Schmetterlingsflieder

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Schmetterlingsflieder
Sommerflieder (Buddleja davidii)

Sommerflieder (Buddleja davidii)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae)
Tribus: Sommerfliedergewächse (Buddlejeae)
Gattung: Sommerflieder (Buddleja)
Art: Schmetterlingsflieder
Wissenschaftlicher Name
Buddleja davidii
Franch.

Der Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii), auch Sommerflieder, Gewöhnlicher Sommerflieder, Schmetterlingsstrauch oder Fliederspeer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Sommerflieder (Buddleja) in der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Addisonia, Tafel 045
Zweig mit gegenständig angeordneten Laubblättern
Teil eines Blütenstandes
Vierzählige Blüten im Detail
Blütenstand
Unreife Kapselfrüchte

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schmetterlingsflieder wächst als bei uns nur undeutlich sein Laub abwerfender Strauch, der Wuchshöhen von 0,5 bis 5 Metern erreichen kann. Die fast vierkantigen Zweige besitzen eine charakteristische, filzig behaarte Rinde.

Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter messen bis zu 25 Zentimeter in der Länge, die Breite beträgt etwa 7 Zentimeter. Die Form ist schmal-lanzettlich ausgeprägt, der Blattrand ist schwach gezähnt. Die Blattoberseite zeigt eine dunkelgrüne Farbgebung, die Blattunterseite ist graufilzig behaart. Die meist vorhandenen Nebenblätter sind mit einem Durchmesser von 1 bis 6 Millimetern fast kreisförmig bis eiförmig.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der endständige, aufrechte, dichte, schmalkegelige, anscheinend traubige oder thyrsoid zymöse Blütenstand erreicht eine Länge von 4 bis zu 30 Zentimeter und einen Durchmesser von 2 bis 5 Zentimeter. Die unteren Hochblätter sind laubblattförmig, die anderen sind klein und linealisch.

Im Juni öffnen sich die angenehm nach Honig duftenden Blüten. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier 2 bis 3,5 Millimeter langen Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen. Die vier lilafarbenen Blütenkronblätter sind zu einer etwa 1 Zentimeter langen, engen Kronröhre verwachsen mit ausgebreiteten Kronzipfeln. Sie sind im Bereich des Röhreneingangs kräftig gelb; bei der Wildform ist die restliche Blüte blaulila. Gartenformen können auch weiße, rosafarbene, purpurrote oder dunkelviolette Blüten haben. Die Narben und Staubbeutel bleiben in der Kronröhre verborgen.

Die zweiklappigen, braunen Kapselfrüchte weisen eine Länge von 5 bis 9 Millimetern und einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Millimetern auf. Die Samen sind bei einer Länge von 2 bis 4 Millimetern und einem Durchmesser von etwa 0,5 Millimetern ellipsoid, spanförmig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 76.[1]

Blütenstand mit Schmetterlingen (Distelfalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs)

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Insekten, insbesondere durch unsere bekanntesten Tagfalter und das Taubenschwänzchen. Auch Honigbienen, Hummeln und Holzbienen gehören zu den Blütenbesuchern und -bestäubern. Die Samen werden als Ballonflieger über den Wind ausgebreitet. Die Samenschale besitzt an beiden Enden blasige Gebilde, die als kleine Flügel die Windausbreitung unterstützen. Pro Jahr kann ein Exemplar ungefähr 20 Millionen Samen bilden.

Hummeln und anderen Bienen, Schmetterlingen und Taubenschwänzchen bietet der Schmetterlingsflieder eine reichhaltige Nektarquelle besonders in der blütenarmen Zeit im Juli und August.[2]

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schmetterlingsstrauch wird als wenig giftig eingestuft, wobei alle Pflanzenteile giftig sind, im Besonderen die Blätter und die Samen. Wirkstoffe sind die Glykoside Catalpol, Methylcatalpol, Aucubin und verschiedene Saponine.[3][4]

Buddleja davidii als Neophyt an Bahngleisen

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schmetterlingsflieder stammt aus China und Tibet.

