Schneeferner

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Schneeferner
Der Nördliche Schneeferner sowie Reste des Südlichen Schneeferners (links) Ende Juli 2006

Der Nördliche Schneeferner sowie Reste des Südlichen Schneeferners (links) Ende Juli 2006

Lage Bayerische Alpen, Deutschland
Gebirge Wettersteingebirge
Fläche 0,179 km² (2018)[1]
Exposition Ost
Höhenbereich 2686 m ü. NHN – 2560 m ü. NHN (2018)[1]
Neigung ⌀ 14° (25 %)
Eisdicke ⌀ 10,6 m , max. 33 m (2018)[2][1]
Eisvolumen 1,79 Millionen m³ (2018)[1]
Koordinaten 47° 24′ 50″ N, 10° 58′ 30″ OKoordinaten: 47° 24′ 50″ N, 10° 58′ 30″ O
Schneeferner (Bayern)
Entwässerung Partnach, Loisach, Isar, Donau
Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/Bildbeschreibung fehlt

Der Schneeferner ist ein Gletscher in den Bayerischen Alpen. Er befindet sich auf dem Zugspitzplatt, einer von West nach Ost abfallenden Hochfläche südlich des Zugspitzgipfels, die den Talschluss des Reintals bildet. Die Schmelzwasser des Gletschers versickern in der verkarsteten Hochfläche und treten im Reintal wieder an die Oberfläche, wo sie die Partnach speisen. Der Schneeferner ist einer der nördlichsten Gletscher der Alpen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende der Kleinen Eiszeit im 19. Jahrhundert bedeckte ein großer Gletscher, der Plattachferner genannt wurde, fast das gesamte Zugspitzplatt zwischen dem Jubiläumsgrat und den Plattspitzen. Er hatte damals eine Ausdehnung von etwa 300 ha[3] und hinterließ bei seinem Rückzug große, bis heute sichtbare Moränen.

Historische Karte mit "Terrainzeichnung" von 1826

Von etwa 1860 bis in die 1950er-Jahre hinein verlor er jährlich ungefähr 23.000 m² an Fläche und schrumpfte so auf 60 ha zur Jahrtausendwende (→ Gletscherschwund seit 1850).[4] Dabei spaltete er sich um 1900 in einen nördlichen und einen südlichen Teil; vom nördlichen Teil trennte sich später noch der unterhalb des Zugspitzgipfels gelegene Östliche Schneeferner ab, der inzwischen ganz verschwunden ist.

Danach war der flächenmäßige Rückgang weniger drastisch; insbesondere die verbliebenen Teile des Nördlichen Schneeferners neigen aufgrund ihrer Lage in einem Becken eher zum Einsinken der Oberfläche. Zwischen 1965 und 1968 sowie zwischen 1974 und 1980 führten gletschergünstige Phasen sogar zu einer Aufwölbung des Gletschers[5]; beim Südlichen Schneeferner waren auch deutliche Flächenzuwächse zu verzeichnen[3].

Die globale Erwärmung hat dazu geführt, dass auf der Zugspitze seit 1990 durchweg überdurchschnittliche Sommertemperaturen zu beobachten waren.[6] Schädlich für die Gletscher sind dabei vor allem die dadurch immer seltener werdenden sommerlichen Schneefälle, die durch die steigende Albedo die Energieaufnahme des Gletschers verringern und das Abschmelzen unterbrechen.

Seit 1980 befinden sich die Gletscher auf dem Zugspitzplatt wieder auf dem Rückzug. Bis 2003 schmolzen jährlich im Durchschnitt etwa 80 cm Eis. 2006 bedeckten die beiden verbliebenen Gletscher noch eine Fläche von 39 ha[3]; dazu kamen noch ein paar kleinere Firnfelder. Bei anhaltender Schmelze wären die Gletscher auf dem Zugspitzplatt irgendwann zwischen 2015 und 2030 verschwunden.[7] Nach dem Hitzesommer 2015 berichtete der Münchner Glaziologe Wilfried Hagg, dass der Gletscher weiter eingesunken sei und einige noch im Vorjahr eisbedeckte Hänge jetzt eisfrei seien. Beim Anhalten der (damaligen) Schmelzrate würde es aber noch 2050 Eisreste auf dem Zugspitzplatt geben.[8]

Im Jahr 2018 verblieben noch, in Summe, knapp 18 ha, wovon etwa 10 % auf den Südlichen Schneeferner fielen. Die Verluste des Südlichen Schneeferner fielen zuletzt im Vergleich zu den anderen deutschen Gletschern etwas geringer aus, weil seine Reste Schneedepot der Zugspitz-Gletscherbahn sind. Dennoch wird er, dem Bayerischen Gletscherbericht des Jahres 2021 zufolge, in wenigen Jahren verschwunden sein.[1]

