Schmelztablette

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Schmelztabletten (auch: orodispersible Tabletten) sind nicht-überzogene Tabletten, die zur Einnahme bestimmt sind. Sie werden im Mund behalten, um eine schnelle Verteilung zu erzielen, bevor sie geschluckt werden.[1]

Schmelztabletten werden in der Regel durch Lyophilisation hergestellt. Aus dieser vergleichsweise aufwändigen Herstellung ergeben sich hohe Produktionskosten, außerdem ist die mangelnde Stabilität als nachteilig zu betrachten. Da Schmelztabletten sehr hygroskopisch sind, werden sie in bestimmten Blistern verpackt („Peel-off-Blister“). Das Öffnen dieser Verpackung kann bei bestimmen Patientengruppen wie z. B. Parkinsonpatienten zu Schwierigkeiten führen.[2]

Demgegenüber weisen Schmelztabletten einige Vorteile gegenüber üblichen Tabletten auf. So reichen laut einer britischen Studie bei Xilopar Schmelztabletten bereits 12,5 % der gebräuchlichen Selegilin-Dosis aus, um die Konzentration des Arzneistoffs im Blutplasma merklich ansteigen zu lassen. Dies liegt daran, dass der Wirkstoff in seiner orodispersiblen Form keinem First-Pass-Effekt unterliegt.[2]

Auch bei vielen anderen Arzneistoffen erfolgt durch die Auflösung der Tablette im Mund eine bukkale Resorption, wodurch der First-Pass-Effekt umgangen wird. Ein weiterer Vorteil dieser Arzneiform liegt darin, dass die Tablette weder im Ganzen geschluckt, noch zusammen mit Wasser eingenommen werden muss. Dies verbessert die Compliance und bietet Vorteile bei der Anwendung von Schmelztabletten in der Pädiatrie und Geriatrie. Der Verzicht auf Wasser bei der Einnahme ist vorteilhaft bei dem Einsatz von Schmelztabletten in der Migränetherapie, da Migräneattacken oft mit Übelkeit einhergehen.[3]

Ein schneller Zerfall der Schmelztablette im Mund ist eine wichtige Voraussetzung für die Wirkung, er sollte innerhalb von Sekunden erfolgen.[3] Das europäische Arzneibuch fordert lediglich eine Zerfallszeit von maximal drei Minuten (in Wasser).[1]

Gegenüber Schmelztabletten, die durch Lyophilisation hergestellt werden, gibt es immer mehr konventionell verpresste, orodispersible Tabletten. Diese zeichnen sich durch kostengünstigere Produktion aus.[2]

Bekannte Markenbezeichnungen für Schmelztabletten sind beispielsweise Zomig, Xilopar oder IMODIUM akut lingual.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Europäisches Arzneibuch, 8. Ausgabe (Ph. Eur.). Band 1 – Allgemeiner Teil, Monographiegruppen. Deutscher Apothekerverlag, 2014.
  2. a b c Conny Becker: Orodispersible Arzneiformen. Sekundenschnell resorbiert. In: Pharmazeutische Zeitung. Abgerufen am 19. Januar 2017 (Ausgabe 47/2012).
  3. a b Ulrike Pohl, Christian Führling, Henning Gieseler: Neue Schmelztablette zur Migränetherapie. In: Deutsche Apothekerzeitung. Abgerufen am 19. Januar 2017 (Ausgabe 14/2012).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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