Schloss Rheder

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Schloss Rheder, Gartenfassade

Das Schloss Rheder ist eine kleine Schlossanlage an der Nethe im Brakeler Ortsteil Rheder, Kreis Höxter. Es ging aus einem Rittergut hervor, das Lehen des Fürstbistums Paderborn war. Die Anlage befindet sich in Privatbesitz und ist von einem acht Hektar großen Englischen Landschaftsgarten umgeben. Dieser ist seit 1949 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und für die Öffentlichkeit zugänglich.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlossanlage besteht aus einem rosafarbenen Herrenhaus und einer östlich davon liegenden hufeisenförmigen Vorburg mit gelbem Anstrich. Deren etwa 120 Meter breite Front weist zwei oktogonale Eckpavillons und eine große, mittig gelegene Tordurchfahrt mit plastischem Giebelschmuck auf.

Das zweigeschossige, spätbarocke Herrenhaus mit seinen kurzen, nur angedeuteten Seitenflügeln wirkt äußerlich sehr schlicht. An seiner Ostseite besitzt es ein Mittelrisalit mit schmucklosem Dreiecksgiebel. Eine zweiläufige Freitreppe führt zu dem sich dort befindlichen Portal. Das Gebäude besitzt eine Innenausstattung im Stil des Rokoko. Besonders erwähnenswert ist neben dem sogenannten Chinesischen Zimmer mit einer handbemalten Stofftapete aus der Zeit um 1770 der reich stuckierte Gartensaal mit einem achteckigen Grundriss. Seine Ausstattung stammt von den gleichen italienischen Künstlern, die auch das Schloss Schwarzenraben ausgestalteten.[1] Im südlichen Teil des Herrenhauses befindet sich zudem eine Schlosskapelle mit Rokoko-Dekoration.

Der Schlosspark im Stil eines Englischen Landschaftsgartens liegt größtenteils östlich der Gebäude. Besonders auffällig ist seine breite, Pückler-Schlag genannte Sichtachse, die vom Gartensaal des Herrenhauses ausgehend geradlinig zum östlich gelegenen Sieseberg führt. Zum Park gehörig sind auch eine nördlich des Herrenhauses stehende Turmruine aus dem 19. Jahrhundert, die mit Idaturm bezeichnet wird, und der ehemalige Küchengarten des Schlosses.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schlossareal 1854
Schloss Rheder um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Im 14. Jahrhundert war Rheder im Besitz der Ritter von Brakel. Nach deren Aussterben 1384 fielen ihre Besitzungen an das Fürstbistum Paderborn, dessen Bischof anschließend die Familie der Freiherren von Mengersen damit belehnte. Diese baute dort eine Burg und siedelte um 1400 nach Rheder über.

Die Burganlage wurde während des Dreißigjährigen Kriegs zerstört, so dass Christian von Mengersen anschließend mehrere Feste Häuser entlang der Nethe erbauen ließ, um von dort seine Besitzungen verwalten zu können. Sein Nachfolger Christian Falcko von Mengersen erhielt am 2. Juli 1686 vom Paderborner Fürstbischof Simon von Sternberg das Privileg zugesprochen, in Rheder Bier brauen und ausschenken zu dürfen. Damit wurde der Grundstein für die noch heutige bestehende Schlossbrauerei gelegt.

Christian Falckos Nachfolger Bruno Burchard von Mengersen beauftragte 1716 den westfälischen Baumeister Lambert Friedrich Corfey gemeinsam mit den beiden Brüdern Pictorius[2], eine mit einem Wassergraben umgebene Vorburg zu erbauen, die letztlich aber bis 1727 durch den damals noch jungen Johann Conrad Schlaun realisiert wurde. Der Vorburg folgte 1750 unter Franz Joseph von Mengersen und seiner Frau Sophie-Antoinette, geborene Freiin von Spiegel zu Desenberg, der Bau des heutigen Herrenhauses nach Plänen des Architekten Johann Matthias Kitz.

