Schnalstal

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Schnalstal unterhalb des Stausees, Blick auf Vernagt und Unser Frau
Das Tal oberhalb des Stausees

Das Schnalstal, auch einfach Schnals, ist ein orographisch linkes Seitental des Vinschgaus in Südtirol. Vom Etschtal aus Meran im Burggrafenamt kommend erschließt es sich rechts grob nach Nordwesten durch einen schmalen Taleingang steil bergauf. Am Beginn des 22 Kilometer langen Tales (Straße bis Kurzras) steht in exponierter Lage das Schloss Juval.

Tal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vernagt-Stausee, Panorama

Das Tal wird vom Schnalser Bach durchflossen, der im oberen Teil des Tales zum Vernagt-Stausee aufgestaut wird. In diesem Bereich werden Höchstgrenzen der bergbäuerlichen Siedlungen erreicht, die Finailhöfe (1953 m) zähl(t)en zu den höchsten Kornhöfen der Alpen.

Wie nur wenige vergleichbare Regionen zeigt das Schnalstal auf relativ geringer Entfernung Klima- und Vegetationsbereiche vom Apfel- und Weinbau bis zum hochalpinen Gletscher. Politisch gehört das Schnalstal hauptsächlich zur Gemeinde Schnals, der Taleingangsbereich zu Naturns und Kastelbell-Tschars. Im Norden und Osten gehören große Teile der Talflanken zum Naturpark Texelgruppe.

Am Talende im Wintersportort Kurzras befindet sich eine der ältesten und größten Seilbahnanlagen Südtirols, die Schnalstaler Gletscherbahnen. Das Skigebiet Schnalstal hat über 35 km Pisten und reicht von 2011 m bis 3212 m Höhe und ist Mitglied der Ortler Skiarena. Es ist teilweise ein Gletscherskigebiet, daher konnte man an einigen Liften das ganze Jahr Ski fahren, bis 2013 der Sommerskibetrieb eingestellt wurde.

Für Bergwanderer sind zahlreiche Wanderwege vorhanden. Empfehlenswert sind insbesondere die Wanderungen vom Vernagt-Stausee über den 1306 urkundlich genannten Bergbauernhof Tisenhof (1814 m) zur Similaunhütte (3019 m, privat), von Kurzras zum Schutzhaus Schöne Aussicht (Rifugio Bella Vista (2842 m), privat) und durch das Pfossental, ein nur teilweise befahrenes Seitental des Schnalstals, bis zum (eisfreien) Eisjöchl.

Am Tisenjoch, oberhalb des Schnalstals, wurde die Gletschermumie Ötzi gefunden. Zur Thematik gibt es ein Aktiv- und Freilichtmuseum, den ArcheoParc Schnals im Ort Unser Frau.

Ortschaften und Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf „Unser Frau“, rechts unten die Wallfahrtskirche
Fraktion Karthaus mit alter Klostermauer, August 2010

Alle Ortschaften im Schnalstal sind zur Gemeinde Schnals zusammengefasst:

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schaftrieb vom Hochjoch ins Schnalstal

Die Schnalstaler Gletscherbahn wurde Anfang der 1970er Jahre auf Betreiben und persönlichen Einsatz des Skigebiet-Pioniers Leo Gurschler (1947–1983) erbaut. Im Juli 1975 eröffnete die höchste Seilbahn Südtirols (Bergstation auf 3212 m).[1][2] Im Mai 1982 musste Gurschler mit seinem ebenfalls in den späten 1970er-Jahren aufgebauten Hotel- und Ferienwohnungsgewerbe Konkurs anmelden. Die genauen Umstände, die zur Insolvenz geführt haben, sind nie ganz aufgeklärt worden.[2][3]. Im Oktober 1983 nahm sich der 36-jährige das Leben.[2][4] Gurschler zu Ehren wurde im September 2007 in seinem Heimatort Kurzras ein Denkmal an ihn errichtet.[5]

Der jährlich viermal stattfindende Ötztaler Schaftrieb ermöglicht es den Schafbauern aus dem Schnalstal sowie dem Vinschgau, ihre Weiderechte im hinteren Ötztal oberhalb von Vent zu nutzen. Dabei werden im Juni und September über zwei Routen Tausende von Schafen bis zu 44 km Strecke mit 3.200 m Höhenanstieg und 1.800 m -Abstieg über den Ötztaler Hauptkamm zu den Sommerweidegebieten getrieben. Die Passage ist nicht ungefährlich für Tiere und Hirten.[6] Diese Tradition wurde 2011 von der österreichischen UNESCO-Kommission unter der Bezeichnung Transhumanz – Schaftriebe in den Ötztaler Alpen als nationales Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die italienische UNESCO führt so ein Verzeichnis vorerst nicht.

Am 27. Mai 1995 endete die 14. Etappe des Giro d’Italia im Schnalstal mit dem Sieg des Kolumbianers Oliverio Rincón.

Das finstere Tal, ein österreichisch-deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2014, der auf dem Roman von Thomas Willmann basiert, wurde im Winter 2012/2013 in wesentlichen Sequenzen in Kurzras, auf den Höfen Marchegg und Kofel, gedreht.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schnalstal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Historie eines Skigebietes in Südtirol. Abgerufen am 13. Dezember 2010.
  2. a b c Leo Gurschler und das Sportdorf Kurzras. Memorandum (PDF; 6 S., ohne Datum; 87 kB). Abgerufen am 13. Dezember 2010.
  3. Schnalstal: Pleitegeier über dem Gletscher. In: Zeit Online/Die Zeit, 9. Juli 1982. Abgerufen am 12. Juni 2011
  4. Hans Dieter Schmoll: Weltseilbahngeschichte. 1945–2000. Band 2, Steidl-Verlag, Eugendorf bei Salzburg 2000, ISBN 3-9501344-0-9, Seiten 84 und 85: „Schnalstal – oder der Gletscherkönig, der zu jung war.“ (Zitiert in alpinforum.com: Leo Gurschler und der Schnalstaler Gletscher. 15. März 2004. Abgerufen am 13. Dezember 2010.)
  5. Denkmal in Erinnerung an Leo Gurschler. In: Der Vinschger, 30/07, 5. September 2007. Abgerufen am 13. Dezember 2010.
  6. Karl-Heinz Rochlitz: Schnalstal. Tappeiner Verlag.
  7. Elke Wasmund, Django Alpinus (Memento vom 5. Januar 2016 im Internet Archive), Der Vinschger Wind, Heft 5, 2013, 7. März 2013, S. 18 f.

Koordinaten: 46° 42′ 25,3″ N, 10° 54′ 36,4″ O