Schluchsee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Stausee Schluchsee; zu anderen Bedeutungen siehe Schluchsee (Begriffsklärung)
Schluchsee
Schluchsee (von Aha aus gesehen)
Schluchsee (von Aha aus gesehen)
Lage: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Zuflüsse: Schwarza
Größere Orte in der Nähe: Schluchsee, St. Blasien
Schluchsee (Baden-Württemberg)
Schluchsee
Koordinaten 47° 49′ 17″ N, 8° 9′ 10″ OKoordinaten: 47° 49′ 17″ N, 8° 9′ 10″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1929–1932
Höhe über Talsohle: 35 m
Höhe über Gründungssohle: 63,5 m
Höhe der Bauwerkskrone: 931,5 m
Bauwerksvolumen: 124.000 m³
Kronenlänge: 250 m
Kronenbreite: 3,7 m
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 930 m
Wasseroberfläche 5,14 km²
Stauseelänge 7,5 km
Stauseebreite 1,4 km
Speicherraum 108.000.000 m³
Gesamtstauraum: 114,3 Mio. m³
Einzugsgebiet 72,78 km²
Bemessungshochwasser: 139,8 m³/s

Der Schluchsee ist ein Stausee in der Gemeinde Schluchsee bei St. Blasien im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg. Er liegt südöstlich des Titisees und ist der größte See des Schwarzwaldes.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den alemannischen Dialekten der Region lautet der Name des See Schluechs [ʃluˑəχs] oder Schlues [ʃluˑəs].[1] Auch die historischen Belege zeigen einen Diphthong: 983 lacus Sluochse, 1095 Schluochsee, 1125 predium Sluocse, 1312 der sê ze Sluoze.[1] Der Name kann somit nicht wie vielfach behauptet[2] von mhd. slûch ‘Schlauch’ (alemannisch Schluuch) kommen, da in diesem Fall in der heutigen Mundart und den historischen Quellen kein Diphthong vorhanden wäre. Albert Krieger leitet den Name von mittelhochdeutsch sluocht ‘Schlucht’ her.[1][3] Sicher ist aber auch diese Deutung nicht.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schluchsee mit Feldberg
Blick auf den Schluchsee vom Riesenbühl aus

Der Schluchsee war ursprünglich ein Gletschersee des Feldberg-Gletschers, dessen Spiegel rund 30 Meter unter dem des heutigen Sees lag, der erst durch Anstauung der Schwarza entstand. Dieser ist heute in Richtung Nordwest – Südost 7,3 Kilometer lang und 1,4 Kilometer breit, die tiefste Stelle auf dem Grund liegt 61 Meter unter der Seeoberfläche.

Der Schluchsee ist Teil der Werksgruppe Schluchsee des Schluchseewerks, einer Abfolge von Stauseen unterschiedlicher Höhe, die durch Pumpwerke verbunden sind. Die Werkgruppe zieht sich von Häusern bis nach Waldshut. Der Schluchsee ist darin das Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks Häusern. Dieses Kraftwerk speist im Mittel eine Leistung von 100 Megawatt ins Stromnetz ein. Außer durch die natürlich zulaufende Schwarza kommt auch Wasser aus dem Rhein durch die Pumpwerke ins Becken.

Der Schluchsee hat ein Stauziel von 930 m ü. NN und ist damit der höchstgelegene Talsperrensee Deutschlands. Noch höher ist mit 1048 m ü. NN das Stauziel des Hornbergbeckens, das Oberbecken des Pumpspeicherwerks Wehr ist, jedoch hat dieses keine Talsperre.

Bekannte Ortschaften um den Schluchsee liegen an seiner Nordostseite, darunter der Hauptort der Gemeinde Schluchsee etwas unterhalb der Seemitte sowie deren Ortsteile Aha im oberen, nordwestlichen Seebereich und Seebrugg an der Staumauer. Die Dreiseenbahn, das verlängerte Ende der Höllentalbahn, fährt vom Bahnhof Titisee aus am nördlichen Seeufer entlang bis zum Endbahnhof Seebrugg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überstaute frühere See mit dem großen Hochmoor Feldmoos
Fundamente der alten Schule von Aha bei Niedrigwasser im März 2014
Luftaufnahme Staumauer

Die 63,5 Meter hohe Staumauer wurde zwischen 1929 und 1932 errichtet. Zum Bau dieser Gewichtsstaumauer aus Beton mit hohem spezifischen Gewicht musste der Natursee zunächst um 13 Meter abgesenkt werden. Dazu sprengte man im Jahre 1930 einen Stollen in den Fels.[4] Dabei fand man auch einen Einbaum, durch dessen Untersuchung man mittlerweile nachweisen konnte, dass der Schluchsee bereits um das Jahr 650 befahren wurde. Der Fund wurde zuerst im Freiburger Augustinermuseum und im Adelhausermuseum (Völkerkundemuseum) gelagert und kann mittlerweile im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz-Petershausen besichtigt werden.

