübergang zwischen Münster und Paderborn eine Wasserburg, das heutige Schloss Rheda. Nach dem Tod Widukinds auf dem Kreuzzug Barbarossas kam die Herrschaft nach 1190 an die Edelherren zur Lippe unter Bernhard II. zur Lippe. Bernhards Nachfolger Hermann II. baute die Burg Rheda zu einer der größten Burgen Norddeutschlands aus. Zugleich verlegte er den Sitz der Freiherren zur Lippe von Lippstadt nach Rheda.

Nach dem Tod Simon I. zur Lippe 1344 kam Rheda in der Zweiten Lippischen Teilung an Bernhard V. zur Lippe. Nach dessen söhnelosen Tod 1364 entstand eine Fehde zwischen dem eigentlichen Erben Simon III. zur Lippe sowie Bernhards Schwiegersohn Otto VI. von Tecklenburg, der sich der Herrschaft bemächtigte. Die Fehde wurde erst 1491 durch Zahlung einer Geldsumme endgültig beigelegt, die Herrschaft Rheda blieb aber seit Otto unter der Herrschaft der Grafen von Tecklenburg.

Durch Heirat gelangten Burg und die Herrschaft Rheda 1557 in den Besitz der Grafen von Bentheim. Das Schloss wird bis heute als Wohnsitz von der Familie des Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda genutzt und ist in Teilen als Museum zugänglich.

Zu den Gebäuden zählen ein Kapellenturm aus dem 13. Jahrhundert, ein staufischer Torturm und ein Wohnturm des 14. Jahrhunderts, ein Wohnflügel im Stil der Weserrenaissance mit Galerie, und der Haupttrakt in schlichtem Barockstil sowie zahlreiche ebenfalls im 18. Jahrhundert erbaute Wirtschafts- und Nebengebäude (Ölmühle, Kornmühle, Marstall mit Wagenremise, Torhaus, Komödienhaus, Ställe).

Außerhalb der Burginsel gibt es seit 1623 einen geometrischen Garten. 1988 wurde er nach Plänen aus dem 19. Jahrhundert restauriert und spiegelt die neobarocke Gartenkunst wider.

Im Sommer finden Führungen statt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen ein Kutschenmuseum und eine Spielzeug- und Kostümsammlung sowie die Orangerie im Schlosspark. Das Schloss befindet sich im Besitz der Familie Bentheim-Tecklenburg.

Seit 2003 findet alljährlich auf dem Gelände des Schlosses die Landpartie „Frühling im Park“ statt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Böckenholt: Schloß und Herrschaft Rheda. Harsewinkel 1979. (Historische Kurzmonographien westfälischer Schlösser Bd.1)
  • Horst Conrad: Bemerkungen zur Baugeschichte des Schlosses Rheda. In: Westfälische Zeitschrift, Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. 139, 1989, S. 239–273.
  • Dehio Nordrhein-Westfalen. Band 2: Westfalen. bearbeitet von Dorothea Kluge und Wilfried Hansmann. München/Berlin 1969, S. 478–82.
  • Hermann Maué: Rheinisch-staufische Bauformen und Bauornamentik in der Architektur Westfalens. Köln 1975, S. 101–108. (Dissertation Münster 1975, 7. Veröffentlichung der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln)
  • Franz Mühlen: Schloß und Kapellenturm zu Rheda, Beobachtungen bei den Restaurierungsarbeiten. In: Westfalen. 46, 1968, S. 62–76.
  • Franz Mühlen: Schloß und Residenz Rheda. Münster 1979. (Westfälische Kunststätten, Heft 6)
  • Helmut Platte: Das Haus Bentheim-Tecklenburg in Vergangenheit und Gegenwart. Werl 2003.
  • Heinrich Schmidt: Hermann II. zur Lippe und seine geistlichen Brüder, Zum Verhältnis von adeligem Selbstverständnis und norddeutscher Bauernfreiheit im 13. Jahrhundert. In: Westfälische Zeitschrift, Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. 140, 1990, S. 209–232.
  • Oskar Schürer: Romanische Doppelkapellen, Eine typengeschichtliche Untersuchung. In: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 5, 1929, S. 99–192.
  • Bernhard Schütz, Wolfgang Müller: Deutsche Romanik, Die Kirchenbauten der Kaiser, Bischöfe und Klöster. Freiburg/ Basel/ Wien 1989, S. 549.
  • Ulrich Stevens: Burgkapellen im deutschen Sprachraum. Köln 1978, S. 176–189. (Diss. Köln 1978, 14. Veröffentlichung der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln)
  • Hans Thümmler: Die Bedeutung der Edelherren zur Lippe für die Ausbreitung der westfälischen Baukunst im 13. Jahrhundert. In: Westfalen – Hanse- Ostseeraum. Münster 1955, S. 161–169. (Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volkskunde Heft 7)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Rheda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 51′ 3″ N, 8° 17′ 49″ O