Schloss Rhede

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schloss Rhede von Nordwesten
Luftaufnahme von Schloss und Gräften

Das Schloss Rhede (auch Haus Rhede genannt) in der gleichnamigen Stadt in Nordrhein-Westfalen kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Das zweiflügelige Wasserschloss wurde in seiner heutigen Form 1564 von Lubbert von Rhemen erbaut, geht aber auf eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert zurück.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss erhebt sich zweigeschossig über einem hohen Keller. Es besitzt zwei Gebäudeflügel aus Backstein, die rechtwinkelig aneinander stoßen. Der Nordostflügel ist mit seinem geschweiften Staffelgiebel noch original aus dem Jahr 1564 erhalten und besitzt an seinen Giebelseiten Rautenbänder aus blau gebrannten Backsteinen.[1]

Der schmalere Südwestflügel wurde hingegen 1845/46 auf alten Grundmauern seines Vorgängerbaus neu errichtet. Die ursprüngliche Form seiner Schweifgiebel ist hier nur vereinfacht nachgeahmt, und sein Satteldach wird von einem kleinen Dachreiter bekrönt. Eine zwölfstufige Freitreppe aus der Zeit um 1740 führt zum dortigen Portal.

Im Winkel der beiden Flügel steht ein achteckiger Treppenturm mit drei Geschossen. Er besitzt eine zwiebelförmige Haube mit Schieferdeckung und trägt das Allianzwappen seiner Erbauer Lubbert von Rhemen und dessen Frau Hillegunde von Diepenbrock zu Kortenhorn.

Umgeben ist Schloss Rhede von einem großen Park, der jedoch nicht öffentlich zugänglich ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für etwa die Mitte des 13. Jahrhunderts ist bereits eine Burganlage der Herren von Rhede an der Stelle des heutigen Wasserschlosses verbürgt. Da sich jedoch der damalige Burgherr Werner von Rhede während einer Fehde gegen den Münsteraner Bischof Ludwig II. von Hessen auf die Seite der Grafen von Geldern stellte, wurde die Burg 1324 von bischöflichen Truppen zerstört.

Nachfolgend wurde sie zwar von den neuen Besitzern, den Herren von Rhemen, wieder aufgebaut, jedoch blieb auch dieser Neubau nicht lange von kriegerischen Handlungen verschont. Everhard von Rhemen machte sich die Stadt Bocholt zum Feind, und so zerstörten Bocholter Truppen den Burgsitz mit Ausnahme des Bergfrieds ein weiteres Mal.

Ein Nachfahr Everhards, Lubbert von Rhemen, ließ 1546 den alten Wehrturm niederreißen und an jener Stelle gemeinsam mit seiner Frau Hillegunde von Diepenbrock zu Kortenhorn ein zweiflügeliges Herrenhaus, umgeben von einer doppelten Gräfte, im Stil der Renaissance errichten.

Als die männliche Linie des Hauses Rhemen 1695 ausstarb, wechselte das Schloss Rhede mehrfach den Besitzer. 1843 verkaufte Graf Alexander von Wartensleben das Anwesen mit den Gütern Borg und Dorfbröcking für 65.000 Taler an Laurenz Friedrich Lancelle, einen Notar aus Emmerich.[2] Er ließ den alten Südwestflügel niederlegen und auf alten Fundamenten einen neuen errichten.

1860 kauften die Brüder Alfred und Emil zu Salm-Salm das Anwesen. Ihre Familie wählte es später als Wohnsitz, nachdem ihr Stammsitz, die Burg Anholt in Isselburg während des Zweiten Weltkriegs durch Bombentreffer schwer beschädigt und unbewohnbar geworden war. Die Mitglieder des Hauses Salm-Salm nutzen das Haus noch heute als Wohnsitz; gegenwärtig wohnt dort Emanuel zu Salm-Salm mit seiner Familie.

1980 wurde das Gebäude mitsamt dem direkt angrenzenden Park restauriert. Dabei wurde der ehemalige Putz entfernt, damit die darunter liegenden Backsteine wieder zur Geltung kommen konnten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen. Band 2: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München 1969, S   482.
  • Erich Tönspeterotto, Birgit Cremers-Schiemann: Schlösser im Münsterland. Artcolor, Hamm 1994, ISBN 3-89261-125-4, S. 165.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Rhede – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag des Schlosses in der Denkmalliste der Stadt Rhede, Zugriff am 5. Juni 2016.
  2. Hasso Lancelle: Jean Frangois Lancelle auf dem Isselmannshof in Hamminkeln. In: Hamminkelner Verkehrsverein e. V. (Hrsg.): Hamminkeln Ruft. Nr. 29, Mai 1991, S. 4 (PDF; 5,9 MB).

Koordinaten: 51° 50′ 24,5″ N, 6° 42′ 5,5″ O