Schloss Wächtersbach

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Schloss Wächtersbach
Schloss Wächtersbach

Schloss Wächtersbach

Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Adel
Ort: Wächtersbach
Geographische Lage 50° 15′ 32″ N, 9° 17′ 10″ OKoordinaten: 50° 15′ 32″ N, 9° 17′ 10″ O
Höhe: 170 m ü. NN
Schloss Wächtersbach (Hessen)
Schloss Wächtersbach

Das Schloss Wächtersbach ist eine Niederungsburg auf etwa 170 m ü. NN in Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis, Hessen).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wächtersbacher Schloss geht auf eine staufische Jagd- und Sicherungsanlage für den Büdinger Wald zurück, errichtet gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Auftrag von Kaiser Friedrich I. Barbarossa durch die Herren von Büdingen.[1] Die im Schutze dieser Anlage entstandene Siedlung wird im Jahre 1236 in einer Urkunde des nahegelegenen Klosters Selbold (vgl. Langenselbold) erstmals erwähnt, welches hier über Grundstücke und Einnahmen verfügte.[2] Zu dieser Zeit wird der Ort als Weichirsbach bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Der Bach der die Weiher speist“. Im 13. Jahrhundert wird die Anlage zu einer Wasserburg umgebaut; Reste der sie ehemals umgebenden Wasserflächen sind mit den Weihern im Schlosspark heute noch sichtbar. Im Jahre 1324 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Als Teil der Sicherungsanlagen für das alte Königsland Wetterau diente die Veste dem Schutz der Burganlagen in Gelnhausen (→ Pfalz Gelnhausen) und Büdingen (→ Schloss Büdingen). 1578 wird die fürstliche Brauerei Wächtersbach gegründet (endgültig geschlossen im Jahre 2008). Nach der Teilung der Grafschaft Isenburg im Jahre 1684 wird das Schloss ab 1687 unter Graf Ferdinand Maximilian I. und seine Nachfolger Zug um Zug zum Sitz der neu gegründeten Linie Ysenburg-Büdingen-Wächtersbach. So wurden 1718 der Marstall, 1736 die Rentkammer und 1750 das Prinzessinnenhaus errichtet. Auch ein großer Wirtschaftshof gehörte zum Ensemble. Als letzte große Maßnahme wurde 1816 der im Innenhof des Schlosses gelegene Bergfried niedergelegt und gleichzeitig die Wassergräben verfüllt [3].

Der Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der waldreichen Umgebung von Wächtersbach spielte der Park neben dem Schloss stets eine herausragende Rolle. Er erlebte im Verlauf der Jahrhunderte viele Veränderungen. Seine nachvollziehbare Geschichte beginnt mit einem Umritt zur Festlegung der Grenzen eines „Thiergartens“, durch den Grafen Johann Ernst zu Ysenburg-Büdingen und seine Bediensteten, im Jahre 1666 [4]. Das geplante Tiergehege war eine damals modische Einrichtung. Sie diente der Repräsentation, aber auch der Befriedigung der gräflichen Jagdlust und der Bereicherung der herrschaftlichen Tafel. Mit allen notwendigen Vorkehrungen und Gewerken (Grundstückstausche, Einhegung, Ausstattung, Tierbesatz etc.), wurde die Ausführung des Tiergeheges dem Haushofmeister Johann Georg Mohr übertragen.[5] Neben dem Tierpark wurde auch ein Lustgarten errichtet. Er lag nahe dem Wirtschaftshof und dem Schloss, das das dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut worden war.[6] In dieser Zeit entstand auch der heute noch vorhandene Keller, in dem Gemüse und Früchte als Vorräte eingelagert wurden. Später entstand auf ihm eine Sommerterrasse.

