Schloss Sayn

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Schloss Sayn

Schloss Sayn ist ein Schloss am Fuß des Burgbergs der Burg Sayn, am Ortseingang von Sayn, einem Stadtteil von Bendorf im Landkreis Mayen-Koblenz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Schlosses liegen in einem mittelalterlichen Burgmannshof aus dem 14. Jahrhundert, der für die Herren von Reiffenberg, Ministerialen der Grafen von Sayn, erbaut wurde. Oberhalb des Schlosses steht auf einem Bergsporn die Burg Sayn, der Stammsitz der Grafen von Sayn. Deren Erbe fiel 1247 an eine Linie der Grafen von Sponheim, die daraufhin die jüngere Linie der Grafen zu Sayn bildete und 1361 auch die Grafschaft Wittgenstein erbte, woraufhin sich die Familie zu Sayn-Wittgenstein nannte. Die Besitzungen wurden ab 1361 in zwei Linien weitergeführt, das Gebiet um Sayn, Altenkirchen und Hachenburg in der Linie Sayn-Sayn und die Territorien um Homburg sowie das Wittgensteiner Land um Laasphe und Berleburg in der Linie Sayn-Wittgenstein.

Graf Ludwig I. vereinte die beiden Grafschaften wieder in einer Hand, teilte jedoch 1605 sein Erbe auf seine drei Söhne auf: Der älteste erhielt Berleburg, der zweite Wittgenstein und der dritte, Graf Wilhelm III., die Grafschaft Sayn, da er mit Gräfin Anna Elisabeth von Sayn, der letzten Nachfahrin der 1606 im Mannesstamm erloschenen Linie Sayn-Sayn, verheiratet war. Er begründete damit die (ältere) Linie der Grafen zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Diese Linie starb aber schon 1636 aus, das Erbe wurde in die Grafschaft Sayn-Hachenburg und die Grafschaft Sayn-Altenkirchen geteilt, die sodann beide über weibliche Erbfolgen an andere Häuser fielen.

Schloss Sayn 1860, Sammlung Alexander Duncker
Schloss Sayn 2012

Fürst Ludwig Adolph Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Ludwigsburg (1799–1866), ältester Sohn des kaiserlich russischen Feldmarschalls Fürst Ludwig Adolph Peter aus einem jüngeren Zweig der Berleburger Linie, kehrte 1848 mit seiner Gemahlin Leonilla Barjatinsky (1816–1918) aus Russland zurück, erhielt vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Burg Sayn geschenkt und erwarb 1848 auch das am Fuß des Burgberges gelegene, im Kern mittelalterliche und später barock umgestaltete Herrenhaus, das zuletzt der Familie Boos von Waldeck gehört hatte. Noch im selben Jahr beauftragte der Fürst gemeinsam mit seiner russischen Frau Leonilla den französischen Architekten François Joseph Girard, den späteren Generalintendanten des Louvre in Paris, das Herrenhaus gemäß dem Zeitgeschmack im Stil der Neugotik zu einem Schloss umzubauen und zu erweitern. An seinem Ostende wurde durch Hermann Nebel von 1860 bis 1862 eine Doppel-Kapelle nach dem Vorbild der Sainte-Chapelle errichtet. Dort wird das kostbare Armreliquiar der Elisabeth von Thüringen aufbewahrt.

Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg kurz vor Kriegsende stark beschädigt. Es verfiel zur Ruine, nur die Außenmauern blieben erhalten, die Kapelle blieb weitgehend unbeschädigt. Erst in den 1990er Jahren wurde der Wiederaufbau geplant und unter Wiederherstellung der alten Bausubstanz durchgeführt. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Heutiger Eigentümer ist Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosspark

Schloss Sayn beherbergt unter anderem das Rheinische Eisenkunstguss-Museum, das gemeinsam mit den fürstlichen Salons von Anfang März bis Anfang Dezember besichtigt werden kann. Zudem ist dort ein Restaurant beheimatet.

Im Fürstlichen Schlosspark, einem Englischen Landschaftsgarten aus dem 19. Jahrhundert, befindet sich der Garten der Schmetterlinge Schloss Sayn, der ebenfalls besichtigt werden kann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heiderose Engelhardt: Schloss und Burg Sayn Deutscher Kunstverlag, München 2006, ISBN 3-422-02031-4 (= DKV-Kunstführer, Heft Nr. 637)
  • Das Mittelrheinische Becken (= Werte der deutschen Heimat. Band 65). 1. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2003, ISBN 978-3-412-10102-2.
  • Udo Liessem: Bemerkungen zur Bau-, Kunst- und Geistesgeschichte des Schlosses in Sayn. In: Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (Hrsg.): Sayn - Ort und Fürstenhaus. o.O., o.J. (Bendorf-Sayn 1979), S. 149–168.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Sayn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 26′ 18″ N, 7° 34′ 38″ O