Schloss Waldenburg (Sachsen)

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Schloss Waldenburg, Straßenseite (Aufnahme von 2015)

Das Schloss Waldenburg ist ein im Stil der Neugotik erbautes Schloss in Waldenburg in Südwestsachsen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Waldenburg nach dem Neuaufbau 1855/59 im neuromanischen Stil mit tudorgotischen Elementen, der Bergfried des alten Hinterschlosses steht separat vom Schloss (Aufnahme von 1902)
Schloss Waldenburg nach dem Umbau 1909/12, Dach und Fassade wurden neu gestaltet und der Bergfried durch einen Anbau samt Wintergarten in die bestehende Anlage integriert (Aufnahme von 1912)
Schloss Waldenburg, Parkseite (Aufnahme von 2012)

Das heutige Schloss geht auf eine Burg zurück, die im 12. Jahrhundert, vermutlich zwischen 1165 und 1172, während der Kolonisierung des Pleißenlandes durch Hugo von Wartha errichtet wurde. Am westlichen Rand der Flussaue gelegenen schützte die Burg einen nach Böhmen führenden Weg („Böhmischer Steig“), der hier in einer Furt die Zwickauer Mulde querte. Kern der dreiteiligen Anlage, die durch zwei Gräben unterteilt und zusätzlich durch einen Wassergraben geschützt war, war der Bergfried im mittleren Abschnitt der Burg. Er hatte einen quadratischen Grundriss, sein unterer Teil blieb bis heute erhalten.

Die Nachkommen von Hugo von Wartha nannten sich von Waldenburg. Die Burg Waldenburg war Mittelpunkt eines Herrschaftsgebietes, das in Richtung Süden bis weit in das Erzgebirge hineinreichte und auch die Herrschaften Rabenstein (gelangte 1375 an das Benediktinerkloster Chemnitz), Wolkenburg und Greifenstein umfasste.

1378, infolge der Erbeinigung zwischen Johannes I. von Waldenburg und Friedrich von Schönburg-Hassenstein, wurden die Schönburger die Herren von Burg und Stadt Waldenburg. Sie blieben bis 1945 im Besitz der Burg. Hauptsitz der Waldenburgs wurde daraufhin Schloss Wolkenstein im Erzgebirge.

1430 zerstörten die Hussiten die Burg, danach erfolgte der Wiederaufbau der Vorburg als Schloss. Nachdem 1519 das Schloss abbrannte, wurde es (vermutlich zwischen 1529 und 1534) erneut aufgebaut.

Nach dem Tod von Ernst I. von Schönburg (1486-1534) erfolgte die Aufteilung der Herrschaft an seine Söhne. Waldenburg gelangte zusammen mit Lichtenstein und Hartenstein an Hugo I. von Schönburg (1529-1566), welcher die Linie Schönburg-Waldenburg begründete. Als neuer Herrschaftssitz wurde zwischen 1556 und 1565 ein neues Renaissanceschloss als Residenz an Stelle des vorderen Burgteils errichtet. Parallel zu dem neuen Vorderschloss, das aus zwei Rechteckflüglen mit vorgesetzten Treppentürmen bestand, existierte noch das durch einen Graben getrennte Hinterschloss mit dem mittelalterlichen Bergfried. Das Hinterschloss wurde jedoch bei einem Brand 1619 zerstört und nicht wieder aufgebaut.

1700 wurden die von Schönburgs durch Kaiser Leopold I. in den Reichsgrafenstand erhoben und residierten von nun an als Fürsten von Schönburg-Waldenburg auf Schloss Waldenburg. Im 18. Jahrhundert erfolgten weitere Sicherungs- und Umbauten unter Otto Ludwig (1643–1701) und Albrecht Carl Friedrich von Schönburg (1710–1765). Mit den Resten der Ruine des Hinterschlosses wurde 1783 der Graben zwischen den Schlossteilen verfüllt.

Unter Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg wurde das Schloss zwischen 1835 und 1840 modernisiert. Seine Herrschaft erfuhr Anfang des 19. Jahrhunderts eine beträchtliche Industrialisierung, die v.a. von der Textilindustrie getragen wurde. Die wachsende Unterschicht von Textilarbeitern, Webern und Strumpfwirkern war mit ihrer sozialen Lage unzufrieden, zudem wurde die Herrschaft von Otto Victor I. als wenig volksnah und despotisch empfunden. Im Zuge der Revolution von 1848 kam es auch in Waldenburg zu Protesten der Arbeiter, die soziale und politische Veränderungen einforderten. Dabei wurde am 5. April 1848 das Schloss von mehreren tausenden Menschen gestürmt, geplündert und niedergebrannt. Die Flammen vernichteten zahlreiche Kunstgüter, die Bibliothek und das Archiv des Schlosses.

Die fürstliche Familie konnte entkommen, Otto Victor I. kehrte 1849 nach Waldenburg zurück und ließ 1852/53 die Reste des Schlosses abtragen. Der Neubau erfolgte 1855-1859 nach Plänen von Eduard Pötzsch, nachdem zuvor bereits Heinrich Strack und Carl Alexander Heideloff Pläne entworfen hatten. Das neue Schloss Waldenburg entstand als geschlossene Vierflügelanlage mit neuromanischen und tudorgotischen Elementen. Die Ecken des Südflügels verfügten über zinnenbesetzte Erker, im Innenhof erhob sich ein achteckiger Uhrenturm. Der benachbart und einzeln stehende mittelalterliche Bergfried wurde aufgestockt und mit einem Zeltdach versehen.

Von 1909 bis 1912 erfolgte ein weitgehender Umbau des Schlosses unter Fürst Otto Victor II. (1882–1914). Das äußerst gelungene, wenngleich sehr kostspielige Projekt wurde von den Architekten Hofbaurat Gustav Frölich und Willy Meyer, beide aus Dresden, ausgeführt. Mit dem Umbau wurde einerseits der representative Charakter des ursprünglich auch im Inneren vergleichsweise schmucklosen Neubaus von 1855/59 deutlich erhöht. Otto Victor II. ließ hochwertiges Kunstgut wie Gemälde italienischer Meister, historische Möbel aus Renaissance und Rokoko und asiatisches Porzellan aufkaufen und nach Waldenburg bringen. Gleichzeitig wurde das Schloss auch technisch modernisiert und eine moderne Heizung, Bäder mit fließendem Wasser. eine elektrische Lichtanlage, eine zentrale Staubsaugeranlage und Haustelefone installiert. Äußerlich wurde die blockhafte Grundform des alten Schlosses durch Erker, Giebel und Fensterläden aufgelockert. Die Zinnenkränze und Turmbekrönungen im Tudorstil wurden entfernt. An der Ostseite des Schlosses wurde ein neuer Anbau angefügt, der zusammen mit einem Wintergarten den Bergfried nun an die Schlossanlage auch baulich anband. Die Gesamtkosten des umfassenden Umbaus beliefen sich auf ca. 1,5 Millionen Mark (inkl. Innenausstattung).

Der Heimatforscher Otto Eduard Schmidt urteilte über das „neue“ Schloss Waldenburg wie folgt:

„Schloss Waldenburg ist durch sie (Anm.: die Architekten und Kunsthandwerker) unter dem feinfühligen künstlerischen Beirat des Fürsten Otto Viktor zu einer der schönsten und zweckmäßigsten deutschen Fürstensitze geworden.“

Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, S. 28

Ab 1932 machte die Fürstenfamilie Teile des Schlosses als „Schlossmuseum Waldenburg“ für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richtete die Rote Armee im Juli 1945 eine Kommandantur im Schloss ein, zudem waren zahlreiche Räume zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Der Schlosseigentümer Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg (1887-1960) wurde im September 1945 im Zuge der Bodenreform entschädigungslos enteignet und interniert (ihm gelang wenig später die Flucht in die britische Besatzungszone). Im November 1945 besetzte die Rote Armee das komplette Schloss und richtete hier zwischen August 1946 und Juni 1947 ein Lazarett ein. Teile der Schlossausstattung, darunter die Bibliothek mit 18.000 Büchern, die Silberkammer und einzelne Möbel wurden als Beutekunst abtransportiert. Die verbliebenen Kunstgegenstände wurden 1948 an das Museum Glauchau und das Heimatmuseum Waldenburg abgegeben.

Ursprünglich wollte die staatliche Schlösserverwaltung Sachsen Schloss Waldenburg in ihre Verwaltung übernehmen. Gleichzeitig wollten aber sowohl der Kreis Glauchau als auch die Sozialversicherungsanstalt Sachsen die Anlage zum Betrieb eines Krankenhauses bzw. einer Heilstätte übernehmen. Bis zur Klärung der verschiedenen Ansprüche wurde zwischenzeitlich sogar der Abbruch des Schlosses erwogen.

Ab dem Frühjahr 1948 nutzte die Sozialversicherungsanstalt Sachsen Schloss Waldenburg Heilstätte und Fachkrankenhaus für Lungenkrankheiten. In die Krankenhausnutzung wurde auch das Archivgebäude einbezogen. Bei der Auslagerung der von Schönburgschen Akten wurden etwa 90 % der Aktenbestände vernichtet. Für die Krankenhausnutzung wurden im Inneren umfangreiche Umbauten vorgenommen. So wurden u. a. Zwischendecken eingezogen und die Schlosskapelle durch eine Tischlerei genutzt. Die Krankenhausnutzung endete 1998 mit der Verlegung der Klinik nach Chemnitz.

Seit 2005 wird die Anlage von Schloss Waldenburg, die sich im Besitz des Landkreises Zwickau befindet, schrittweise saniert und für Veranstaltungen und Besichtigungen genutzt. 2006 konnte die historische Schlosskapelle wieder eröffnet werden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 wurde die Geschichtsdokumentation Mätressen – Die geheime Macht der Frauen und 2008 die ZDF-Reihe Terra X über August den Starken teilweise im und um das Schloss herum gedreht[1]. Das Schloss diente 2009 in einer Verfilmung des Märchens Die kluge Bauerntochter durch die ARD als Kulisse[2]. Seit November 2010 steht das Schloss in der Motivliste der Mitteldeutschen Medienförderung[3].

Anfang 2013 wurden hier einige Innenaufnahmen für den 4-fach oscarprämierten Film Grand Budapest Hotel gedreht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, ISBN 978-3-98-11118-7-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Waldenburg – Sammlung von Bildern
 Commons: Historische Ansichten – Sammlung von Bildern
 Commons: Innenansichten – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freie Presse Online – abgerufen am 23. Februar 2015
  2. Rundfunkanstalt Brandenburg – abgerufen am 23. Februar 2015
  3. Freie Presse Online – abgerufen am 14. Januar 2011

Koordinaten: 50° 52′ 30,7″ N, 12° 36′ 20,1″ O