Schlossruine Bielriet

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Bielriet
Alternativname(n): Bielrieth, Bilried
Entstehungszeit: vor 1057
Burgentyp: Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand: Burgstall
Ständische Stellung: div.
Ort: Schwäbisch Hall–Wolpertsdorf
Geographische Lage 49° 9′ 23,5″ N, 9° 49′ 3,5″ OKoordinaten: 49° 9′ 23,5″ N, 9° 49′ 3,5″ O
Höhe: 404,6 m ü. NN
Schlossruine Bielriet (Baden-Württemberg)
Schlossruine Bielriet

Der Halsgraben
Mauerreste
Mauerreste

Die Burg Bielriet ist eine abgegangene Spornburg etwa 1,5 Kilometer nordnordwestlich des Schwäbisch Haller Ortsteils Wolpertsdorf im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Die Burg gehörte laut Eugen Gradmann zu den „ältesten des Landes“.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Burgstall der ehemaligen Burganlage liegt bei 404,6 m ü. NN auf einem nordöstlich auslaufenden Bergsporn in etwa 140 m Höhe über Cröffelbach im unteren Bühlertal. Sie beherrschte den dortigen Flussübergang am Handelsweg Schwäbisch HallRothenburg ob der Tauber und die beidseitigen Talsteigen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Burg wird im Jahre 1057 im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster Fulda erstmals erwähnt, für die ein „Adelbraht de Bilirieth“ als Zeuge fungierte.[2] Ein „Adelbertus de Bielrieth“ – vielleicht der Erstgenannte oder ein Sohn – trat 1085 als Mönch in das Benediktinerkloster Comburg ein und übereignete diesem seine Güter und Rechte, zu denen eine Hälfte der Burg Bielriet gehörte („oppidi partem in Bilrieth“).[3] Es wird vermutet, dass es sich bei dem Geschlecht der Edelfreien von Bielriet um eine Nebenlinie der Grafen von Comburg-Rothenburg handelt.[4] Die Familie, deren bedeutendster Vertreter Friedrich von Bielriet wichtige Ämter für Kaiser Friedrich Barbarossa ausübte, verschwindet nach 1190 aus der urkundlichen Überlieferung und dürfte im Mannesstamm ausgestorben sein.[5] Wahrscheinlich durch eine Eheschließung mit einer Erbtochter kam der Besitz der Edelfreien von Bielriet um 1220/30 an Schenk Walter I. von Schüpf. Dieser nutzte Bielriet jedoch nicht als Wohnsitz, sondern ließ nahe Schwäbisch Hall um 1230 die neue Burg Limpurg errichten, nach der sich die Schenken von Limpurg seitdem benannten. Auf der Burg saßen wahrscheinlich meist Limpurgische Ministerialen, die sich ebenfalls „von Bielriet“ nannten, z.B. der 1278 bis 1273 als Reichsschultheiß von Schwäbisch Hall amtierende Friedrich von Bielriet.[6] Um 1280 war die Burg im Besitz des Minnesängers Schenk Konrad von Limpurg, der seine Rechte gegen Ansprüche seines Neffen Friedrich behaupten konnte.[7] Schenk Friedrich von Limpurg scheint die Burg nach dem Tod seines Onkels geerbt zu haben, denn 1287 verkaufte er sie an Heinrich Küchenmeister von Nordenburg. Dieser und seine Erben nannten sich nun „Küchenmeister von Bielriet“.[8] Einer chronikalischen Überlieferung des 16. Jahrhunderts zufolge soll ein Küchenmeister von Bielriet die Überlebenden des Schwäbisch Haller Judenpogroms von 1349 beraubt haben. Er habe sie zuerst in die Burg aufgenommen, sie dann aber vertrieben und ihren Besitz behalten.[9] Eine Burgkapelle ist 1352 im Zusammenhang mit der Stiftung einer Seelmesse durch Lupold und Dietrich Küchenmeister von Bielriet erwähnt. 1359 verkauften diese beiden die Burg an Kraft von Hohenlohe. Sie scheint in der Folge wohl nicht mehr bewohnt worden zu sein, wenn auch die Kapelle noch in Gebrauch war, wie eine weitere Seelmessenstiftung von 1369 zeigt. Auf Wunsch Kaiser Karls IV. übertrug Kraft von Hohenlohe 1361 mehrere seiner Burgen, darunter Bielriet, an Böhmen und erhielt sie als Lehen zurück. Zur Begleichung von Schulden verpfändeten Kraft und Ulrich von Hohenlohe die Burg Bielriet 1381 an den Schwäbisch Haller Stadtadeligen Eberhard Philipp und verzichteten 1390 ganz auf ihre Rechte. Philipp verkaufte die Burg noch im selben Jahr an den Rat seiner Heimatstadt weiter. Dieser ließ sie durch eine Sprengung mit Schwarzpulver zerstören.[10] Wegen dieser eigenmächtigen Handlung verhängte König Wenzel für drei Jahre die Reichsacht gegen die Stadt und gab erst 1393 nachträglich seine Zustimmung zum Abbruch Bielriets. Seitdem ist in den urkundlichen und archivalischen Nennungen nur noch von einem „Burgstall“ die Rede.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Annäherung von der Hochebene zieht sich 100 m westlich der Spornspitze von Nord nach Süd die Linie eines flachen Grabens, die im Süden noch vor der Hangkante ausläuft. 30 m weiter dem Sporn zu fällt das Gelände stellenweise senkrecht zum etwa 20 m breiten Halsgraben ab, der sichtlich aus dem anstehenden oberen Muschelkalk herausgehauen ist und an der nördlichen Hangkante heute über 10 m Tiefe erreicht. Dahinter erheben sich in Reihe, aber unregelmäßig hoch einige gewachsene Felsen mit von Schutt und Erde bedeckten Flanken, wohl kaum über das Niveau der Hochebene ragend. Das Burgterrain talseitig dahinter liegt deutlich über der heutigen Grabensohle und ist verebnet. Nördlicher wie südöstlicher Hang fallen abrupt und steil ab.