Am südwestlichen Talhang oberhalb der Bootsanlegestelle baute man während der Bauarbeiten im Steinbruchbetrieb Granit für das Einlaufbauwerk ab.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Schluchsee im Zweiten Weltkrieg mit Torf abgedeckt wurde, um die Staumauer vor einer Bombardierung zu schützen. Tatsächlich stammt der Schluchseetorf von zwei Moorbereichen, die an den Urschluchsee vor dessen Aufstauung angrenzten. Bei starken Wasserschwankungen, ist zu beobachten, dass Torfinseln an die Wasseroberfläche aufsteigen und in Richtung Staumauer treiben, wie zuletzt Anfang 2017.[5]

Am 29. August 1983 wurde zu einer großen Revision der Staumauer und des Stollensystems mit dem Absenken des Sees begonnen. Das Absenken des Wassers auf das Niveau des ursprünglichen Sees dauerte rund 5 Wochen. Dadurch musste der übliche Badebetrieb, die Seefischerei und der Segelsport pausieren. Das seltene Ereignis lockte viele Besucher an; erstmals seit langem wurden wieder Rudimente überfluteter, früherer Bebauung sichtbar. Auch die alte Poststraße kam wieder zum Vorschein und wurde mit Kutschen befahren.[6][7]

In jüngerer Zeit kam es vermehrt zu Interessenkonflikten zwischen dem Schluchseewerk und der Gemeinde Schluchsee über den Wasserstand des Sees im Sommer. Während das Schluchseewerk an einer möglichst vorteilhaften wirtschaftlichen Nutzung des Stauwassers interessiert ist, womit auch eine zuweilen starke Absenkung des Seespiegels einhergeht, fürchtet die Gemeinde ein Ausbleiben von Touristen, wenn der See im Sommer über längere Zeit tief steht und dabei eher unansehnliche Uferpartien freigibt. Aber auch der teils hohe Wasserstand und ein damit kaum verbliebenes Ufer sorgen für Missstimmung bei einheimischen Nutzern und Touristen.[8]

Im Winter 2013/14 wurde der Wasserspiegel massiv abgesenkt. Das abgeflossene Wasser wurde zur Stromerzeugung benötigt, da der Solarstrom um diese Jahreszeit in der Regel geringer ausfällt als sonst. Zudem konnten durch den niedrigen Wasserstand Kontrollen an Staumauer und Ablauf vorgenommen werden. Beim Ortsteil Aha wurde durch die Pegelabsenkung das alte Schulhaus wieder sichtbar.[9] Im Juni 2014 hatte der Wasserstand wieder Normalhöhe erreicht.

Am 9. März 2017 lief die Nutzungsgenehmigung für das Schluchseewerk aus. Der Prozess zur Neubeantragung beim Regierungspräsidium Freiburg war zu diesem Zeitpunkt noch im Gange. Dabei kam es zu einem Konflikt mit der Gemeinde. Das Schluchseewerk möchte im Sommer den Wasserspiegel einen Meter mehr als bisher absenken können. Dadurch würde horizontal der Uferstreifen ca. zehn Meter breiter werden, was sich nachteilig für Angler, Segler und Badegäste auswirken würde.[10] Mit Auslaufen der Nutzungsgenehmigung erteilte das Regierungspräsidium eine Genehmigung zum Weiterbetrieb, bis die neue Nutzungsvereinbarung rechtskräftig ist. Dies soll laut Regierungspräsidium frühestens im Juni 2017 der Fall sein.[11]

Vereisung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zugefrorene Schluchsee

