Schloss Seifersdorf

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Ostseite des Schlosses Seifersdorf
Westeingang
Südseite
Innenansicht des Schlosses

Das Schloss Seifersdorf im gleichnamigen Ort Seifersdorf nördlich der Dresdner Stadtgrenze im Landkreis Bautzen ist ein um 1530 errichtetes Schloss, das von 1818 bis 1826 nach Plänen des Architekten Karl Friedrich Schinkel im Stil der Neogotik umgebaut wurde. Um das Seifersdorfer Schloss befindet sich ein gestalteter Schlosspark, dessen Programm sich in der Gestaltung des Seifersdorfer Tals durch Christina von Brühl fortsetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde am heutigen Standort des Schlosses eine Wasserburg aus Holz errichtet. Nach der Vernichtung durch einen Brand entstand ein steinernes Gebäude im Bereich des heutigen Festsaals im Erdgeschoss. Dieses wurde im 13. Jahrhundert durch den Anbau eines Torhauses, des heutigen Westeingangs ergänzt. In einer vierten Phase verlängerte man das Gebäude nach Osten und ergänzte später ein spiegelbildlich zum bestehenden heutigen Südflügel orientiertes Gebäude. Der Umbau durch Karl Friedrich Schinkel verband die beiden Teile und ergänzte die Umrisse, um einen annähernd symmetrischen Grundriss zu erhalten. Es entstand ein U-förmiger Grundriss mit einem dreiseitig umschlossenen Ehrenhof an der Ostseite, welcher durch eine steinerne Brücke mit dem Schlosspark verbunden ist. Der Schlosspark wurde während des Umbaus ebenfalls im englischen Stil umgestaltet.

Die Ostseite mit Ehrenhof und der abschließenden Zinnen-bekrönten Tormauer sowie den flankierenden Türmchen trägt den Charakter einer mittelalterlichen Burg. Die Westseite dagegen orientiert sich mit dem eisernen Balkon über dem Eingangstor, dem quaderförmigen Turm und der kreisförmigen Vorfahrt an englischen Landsitzen des 19. Jahrhunderts.

Besitzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Aussterben der Dynastie der von Grünrod 1747 übertrug der sächsische Kurfürst Friedrich August II. den Besitz an den sächsischen Premierminister Graf Heinrich von Brühl. Sein Sohn Hanns Moritz wohnte um 1800 zeitweise, dessen Frau Christina von Brühl dauerhaft im Schloss. Sie ließ ab 1781 einen Landschaftsgarten im Seifersdorfer Tal anlegen.

Carl von Brühl ließ als nächster Besitzer das Schloss durch Karl Friedrich Schinkel grundlegend umgestalten. Schinkel war 1817 in Seifersdorf. Er kannte Carl von Brühl aus Berlin. Dort war der Graf Intendant der königlichen Theater. In seiner Zeit der Intendanz wurde das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (heutiges Konzerthaus) nach Plänen von Schinkel wiedererrichtet. Carl Maria von Weber war auch ab und an in Seifersdorf und besprach dort mit Carl von Brühl die Aufführung des Freischütz. Dieser feierte 1821 unter Brühl seine Premiere in Berlin. Ursprünglich hieß der Freischütz Jägersbraut. Den endgültigen Namen gab Brühl der Oper.[1]

Karl Andreas Friedrich Wilhelm Moritz Vincenz Graf von Brühl-Renard war der Ururenkel von Heinrich von Brühl und letzte Graf in Seifersdorf. Er und seine erste Ehefrau Gräfin Else gelten als Mitbegründer der Tobiasmühle und des späteren Epilepsiezentrums Kleinwachau. Graf Karl war viele Jahre Mitglied des sächsischen Landtags und starb am 31. Dezember 1923 in Groß-Strelitz (Oberschlesien). Seine zweite Ehefrau Agnes Gräfin von Brühl führte seine Arbeit noch viele Jahre fort.

Nach Kriegsende 1945 wurde Agnes von Brühl, die Witwe des letzten Grafen von Brühl, komplett enteignet. Dass bei der Enteignung von Agnes Gräfin von Brühl nicht alles rechtmäßig zuging, zeigt die Beschreibung der Vorgänge um die originalen Goethebriefe und weiteren Schriftwechsel, die sogenannten Goetheana. In der vom Hannah-Arendt-Institut erstellten Expertise im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei Einer von beiden muss so bald wie möglich entfernt werden - Der Tod des sächsischen Ministerpräsidenten Rudolf Friedrichs vor dem Hintergrund des Konfliktes mit Innenminister Kurt Fischer 1947, herausgegeben von der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, ist der Konflikt um die Enteignung nachzulesen. Die Goetheana gehörten wie die 46 Gemälde, die noch heute in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vorhanden sind, zum Eigentum von Gräfin Agnes. Sie starb verarmt 1952 in Radebeul und fand ihre letzte Ruhe auf dem Seifersdorfer Friedhof. In den folgenden Jahren wurden das Gemeindeamt von Seifersdorf, eine Schule und ein Kindergarten im Schloss eingerichtet. Die Schule bezog später ein anderes Gebäude, das Gemeindeamt wurde als Folge der Gemeindereform mit Wachau aufgegeben. Der Kindergarten wurde trotz Bürgerprotesten im Jahr 2004 geschlossen.[2]

Garten des Schlosses Seifersdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christina von Brühl, ehemalige Besitzerin des Schlosses und eine der ersten Landschaftsarchitektinnen, legte das Seifersdorfer Tal an und setzte das Programm der dortigen Staffagen im Garten des Schlosses Seifersdorf fort.[3]

  • Hirschfelds Denkmal bestand aus einem „Rasenhügel“, auf dem auf einem Sockel eine Urne aus Meißner Porzellan platziert war, gewidmet Christian Cay Lorenz Hirschfeld, Gartentheoretiker der Aufklärung, propagierte den Landschaftsgarten empfindsam-romantischer Prägung
  • Links davon befand sich eine „Nische von lebendigem Grün“ mit einer Tafel mit einer französischen Inschrift: „Des jours heureux voici l'image: Les Dieux sur nous versent-ils leurs faveur. Ils offrent sur notre passage Quelques aspects, riant des repos et des fleurs.“
  • Vogelhaus in der Gestalt eines Pavillons gegenüber der „Nische von lebendigem Grün“, umgeben von „Terrassen von Rasen“, Obstbäumen, Blumen und Sträuchern
  • „ein kleines Gartenhauß von ganz einfacher Bauar“t mit Tür, Fenstern, Laubengang mit Vogelkäfigen (mit Lachtauben und Kanarienvögeln), bewachsen mit wildem Wein, Inschrift: „Zwischen Welt und Einsamkeit liegt die wahre Weisheit in der Mitte.“ Innenausstattung: hellgrüne Wände, daran „Behänge von Jesmin und Kornblumen“, ein Kamin, ein Schrank mit einer „kleinen Gartenbibliothek“, gegenüber der Tür ein Spiegel, ein „Ruhebett“, Tische, Stühle, Inschriften
  • Youngs Grotte, eine Art aufgebrochene Ruinenarchitektur, außen mit der Inschrift „Young gewidmet“, Ausstattung: „Betaltar aus einen dürren Stamm zusammengesetzt“, verziert mit einem Kreuz, einem Schädel, einem Mosaik, einen betenden Heiligen darstellend, und dem Buch "Nachtgedanken" von Edward Young, das aufgeschlagen auf dem Altar liegt, Sanduhr mit Inschrift, Nischen mit Strohmatten,
  • Büste Elisa von der Recke, umpflanzt von Rosen, Jasmin u. a. Blumen, daneben Bank mit Inschrift
  • Gärtchen mit Jasmin und türkischem Holunder bewachsen, Inschrift: "Fühle in deinem Herzen die süßen Regungen der Natur, nimm an was sie dir güthig zugetheilet und denk an nichts weiter."
  • Youngs Kindern Philander und Narcissa gewidmet, auf einer mit Pappeln bewachsenen Insel in einem Teich des Schlossparks, mittig „Rasenhügel“ mit schlangenumwundener Urne (Duplikat des Denkmals des Vaters der Gräfin) auf einem Sockel aus einem groben Feldstein mit eingravierten Namen
  • links davon „Bildsäule des Amor“, Putto mit Pfeil und Bogen, Inschrift
  • daneben Laube berankt mit Geißblatt, Rosen u. a., Voliere mit Lachtauben
  • in der Nähe: Rindenhäuschen mit Göthen's Büste, Büste Goethes in eine Nische, daneben Denkmäler für Werther und Marie von Beaumarchais
  • am Ende des Gartens eine Hecke mit Öffnung auf eine noch vorhandenen Allee aus Pappeln und Kastanien mit Blickbeziehung „nach einer gothischen Ruine, die auf einem entfernten Berge liegt“
  • ein „Genußgarten“ mit Obstbäumen, Blumen und Bänken, geplant waren dort weitere Staffagen mit Büsten „Hallers, Jerusalems, Lavaters, Gellerts, Klopstocks, Zollikofers und andrer ihnen ähnlicher Männer“

Schloss Seifersdorf heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss befindet sich heute im Besitz der Gemeinde Wachau und wird von örtlichen Vereinen genutzt, insbesondere für die Freiwillige Feuerwehr und die Gemeinde-Bibliothek. Der Förderverein Seifersdorfer Schloss bietet regelmäßig öffentliche Führungen an. Der früher zum Schloss gehörende Wirtschaftshof ist in Privatbesitz und weitgehend ungenutzt. Seitens der Gemeindeverwaltung ist geplant, das Schloss künftig stärker für Hochzeitsfeiern, einschließlich Hotel, zu nutzen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle: www.Weber-Gesamtausgabe.de und Weber-Briefe an Graf Brühl.
  2. Kommentar Kindertagesstätte Seifersdorf
  3. Wilhelm Gottlieb Becker: Das Seifersdorfer Thal. Leipzig, Voß und Leo, 1792. (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Seifersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 9′ 33,3″ N, 13° 53′ 2″ O