Nur wenige Mauerreste sind erhalten. Auf dem Gelände wurde in späterer Zeit erkennbar auch Kalk gebrochen.[11]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eugen Gradmann:Die Kunst- und Altertums-Denkmale der Stadt und des Oberamtes Schwäbisch-Hall. Neff, Esslingen 1907, S. 178.
  2. Hier und im Folgenden, soweit nicht anders erwähnt: Alois Schneider: Die Burgen im Kreis Schwäbisch Hall. 1995, S. 232–235. Die Urkunde bei Johann Christian Wibel: Hohenlohische Kyrchen- und Reformations-Historie. Dritter Theil. Jacob Christoph Poschen, Onolzbach 1754, Codex Diplomaticus S. 32. Das Original scheint verloren zu sein.
  3. Königliches Staatsarchiv in Stuttgart (Hrsg.): Wirtembergisches Urkundenbuch. Band 1. Köhler, Stuttgart 1849, S. 395 f.: Comburger Schenkungsbuch, Nr. 6.
  4. Gerd Wunder: Bielriet. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 71, 1987, S. 273–278, hier S. 273.
  5. Gerd Wunder: Bielriet. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 71, 1987, S. 273–278, hier S. 275 ff.
  6. Gerd Wunder: Bielriet. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 71, 1987, S. 273–278, hier S. 278.
  7. Karl Weller (Hrsg.): Hohenlohisches Urkundenbuch. Band 1: 1153–1310. Kohlhammer, Stuttgart 1899, S. 277 f., U 403.
  8. Schneider nennt den Käufer fälschlich Lupold, vgl. Gerd Wunder: Bielriet. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 71, 1987, S. 273–278, hier S. 277.
  9. Christian Kolb: Widmans Chronica (= Geschichtsquellen der Stadt Hall. Bd. 2 = Württembergische Geschichtsquellen. Serie 2, Bd. 6, ZDB-ID 520100-7). Kohlhammer, Stuttgart 1904, S. 81 f.
  10. Christian Kolb: Widmans Chronica (= Geschichtsquellen der Stadt Hall. Bd. 2 = Württembergische Geschichtsquellen. Serie 2, Bd. 6). Kohlhammer, Stuttgart 1904, S. 84: „Hatt ain rhatt solch schlosz mit bulffer zersprengt“.
  11. Schautafel an der Ruine. (PDF)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Kost: Der Schenk von Limpurg. Ein ritterlicher Minnesänger der Hohenstaufenzeit. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. NF Bd. 20/21, 1939/1940, ISSN 0084-3067, S. 215–239.
  • Bernd Kunz: Die Bühler. Von der Quelle bis zur Mündung. Swiridoff, Künzelsau 2003, ISBN 3-89929-007-0, S. 113–116.
  • Alois Schneider: Die Burgen im Kreis Schwäbisch Hall. Eine Bestandsaufnahme (= Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg. Bd. 18). Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1228-7 S. 232–235.
  • Günter Stachel: Funde aus dem Burgstall Bielriet, Gemarkung Wolpertsdorf, Stadt Schwäbisch Hall. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 74, 1990, S. 163–188.
  • Daniel Stihler: Die langsame Zerstörung eines Kulturdenkmals. Bei Bühlerzimmern liegt die vergessene Ruine der einst bedeutenden Burg Bielriet. In: Haller Tagblatt. Nr. 202, vom 31. August 2002, S. 24.
  • Gerd Wunder: Bielriet. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 71, 1987, S. 273–278.
  • Gerd Wunder, Max Schefold, Herta Beutter: Die Schenken von Limpurg und ihr Land (= Forschungen aus Württembergisch-Franken. Bd. 20). Thorbecke, Sigmaringen 1982, ISBN 3-7995-7619-3, S. 23 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]