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Schlothof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Straßenansicht des Schlothofs (Naumburger Straße 44), 2021
Fabrik- und Wohngebäude, Kessel- und Maschinenhaus mit Schornstein, 2021
Schlothof im Winter, 2015

Der Schlothof Leipzig (auch ehemalige Dampfseifenfabrik Kratzsch & Pozzi) ist ein historisches Industrieensemble und ein Gewerbestandort im Stadtteil Plagwitz im Westen von Leipzig in Sachsen.[1][2][3] Das Ensemble entstand 1898/99 als Dampfseifenfabrik Kratzsch & Pozzi.[1] Nach jahrzehntelanger Industrienutzung wurde es 1996/97 nach einem Eigentümerwechsel umfassend saniert.[1][2][3][4] Seither dient der Schlothof als Quartier mit Gewerbe- und Wohnflächen.[1][2][3]

Lage und Umgebung

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Der Schlothof befindet sich an der Naumburger Straße 44 in Plagwitz unweit des Plagwitzer Bahnhofs und der Weißen Elster. Das Grundstück erstreckt sich über circa 2.000 m² und liegt im von Industriearchitektur geprägten Stadtviertel.[1] Zwischen dem Stadtteilpark Plagwitz und dem Bahnhof Plagwitz gelegen, ist das Ensemble infrastrukturell und städtebaulich eingebunden.[3] Überregionale Rad- und Wanderwege verlaufen zwar nicht direkt durch Plagwitz, doch sind der Elster-Saale-Radweg und der Erlebnisradweg Via Regia im etwa 1 km entfernten Lindenau bzw. Schleußig erreichbar.[3]

Der Schlothof wurde 1898 bis 1899 errichtet und umfasst mehrere zusammenhängende Gebäude: Fabrikgebäude einschließlich der ehemaligen Dampfseifenfabrik, Wohnhäuser, ein Kessel- und Maschinenhaus, Pferdestall, Schmiede sowie Nebengebäude.[1][2][3] Die Fassaden sind geprägt von rotem Klinker, zahlreichen bauzeittypischen Elementen des Historismus wie Kastenerkern, Ziergiebeln und Mansardendächern.[3] Das Gebäudeensemble besitzt eine klare, geschlossene Hofstruktur, die den industriellen Charakter bewahrt.[1][3] Die Sanierung erhielt die historische Bausubstanz und ergänzte moderne Materialien und Techniken.[1]

Konstruktion und Daten

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Die Hauptgebäude sind zweigeschossig mit hohem Sockelgeschoss und ausgebautem Dachgeschoss. Das Fabrikgebäude ist mit einem markanten Schornstein ausgestattet und liegt auf rechteckigem Grundriss.[3] Die baulichen Materialien bestehen hauptsächlich aus Ziegel, Stahl und Beton. Das Dach wurde mit moderner Eindeckung saniert, Dachflächenfenster sorgen für Tageslicht. Im Innenbereich wurden Preußische Kappendecken freigelegt und erhalten.[1]

Entstehungsgeschichte

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Der Schlothof wurde im Jahr 1898 von Wilhelm Kratzsch und Max Pozzi gegründet, zunächst als Dampfseifenfabrik zur Herstellung von Flüssigseifen, Waschartikeln und Handwaschmitteln.[1][2] Die Errichtung der Fabrik einschließlich der Wohnhäuser, Kontor- und Nebengebäude erfolgte durch Carl Brömme.[1][3] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Betrieb stellte bis 1956 verschiedene Seifenprodukte her, danach folgte die Übernahme durch VEB Pharmazie Leipzig und später das Kombinat VEB Pumpen- und Gebläsewerk. Das Areal wurde nach der Wende von der Treuhand verwaltet und 1991 von der Spectral Gesellschaft für Lichttechnik mbH erworben. Zwischen 1996 und 1997 wurde das Ensemble denkmalgerecht saniert.[1]

Geschichte des Gebäudes

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Der Schlothof gilt als ein gelungenes Beispiel für die Revitalisierung industrieller Bausubstanz in Leipzig. Trotz jahrzehntelangen Verfalls blieb die Gebäudesubstanz erhalten, kein Gebäude wurde abgerissen.[1][3] Nach der Sanierung entstanden rund 3.000 m² nutzbare Büro- und Gewerbeflächen sowie Wohnungen. Das Areal beherbergt heute vielfältige Nutzungen, darunter kreative und gewerbliche Betriebe.[1] Der Schlothof befindet sich im Privatbesitz von Thomas Amling.[5] Das Ensemble ist aktuell nicht öffentlich zu besichtigen.[3] Der Name „Schlothof“ leitet sich von dem ehemals sehr hohen Schornstein ab, der für das Ensemble prägend war. Der Schlothof steht zudem unter Denkmalschutz und ist in die Liste der technischen Denkmale in Leipzig aufgenommen.[6]

Commons: Naumburger Straße 44 (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Marion Goldmann: Sanierungsbeispiel Schlot-Hof in Leipzig. BauSanierung 3/1997, Bertelsmann Fachzeitschriften, S. 12–21.
  • Hans-Georg Schütz: Historische Erkundung Naumburger Straße 44. Leipzig, 2011 (Gutachten Amtsgericht Leipzig).
  • Mirko Seidel: Ehem. Dampfseifenfabrik Kratzsch & Pozzi Plagwitz. Architektur-Blicklicht, 2023.
  • Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (Inventarnummer V/68/2005), Waschmittelverpackung der Leipziger Dampfseifenfabrik.

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h i j k l m n Schlothof – ehemalige Dampfseifenfabrik. Leipzig Days. Abgerufen am 17. August 2025.
  2. a b c d e Geschichte - Schlothof. Offizielle Website. Abgerufen am 17. August 2025.
  3. a b c d e f g h i j k l Dampfseifenfabrik Kratzsch & Pozzi Plagwitz – Schlothof Leipzig. Architektur-Blicklicht. Abgerufen am 17. August 2025.
  4. Artikel zur Geschichte des Schlothofs im Ortsblatt Leipzig. Abgerufen am 17. August 2025.
  5. Impressum – Schlothof, abgerufen am 25. August 2025.
  6. Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen. denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de, 15. September 2025, abgerufen am 15. September 2025.

Koordinaten: 51° 19′ 37,1″ N, 12° 19′ 32,3″ O