Eine wesentliche Änderung erfuhr der Park erst wieder ab dem Jahre 1816.[7] Zu diesem Zeitpunkt wurden die das Schloss bis dahin umgebenden Wassergräben aufgefüllt und ein Landschaftspark im englischen Stil geschaffen. Damit wuchsen Tiergarten und Lustgarten zu einer Einheit, dem Schlosspark, zusammen.[8] Der Gartenarchitekt Johannes Bodenbender wurde 1840 mit der Planung beauftragt. Geschwungene Wege verbanden einzelne Wiesenflächen, die durch Baumgruppen unterbrochen wurden. Im Mittelpunkt liegt ein Weiher, den eine gerade Zufahrt zweiteilt. Blumenrabatten, Azaleen- und Rhododendronhecken sowie solitär gepflanzte exotische Bäume bilden Zielpunkte der Sichtachsen, die der Gartenarchitekt Bodenbender vor der Kulisse des von Buchen und Eichen bestandenen Bergwaldes einplante.[9]

Zu den Besonderheiten des Parks zählten noch ein Badeweiher mit Umkleidehäuschen (in der Verlängerung der hinteren Sichtachse, am Forsthaus vorbei), weiterhin ein Felsenkeller, in dem die Schlossbrauerei Eis für die warme Jahreszeit eingelagert hielt, in dem aber auch das frische Jagdwild abgehängt wurde. Eine Rarität war eine Pyramideneiche.[10] Sie lag in der Nähe des Schlosses. Der Fürst zu Ysenburg hatte darauf einen Blitzableiter zum Schutz des Schlosses anbringen lassen. Zur Freude des Fürsten erfüllte er diese Aufgabe in hervorragender Weise und bot immer wieder spektakuläre Schauspiele von Blitzeinschlägen,[11] die aber ohne Beschädigung der Eiche abliefen. Die Pyramideneiche wurde zwischenzeitlich gefällt. Sie wurde durch eine Neupflanzung ersetzt.

Nach Auszug der Fürstenfamilie nach Büdingen und infolge des Schlossbrandes im Jahre 1939 kam es zu jahrzehntelanger Verwahrlosung. Sowohl in der Bepflanzung als auch in den Wegeanlagen war der Park sehr stark verfallen und heruntergekommen. Dank der Pflege durch den privaten, extra zu diesem Zwecke gegründeten Förderverein Schloss + Park Wächtersbach hat er, unter anderem mit der Rosenallee als Eingangsportal, wieder einen guten Teil seiner historischen Ausstattung wiedergewonnen. Auf Grund einer Initiative des Fördervereins und des Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach wurde im Jahre 2001 im Park ein Baumlehrpfad angelegt.[12] Er wird durch die beiden Vereine gepflegt, in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr und der Stadt Wächtersbach.

Schlossgarten Wächtersbach-Plan Bodenbender

Im hinteren Teil des Schlossparks befand sich in den 1950er und 1960er Jahren die Forschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, aus dessen Versuchspflanzungen ebenfalls einige Bäume stammen, wie etwa zwei Mammutbäume. Im Schlosspark finden sich mindestens 48 bemerkenswerte, z.T. seltene Bäume und Sträucher,[13] die zu „Testzwecken“ gepflanzt wurden, da die Fürsten zu Ysenburg in der Waldwirtschaft tätig waren und hiermit den Wuchs und die Ertragskraft der jeweiligen Bäume unter hiesigen klimatischen Bedingungen studierten. Daraus resultierend kann man noch heute eine Vielzahl verschiedener, nicht heimischer Bäume im Park finden. Noch aus der Zeit des Gartenarchitekten Bodenbender stammen einige exotische Bäume, wie etwa ein Trompetenbaum und ein Tulpenbaum. Direkt am Schloss befindet sich ein über einhundertfünfzig Jahre alter Ginkgobaum,[14] der zu seiner Pflanzzeit eine Kuriosität und Attraktion darstellte.

Der Schlosspark ist im Rahmen eines Grundstückstausches in den Besitz der Stadt Wächtersbach und somit der Allgemeinheit übergegangen. Er stellt gemeinsam mit dem Schloss ein denkmalgeschütztes Ensemble dar, das von einer schönen und malerischen Altstadt umrahmt wird.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1865 gefürstete Familie Ysenburg zu Wächtersbach verließ nach dem Brand das Schloss Wächtersbach und zog in das Schloss zu Büdingen. Nach notdürftiger Beseitigung der Brandschäden diente das Schloss während und nach dem Krieg unterschiedlichen Zwecken. Mit dem Auszug des letzten Mieters, des Deutschen Entwicklungsdienstes, der es bis in die 1970er Jahre als Ausbildungsstätte nutzte, stand es etwa 40 Jahre lang leer. Es wurden auch kaum substanzerhaltenden Maßnahmen durchgeführt. Das Schloss befand sich daher in keinem guten Zustand.