Der Schmetterlingsflieder wird in den gemäßigten Gebieten weltweit als Zierpflanze verwendet. Als Gartenflüchtling etablierte sich der Schmetterlingsflieder in diesen Gebieten auch in der freien Natur. Er ist in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland ein Neophyt.[5] Der Schmetterlingsflieder gedeiht auf skelettreichen Böden gut.[6] Man findet ihn daher auf Gleisanlagen, an Bach- oder Flussufern oder auf dem Trümmerschutt in den Städten der Nachkriegsjahre.[6] Im Alpenraum findet er sein Optimum in Gesellschaften des Verbands Sambuco-Salicion.[7]

1928 wurde der Schmetterlingsflieder das erste Mal in Deutschland auf einer Kiesbank im Rhein entdeckt. Er ist eine häufig zu findende Pflanzenart entlang von Bahngleisen und auf brach liegenden Industrieflächen sowie entlang von Uferböschungen. Die nördliche Verbreitungsgrenze ist durch das Winterklima bestimmt. Bei Wintertemperaturen unter 20 Grad Minus sterben die Pflanzenexemplare in der Regel ab. Im Vereinigten Königreich und in der Schweiz wird der Schmetterlingsflieder als invasive Art bewertet, die durch ihre rasche und schnelle Ausbreitung die Tendenz habe, die Artenvielfalt zu reduzieren.[8][9]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung erfolgte 1887 durch den französischen Botaniker Adrien René Franchet [10][5] Das Artepitheton davidii ehrt den französischen Naturforscher in China und Lazaristenpater Armand David. Ein Synonym für Buddleja davidii Franch. ist Buddleja variabilis Hemsl.

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Die Unterscheidung folgender Varietäten innerhalb der Art ist strittig:

  • Buddleja davidii var. nanhoensis (Chitt.) Rehder: Syn.: Buddleja variabilis var. nanhoensis Chitt.
  • Buddleja davidii var. superba (de Corte) Rehder & E.H.Wilson: Syn.: Buddleja variabilis var. superba de Corte
  • Buddleja davidii var. veitchiana (J.H.Veitch) Rehder: Syn.: Buddleja variabilis var. veitchiana J.H.Veitch

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Buddleja davidii und seinen Sorten ist in den Parks und Gärten in den Gemäßigten Breiten auch noch der Wechselblättrige Sommerflieder (Buddleja alternifolia) verbreitet. Im Gegensatz zu Buddleja davidii blüht er an den vorjährigen Zweigen.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mario Ludwig, Harald Gebhard, Herbert W. Ludwig, Susanne Schmidt-Fischer: Neue Tiere & Pflanzen in der heimischen Natur – Einwandernde Arten erkennen und bestimmen, BLV Verlagsgesellschaft München, ISBN 3-405-15776-5.
  • Bingtao Li, Antony J. M. Leeuwenberg: Loganiaceae.: Buddleja davidii Franchet, S. 334 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 15: Myrsinaceae through Loganiaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1996, ISBN 0-915279-37-1. (Abschnitt Beschreibung)
  • Bruno P. Kremer: Strauchgehölze Erkennen & bestimmenSteinbachs Naturführer, 2002, ISBN 3-8001-4275-9.
  • Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 824.
  2. Sommerliches Hummelsterben beim NABU.
  3. Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7, S. 178–179 (Nachdruck von 1994).
  4. R. B. Duff, J. S. Bacon et al.: CATALPOL AND METHYLCATALPOL: NATURALLY OCCURRING GLYCOSIDES IN PLANTAGO AND BUDDLEIA SPECIES. In: The Biochemical journal. Band 96, Juli 1965, ISSN 0264-6021, S. 1–5, PMID 14343132, PMC 1206900 (freier Volltext).
  5. a b Buddleja davidii im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  6. a b Georg Philippi: "Buddlejaceae." In Oskar Sebald et al.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5, Seite 16. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3342-3.
  7. David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Band 2m Seite 178. Bern, Stuttgart, Wien Haupt-Verlag, 2004, ISBN 3-258-06600-0.
  8. Tanya Gupta: Buddleia: The plant that dominates Britain’s railways. BBC News, 15. Juli 2014, abgerufen am 15. Juli 2014 (englisch).
  9. Sommerflieder, Art der Schwarzen Liste. info flora, 2012, abgerufen am 31. Juli 2016 (PDF).
  10. Franchet: Nouv. Arch. Mus. Hist. Nat., sér. 2, 10, 1887, 65.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sommerflieder (Buddleja davidii) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien