Schlosspark Buch

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Schlosspark Buch
Coat of arms of Berlin.svg
Park in Berlin
Schlosspark Buch
Eingang zum Schlosspark Buch an der Straße Alt-Buch
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Buch
Angelegt um 1670 (privat)
Neugestaltet November 2013 bis Frühjahr 2014,
seit September 2017
Umgebende Straßen
Pölnitzweg,
Alt Buch,
Wiltbergstraße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr,
Radverkehr
Parkgestaltung Brigitte Gehrke, 2013
Technische Daten
Parkfläche rund 13 Hektar
Baukosten (Förderprogramme etc.) 200.000 Euro aus dem Programm Stadtumbau Ost
52° 38′ 13,2″ N, 13° 29′ 46,9″ OKoordinaten: 52° 38′ 13,2″ N, 13° 29′ 46,9″ O
Schlosspark Buch (Berlin)
Schlosspark Buch

Der Schlosspark Buch ist eine Parkanlage, ein Gartendenkmal und ein Teil des 26,1 Hektar großen Natura-2000-Gebietes[1] im Berliner Ortsteil Buch, direkt am S-Bahnhof Buch gelegen. Der von der Panke durchflossene Park wird vom Nord-Süd-Weg und dem Pankeweg durchquert. Im Park stand von 1607 bis 1964 ein Schloss, das wegen Baufälligkeit komplett abgerissen werden musste. Nur die barocke Schlosskirche ist erhalten geblieben. Der Park ist von sehr altem Baumbestand umgeben.[2]

Unterschutzstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlosspark wurde zum Naturschutzgebiet erklärt gemäß § 22 Absatz 1 und der §§ 23 und 32 Absatz 2 und 3 des Bundesnaturschutzgesetzes vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 4. August 2016 (BGBl. I S. 1972) geändert worden ist, und des § 21 Absatz 1 des Berliner Naturschutzgesetzes vom 29. Mai 2013 (GVBl. S. 140) verordnet die für Naturschutz und Landschaftspflege zuständige Senatsverwaltung. Das Gesetz trat am 16. September 2016 in Kraft.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosspark Buch

Das Schloss mit der Parkanlage existiert seit dem Jahr 1607. Freiherr Gerhard Bernhard von Pölnitz erwarb die Parkanlage mit dem Schloss um 1670. Er ließ das Schloss umgestalten und den Park als holländischen Barockgarten ausbauen. Außerdem wurde ein Kanalsystem angelegt, das zur Fischzucht diente. Im Jahr 1679 starb Freiherr von Pölnitz, danach erwarb Adam Otto von Viereck den Park im Jahr 1724, ließ ihn erweitern und eine Orangerie anlegen. Das Schloss wurde nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs umgebaut. Vor dem Schloss befanden sich eine Terrasse und eine Fontäne. Außerdem gab es im Park eine Gärtnerei mit Ananashaus, eine Fasanerie und einen Irrgarten. Die neuen Eigentümer, die Familie von Voß, ließen ihn zwischen den Jahren 1810 und 1820 als Landschaftspark umgestalten. Zusätzlich erwarb die Familie angrenzende Wiesen und ein Waldstück. Ein Teich wurde angelegt, ein Hügel aufgeschüttet, Holzbrücken überspannten die Panke. Julie von Voß verhalf dem Park durch ihr Verhältnis mit Friedrich Wilhelm II. als morganatische Gemahlin zu einer gewissen Bekanntheit.

Im Jahr 1898 wurde das Gut mit Park und Schloss an die Stadt Berlin verkauft. Seit dem Jahr 1906 ist der Park für die Öffentlichkeit zugänglich. Zwischen dem Jahr 1955 und 1957 wurden im Schlosspark umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten nach den Plänen von Folkwin Wendland durchgeführt. Bis zum Jahr 1960 stand im Park ein Erinnerungsstein für Julie von Voß. Das Schloss und die Orangerie wurden im Jahr 1964 wegen Baufälligkeit komplett abgerissen. An ihrer Stelle entstand eine Rosenanlage. Seit dem Jahr 1987 steht dort die Skulptur Mitwelt des Bildhauers Carl Blümel. Im Park gibt es heute einen kleinen Teich, den die Panke durchfließt. An der Wiltbergstraße steht das Sowjetische Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee. Seit dem Jahr 1993 enthält die Berliner Denkmalliste den Schlosspark als Gartendenkmal.[4]

Der erste Bauabschnitt der Restaurierung und Sanierung des Parks fand im Rahmen des Stadtumbaus Ost von November 2013 bis zum Frühjahr 2014 statt. Nach und nach wurden die historischen Wege und Wasserläufe in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt, der Eingangsbereich an der Straße Alt-Buch wurde denkmalgerecht erneuert. Zur Sanierung gehörte die Ergänzung der drei Tore sowie der Einfriedung mit Mauern und Schmuckgittern; gleichzeitig wurde die Platzfläche straßenseitig erneuert. Am Eingang an der Wiltbergstraße wurde die historische Einfriedung mit Klinkersockel und Ziergittern wiederhergestellt. Der alte Drahtgitterzaun wurde durch einen schlichten Stabzaun ersetzt und der letzte noch nicht eingefriedete Abschnitt ebenfalls eingezäunt.[2]

Der zweite Bauabschnitt begann im September 2017, dabei werden weitere Parkwege instandgesetzt und der ehemalige Aussichtshügel am Hochzeitsweg neu gestaltet. Es werden finanzielle Mittel in Höhe von ca. 300.000 Euro bereitgestellt. Der dritte Bauabschnitt soll in den Jahren 2018/2019 beginnen. Die Parterre an der ehemaligen Orangerie soll neu gestaltet, der Holländergarten teilweise wiederhergestellt und neue Parkbänke und Abfallkörbe sollen aufgestellt werden. Zur Verfügung stehen finanzielle Mittel in Höhe von ca. 380.000 Euro.[5][6]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gesamte Park besteht ausschließlich aus Anpflanzungen. Das gilt nicht nur für Bäume und Sträucher, sondern auch für Nickenden Milchstern, Hohlen Lerchensporn, Sibirischen Blaustern, Seltsamen Lauch, Duftenden Weißwurz und andere Blumen und Kräuter. Ein Großteil der Flächen im Park nimmt der Wald-Gelbstern ein, der schon im Februar und März blüht. Die Ansaaten für den Rasen wurde teilweise aus Süddeutschland und Frankreich geliefert. Außerdem stehen sehr alte Stieleichen, Linden und Rotbuchen im Park. Dass der Schlosspark als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen wurde, ist dem Großen Eichenbock und dem Eremit, zwei Käferarten, die in den Bäumen leben, zu verdanken.[7][3]

Nie in die Planung des Parks einbezogen wurde der östlich des Pölnitzweges gelegene Teil des Natura-2000-Gebietes, deshalb konnte sich das dortige Waldgebiet ungestört entwickeln. Entlang der Panke wächst auf moorigem Boden ein Bruchwald und im hoch gelegenen trockenen Bereich wachsen Eschen, Flatterulme, Berg-Ahorn und weiter hangaufwärts gibt es Eichen-Hainbuchen-Mischwälder. Der Altbaumbestand der Stieleichen zieht seltene Käferarten an. Dort siedelt sich der Mittelspecht an, Grünspecht, Kleinspecht, Buntspecht und weitere Höhlenbrüter finden dort ausreichend Brutbäume und Nahrung. Dieser Teil des Waldgebietes darf nicht betreten werden.[7]

Schutzzweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlosspark und das angrenzende Waldgebiet muss wegen seinen bemerkenswerten Altbaum- und Totholzbestandes sowie seinen hohen Grundwasserstand und dadurch gekennzeichnete Böden, wie Gleybraunerde und Niedermoor geprägt ist, geschützt werden. Damit sich wild lebende Tiere und Pflanzen erhalten und entwickeln können. Weiterhin muss in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgeführten Lebensraumtypen, wie mitteleuropäischer Stieleichen-Hainbuchenwald und der Erlen-Eschenwald als Rest des Pankeauenwaldes geschützt werden. Auch das in Anhang II der FFH-Richtlinie aufgeführten Käferart Eremit, das in Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführten Vogelart Mittelspecht und das in Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführten Baumhöhlen bewohnenden Fledermausarten sind zu schützen. Zu erhalten oder wiederherzustellen sind die artenreichen Feucht- und Frischwiesen und das System der Parkgewässer. Die Panke muss nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wieder zu einem guten ökologischen Zustand gemacht werden.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Scholz, Hannelore Prüfer: Berliner Park(ver)führer: von Arboretum bis Zitadelle; über Haine, Kaskaden und Spielwiesen. 1. Auflage. Luisenstädtischer Bildungsverein, Berlin 1997, ISBN 3-89542-039-5, S. 102.
  • Carsten Rasmus, Bettina Rasmus: Naturführer Berlin: [mit GPS-Tracks]. 1. Auflage. KlaRas-Verl., Berlin 2015, ISBN 978-3-933135-36-0, S. 37–39.
  • Roland Lehmann: Natürlich Berlin!: Naturschutz- und NATURA-2000-Gebiete in Berlin. 2. Auflage. Verl. Natur und Text, Rangsdorf 2009, ISBN 978-3-9810058-9-9, S. 62–65.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlosspark Buch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DE3347303 Schlosspark Buch.  (FFH-Gebiet) Steckbriefe der Natura-2000-Gebiete. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Abgerufen am 14. März 2017.
  2. a b Erneuerung der Wege und der Einfriedung Schlosspark Buch
  3. a b c Verordnung über das Naturschutzgebiet Schlosspark Buch und angrenzende Waldfläche im Bezirk Pankow von Berlin, PDF; 106 kB
  4. Schlosspark Buch in der Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
  5. Berliner Wochenblatt Verlag GmbH: Ab September gehen die Arbeiten im Schlosspark Buch weiter. In: berliner-woche.de. (berliner-woche.de [abgerufen am 20. September 2017]).
  6. Schlosspark Buch: 2. BA beginnt September 2017 – Bucher Bürgerverein e. V. In: Bucher Bürgerverein e. V. 16. März 2017 (bucher-buergerverein.de [abgerufen am 20. September 2017]).
  7. a b NSG und NATURA 2000-Gebiet Schlosspark Buch/Naturschutz in Berlin/Land Berlin. Abgerufen am 19. September 2017.