Die Globus-Gruppe kaufte das Anwesen 2013 und wollte es für ca. sieben Millionen Euro sanieren. Nach der Renovierung sollte die Stadtverwaltung von Wächtersbach das Gebäude nutzen. Im Gegenzug wollte die Globus-Gruppe ihr Areal erweitern.[15] 2016 wurde das Schloss von der Stadt Wächtersbach gekauft und wird in Eigenregie umfangreich saniert.[16] 2017 wurde der Zeitrahmen für die im März begonnene Entkernung, Sanierung und den Umbau zum Rathaus der Stadt Wächtersbach auf drei Jahre geschätzt.[17]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • vierflügelige, dreigeschossige Wasserburg
  • quadratische, rechtwinklige Grundfläche
  • Rundtürme mit welscher Haube
  • Innenhof mit Treppenturm von 1875 und Arkaden-Treppen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Waltraud Friedrich: Kulturdenkmäler in Hessen. Main-Kinzig-Kreis II.2. Gelnhausen, Gründau, Hasselroth, Jossgrund, Linsengericht, Wächtersbach. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss, Wiesbaden/ Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8062-2469-6, S. 885–891 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland).
  • Georg Ulrich Großmann: Südhessen. Kunstreiseführer. Imhof, Petersberg 2004, ISBN 3-935590-66-0, S. 150f.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 353f.
  • Jürgen Ackermann: Thiergarten-Lustgarten-Schlosspark-Stadtwald beim Schloss in Wächtersbach. Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S.
  • Dagmar Reimers: Schloss Wächtersbach und die Ysenburger. SGW Nr. 331, 2007, S. 13 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Wächtersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter 21, 2008/2009, S. 120.
  2. Carl Hessler (Hrsg.): Hessische Landes- und Volkskunde: Das ehemalige Kurhessen und das Hinterland am Ausgange des 19. Jhdts., Band 1, Teil 1, Elwert, Marburg 1907, S. 695
  3. Jürgen Ackermann, Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S., Seite 4
  4. Jürgen Ackermann, Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S., Seite 1
  5. Jürgen Ackermann, Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S., Seite 2
  6. Dagmar Reimers, Schloss Wächtersbach und die Ysenburger, SGW Nr. 331, 2007, S. 13
  7. Johannes Wolf Der Wächtersbacher Schlossgarten, Ein Landschaftspark am Fuße des Büdinger Waldes in Mitteilungsblatt der Naturkundestelle Main-Kinzig, 5. Jahrgang (1993), Heft 3, S. 16–30
  8. Jürgen Ackermann, Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S., Seite 4 und 5
  9. Jürgen Ackermann, Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S., Seite 5
  10. Adolf Seibig, Von der Pyramideneiche am Schloss Wächtersbach – einem „hessischen Baudenkmal“, Samml. Gesch. Wächtersbach, Nr. 85, 1990
  11. Jürgen Ackermann, Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 L., Oktober 2011, Nr. 400, 6 S., Seite 5
  12. Otto Fiegler, Der Baumlehrpfad im Schlosspark Wächtersbach, SGW Nr. 329, 2007
  13. Johannes Wolf Der Wächtersbacher Schlossgarten,..., S. 25–28
  14. Johannes Wolf Der Wächtersbacher Schlossgarten,..., S. 26 f.
  15. Luise Glaser-Lotz, Wächtersbach: Schlossverkauf mit Dominoeffekt. In: FAZ.net. 7. Februar 2013, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  16. Home - Schloß Wächtersbach. In: www.schloss-waechtersbach.de. Abgerufen am 19. Juni 2016.
  17. Wiedergeburt eines Fürstensitzes in FAZ vom 8. April 2017, Seite 42