Schloss Sonnenburg

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Dieser Artikel erläutert die Anlage Südtirols, zu anderen Burgen und Schlössern siehe Sonnenburg.
Schloss Sonnenburg, Ansicht der Ostseite

Schloss Sonnenburg ist eine Burg und ein ehemaliges Kloster der Benediktinerinnen in St. Lorenzen in Südtirol in Italien. Vom alten Baubestand ist wenig erhalten, jedoch verweisen einige romanische Fenster sowie Freskenfragmente der Krypta auf das hohe Alter der Anlage.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gehörte die Burg den Gaugrafen von Lurn und Pustertal. Im Jahre 1022 erhielt Graf Volkhold, nach dem Tod seines Schwestermannes Aribo, Schloss „Suanapurc“ (suana = Sühne, Gericht) und schenkte dieses mitsamt dazugehörigem Grundbesitz dem Benediktinerorden zur Errichtung eines Damenstifts. Dieses wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet, soweit aus der verworrenen und zum Großteil gefälschten Gründungsüberlieferung hervorgeht.[2] Erste Äbtissin wurde demnach – noch vor 1139 – Wichburg, Tochter Aribos und dessen Gemahlin Wichburg von Sonnenburg. Fast achthundert Jahre lang waren danach die Benediktinerinnen von Sonnenburg die Grundherren des Gadertaler Gebietes. Sie errichteten in Enneberg ein Gericht.

Aus dem Jahre 1296 gibt es ein Sonnenburger Urbar,[3] das den weitgestreuten Güterbesitz des Klosters dokumentiert. Die Besitzverwaltung war organisiert in den einzelnen Ämtern Gadertal, Mühlwald, Eisacktal und Etschtal mit einem Außenposten am Nordufer des Gardasees. Weiterhin gilt, spätestens 1846,[4] ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes, auf Anordnung der Äbtissin Dietmuth gefertigtes, weiteres Urbar, wie eine Abschrift belegt.

Im 15. Jahrhundert kam es zu einem Konflikt zwischen Nikolaus von Kues (Nikolaus Cusanus), Bischof von Brixen, und der Äbtissin Verena von Stuben, die vom Tiroler Landesfürsten Herzog Siegmund unterstützt wurde. Im Zuge der Auseinandersetzungen wurden in Enneberg Bauern, die gegenüber Sonnenburg abgabenbereit waren, von den Gegnern Sonnenburgs getötet.

Der Minnesänger Friedrich von Sonnenburg stammt vermutlich von hier.

Auflösung und spätere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach fast achthundert Jahren wurde 1785 durch Kaiser Joseph II. im Zuge des nach ihm benannten Josephinismus (Säkularisation) das Kloster aufgehoben. Dabei wurden auch die Bibliotheks- und Archivbestände verstreut, deren Überreste sich heute an verschiedenen Standorten (Innsbruck, München, Bozen, Nürnberg) befinden.[5]

Während der Tiroler Freiheitskämpfe (1797–1813) diente das Schloss als Militärshospital, später als Armenwohnheim. Heute befindet sich in der Anlage ein gleichnamiges Hotel.

Für den Ausbau der Pustertaler Staatsstraße wurde ein Tunnel unter dem Schloss gegraben. Die Arbeiten waren 2009 vorübergehend eingestellt worden, da durch die Sprengungen unter anderem in der Krypta Schäden an einem romanischen Fresko entstanden sind. Der Tunnel wurde daraufhin ohne Sprengungen[6] weitergebaut und Anfang Dezember 2010 eröffnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Wolf: Sonnenburg. In: Magdalena Hörmann-Weingartner: Tiroler Burgenbuch - IX. Band: Pustertal. Verlagsanstalt Athesia, 2003 Bozen, ISBN 88-8266-163-6, S. 115–124.
  • Wilhelm Baum: Art. «Sonnenburg». In: Ulrich Faust, Waltraud Krassnig (Bearb.): Germania Benedictina III/1–3. St. Ottilien 2002, S. 604–702.
  • Karl Knötig: Die Sonnenburg im Pustertal. 3. Auflage. Verlagsanstalt Athesia, 2001 Bozen, ISBN 88-7014-351-1.
  • Karl Wolfsgruber: Die ältesten Urbare des Benediktinerinnenstiftes Sonnenburg im Pustertal (Die mittelalterlichen Stiftsurbare des Bistums Brixen. 1). Wien: Böhlau 1968.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sonnenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Irene Klammer: Die Kryptafresken im ehemaligen Nonnenstift Sonnenburg unter besonderer Berücksichtigung des stilistischen Einflusses von Aquileia. In: »Der Schlern« 66, 1992, S. 285–292.
  2. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Band 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. XXXIff. (Einleitung) und S. 174–182, Nr. 201 (Gründungsbericht).
  3. Grundherrschaft Sonnenburg. (PDF; 134 kB).
  4. Ein sehr schätzbares auf Pergament deutsch geschriebenes Urbarbuch des Klosters Sonnenburg vom Jahre 13 . . auf Befehl der Aebtissin Dietmuth verfaßt., S. XXXVII (landesmuseum.at PDF), abgerufen am 19. August 2014
  5. Vgl. Bitschnau-Obermair: Tiroler Urkundenbuch II/1 (op. cit.), S. XXXII (Einl.).
  6. Tunnelvortrieb unter der Sonnenburg ohne Sprengung

Koordinaten: 46° 47′ 8″ N, 11° 53′ 26″ O