Da der Wasserpegel des Stausees schwankt und Wasser aus tiefer gelegenen und damit wärmeren Fließgewässern zugeführt wird, friert er im Winter nur schwer zu. Das Betreten des Eises ist grundsätzlich verboten. Jedoch vereist das flache Westende zuweilen so stark, dass die Bedeckung trägt. Traditionell finden sich hier im Winter Eisfischer ein, die die Eisdecke durchbohren und Fische fangen.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Touristische Nutzung des Schluchsees

Wegen der Höhenlage ist das Wasser auch im Sommer relativ kühl. Der Schluchsee ist vor allem bei Badegästen und Seglern beliebt. Im Gegensatz zum Titisee hat er fast überall gut zugängliche Ufer, weshalb der Schluchsee im Sommer stark frequentiert wird. Er ist für die weitere Umgebung – bis über die Schweizer Grenze hinaus – ein beliebtes Freizeitziel. An der Waldseite wird nackt gebadet.

Im Bahnhofsgebäude Seebrugg befindet sich eine Tauchbasis für das Tauchen im Schluchsee.[12]

Der Schluchsee ist von einer Vielzahl von Wanderwegen umgeben. Der ganze See kann umwandert werden, diese etwa 18 Kilometer lange Tour ist weitgehend eben und für Kinderwagen geeignet. Die Wanderungen können von Mai bis Oktober mit Fahrten auf dem Ausflugslinienschiff MS Schluchsee kombiniert werden.

Vom 2001 errichteten ca. 30,45 Meter[13] hohen Riesenbühlturm auf dem Riesenbühl (1097 m, nördlich des Dorfs Schluchsee) ist der größte Teil des Sees zu überblicken.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesweit berühmt wurde der Schluchsee unter dem Namen „Schlucksee“, weil die deutsche Fußballnationalmannschaft 1982 dort ihr Trainingslager aufschlug und einzelne Spieler die Freiheiten, die ihnen Bundestrainer Jupp Derwall ließ, weidlich ausnutzten. Alkohol, Kartenspiel und andere Eskapaden warfen ein schlechtes Licht auf die späteren Vizeweltmeister.

Bernd Raffelhüschen angelt gerne am Schluchsee.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Badisches Wörterbuch, Band IV, S. 622 f.
  2. Siehe z. B. Entwicklungsplanung für Schluchsee und den Südschwarzwald. Projektbericht. Hochschule für Technik, Fakultät Architektur und Gestaltung, Masterstudiengang Stadtplanung. Hrsg. von Philipp Englert und Dennis Lakemann. Stuttgart, Januar 2006, S. 9.
  3. Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. Bearbeitet von Albert Krieger. 2. Auflage, Heidelberg 1904–1905; Band 2, S. 866.
  4. Bericht in der Freiburger Zeitung vom 29. September 1930
  5. Friedbert Zapf: Schluchsee: Phänomen des Schluchseetorfs ( I): Auf dem Schluchsee triften Torfinseln zur Staumauer. Badische Zeitung, 8. März 2017, abgerufen am 13. März 2017.
  6. Der Schluchsee als Mondlandschaft, Badische Zeitung, 7. März 2014, abgerufen am 16. März 2014.
  7. Rückblick: Als der Schluchsee 40 Meter abgesenkt wurde, Badische Zeitung, 28. September 2013, abgerufen am 2. Oktober 2015.
  8. Schluchseewerk braucht Wasser für Strom – Gemeinde sorgt sich um Tourismus gesichtet am 18. August 2010.
  9. Ute Aschendorf, Ralf Morys: Schluchsee: Hochschwarzwald: Fischzüchter besorgt: Schluchsee hat extrem wenig Wasser, Badische Zeitung, 5. März 2014, abgerufen am 16. März 2014.
  10. Wulf Rüskamp: Südwest: Tourismus vs. Industrie: Wie geht es weiter mit dem Schluchsee? Badische Zeitung, 30. Mai 2016, abgerufen am 30. Mai 2016.
  11. Julia Gross: Schluchsee: Genehmigung für den Übergang. Badische Zeitung, 17. März 2017, abgerufen am 9. Mai 2017.
  12. Tauchgebiet Schluchsee | Tauchbasis Schluchsee. Abgerufen am 22. März 2014.
  13. Der Riesenbuehlturm auf riesenbuehlturm.de.
  14. http://fudder.de/so-war-nachgefragt-mit-bernd-raffelhueschen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schluchsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Schluchsee – Reiseführer