Ebenfalls während des 18. Jahrhunderts erfolgte die Anlage eines repräsentativen Barockgartens, der hinsichtlich der ursprünglichen Planung wahrscheinlich aber nur teilweise verwirklicht wurde.[3] Der Garten war vollständig von einer Mauer umgeben, die heute noch im Süden und Norden des Schlossareals erhalten ist.

1800 trat Friedrich Wilhelm Bruno von Mengersen sein Erbe auf Schloss Rheder an und wurde für besondere Dienste 1814 in den erblichen Grafenstand erhoben.

Der heutige Landschaftsgarten entstand vermutlich in zwei Phasen. Die erste davon datiert auf das Ende des 18. Jahrhunderts[3] und resultierte in einer romantisch, verspielten Gestaltung des Areals. Der Park besaß danach ein chinesisches Gartenhaus, ein Borkenhäuschen, einen Freundschaftstempel und eine Einsiedelei. Von diesen Bauten ist heute aber ebenso wenig erhalten wie von der damaligen Allee mit orientalischen Pappeln, der Roseninsel sowie der mit Tannen bepflanzten Begräbnisinsel. Die zweite Gestaltungsphase des Parks geht auf Josef Bruno von Mengersen zurück, der später durch literarische Veröffentlichungen als Dichtergraf des Nethegaus bekannt wurde. Inspiriert von den landschaftsgärtnerischen Vorstellungen des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau verwandelte er den Park ab 1838 in einen „klassischen“ Landschaftsgarten mit einheimischen Gehölzen und ließ ihn dabei auf rund 70 Hektar vergrößern.

Mit Josef Bruno von Mengersen starb die Linie Rheder der Familie von Mengersen 1873 im Mannesstamm aus und Schloss Rheder kam per Erbgang an die Familie der Freiherren Spiegel von und zu Peckelsheim, die auch heute noch Eigentümerin der Anlage ist.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Wirtschaftsgebäuden der Vorburg sind die mehr als 300 Jahre alte Gräflich Mengersen'sche Dampfbrauerei und ein am 9. November 2003[4] eröffnetes Husarenmuseum untergebracht. Letzteres nimmt mit seinem Thema Bezug auf den Schlossherrn Adolf Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim, der Rittmeister im Husarenregiment Zar Nikolaus’ II. war.

Zudem eröffnete 2004 ein Café in der ehemaligen Orangerie, und die Schlosskapelle sowie der Gartensaal des Herrenhauses können für Trauungen angemietet werden.

Seit 2003 ist im westlichen Teil des Landschaftsparks eine „Rauminszenierung“ der Konzeptkünstlerin Jenny Holzer zu sehen. Es handelt sich um eine Vielzahl von wie zufällig umherliegender Baumstämme, in die Texte von Holzer und von Henri Cole eingraviert sind.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München 1969, S. 483.
  • Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern. Band 2, Berlin 1860 (PDF; 254 KB).
  • Ernst Maoro: Schloss Rheder im Nethetal. In: Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe. Westfalen-Verlag, Bielefeld 1986, ISBN 3-88918-038-8, S. 183–186.
  • Hartmut Platte: Haus Rheder bei Brakel und seine adeligen Besitzer von Mengersen, von Spiegel. 1. Auflage. Börde-Verlag, Werl 2005, ISBN 3-9809107-9-2.
  • Westfälisches Amt für Landschafts- und Baukultur: Landschaftspark Rheder. Aus der LWL-Dokumentation zur Garten-Landschaft OstWestfalenLippe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Rheder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G. Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Westfalen. S. 483.
  2. eghn.org, Zugriff am 29. September 2007.
  3. a b Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Landschaftspark Rheder in LWL-GeodatenKultur
  4. Matthias Rasch: Baudenkmale gefährdet - Baudenkmale gerettet. Nordrhein-Westfalen (Bereich Westfalen). In: Burgen und Schlösser. Jg. 44, Nr. 4, 2003, ISSN 0007-6201, S. 258.

Koordinaten: 51° 40′ 44,3″ N, 9° 9′ 43,2″ O