Nördlicher Schneeferner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlicher Schneeferner
Nördlicher Schneeferner im September 2009

Nördlicher Schneeferner im September 2009

Typ Kargletscher
Länge 0,85 km [5]
Fläche 0,161 km² (2018)[1]
Exposition Ost
Höhenbereich 2686 m – 2588 m (2018)[1]
Neigung ⌀ 14° (25 %) [5]
Breite max. 2,8 km
Eisdicke ⌀ 10,6 m; max. 33 m (2018)[1]
Eisvolumen 1,71 Millionen m³ (2018)[1]
Koordinaten 47° 24′ 50″ N, 10° 58′ 30″ O
Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/Bildbeschreibung fehlt
Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/POSKARTE unterdrückt

Der Nördliche Schneeferner ist mit einer Fläche von etwa 16 ha (Stand 2018) der zweitgrößte deutsche Gletscher. Mit einer mittleren Höhenlage von 2.630 m liegt er auch höher als die anderen deutschen Gletscher Höllentalferner, Watzmanngletscher und Blaueis. Seine Eisdicke wurde im Jahr 2018 im Durchschnitt mit 10,6 m bestimmt; an der mächtigsten Stelle waren es 33 m. Der Ferner verläuft von Westen nach Osten und hat insbesondere im unteren Bereich nur eine sehr geringe Neigung. Nördlich vom Gletscher befindet sich der Grat von der Zugspitze zum Zugspitzeck; im Westen reicht er fast bis zur breiten Schneefernerscharte. Nach Osten und Süden zu ist er offen; auch der Schneefernerkopf im Südwesten kann ihm im Sommer nur wenig Schatten spenden.

Der Gletscher wird vor allem durch Niederschlag genährt, der direkt auf seine Oberfläche fällt; dazu kommt noch Schnee aus Lawinen, die aus den Felsen des Zugspitzecks und des Schneefernerkopfs niedergehen. Die Geschwindigkeit, mit der sich der Gletscher fortbewegt, beträgt im mittleren Bereich nur 25 bis 30 cm pro Jahr[5]; Massetransport in tiefere Lagen findet also kaum statt. In den steilen Flanken des Schneefernerkopfs kann die Fließgeschwindigkeit aber auch mehrere Meter pro Jahr betragen. Hier ist der Gletscher allerdings in den letzten Jahren fast völlig verschwunden bzw. seine Reste von Geröll überdeckt, und es findet kaum noch Akkumulation statt.

Bewirtschaftung des Gletschers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute steht der Nördliche Schneeferner im Zeichen des Wintersports. Seit 1955 wurden fünf Liftanlagen auf der Eisfläche errichtet, die das einzige deutsche Gletscherskigebiet bilden; einst war hier sogar Sommerskilauf möglich. Die natürliche Entwicklung des Gletschers musste sich dem unterordnen. Durch das Heranschaffen von Schnee aus umliegenden Gebieten nimmt die Eisdicke seit 1990 in einzelnen Bereichen zeitweise wieder zu.

Seit 1993 werden bestimmte Bereiche des Gletschers über den Sommer mit Planen abgedeckt, um das Eis und den Schnee des Winters vor Sonneneinstrahlung und Regen zu schützen. Im Jahr 2007 wurden 9.000 m², also knapp 3 % des Gletschers abgedeckt; in den Jahren davor waren es 6.000 m².[9] Man verspricht sich davon, die Ausaperung von Felsen, die den Wintersport erschweren könnten, so lange wie möglich hinauszuzögern. Auf die Lebensdauer des Gletschers hat das allerdings kaum Auswirkungen, weil das so gewonnene Eis nur etwa 1 % des Verlusts ausgleicht, der in den ungeschützten Bereichen des Gletschers zu erwarten ist.[10] Zudem werden bevorzugt die Bereiche abgedeckt, in denen der Gletscher unter natürlichen Bedingungen am schnellsten verschwunden wäre.

Der Gletscher im Rekordsommer 2003[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An heißen Tagen sinkt die Eisfläche des Nördlichen Schneeferners um bis zu 11 cm ein. Im August 2003 gab der Gletscher dabei 35.000 m³ Wasser täglich ab[7], was etwa einem Zehntel des durchschnittlichen Wasserverbrauchs von München entspricht. Experten bezeichnen dieses enorme Abschmelzen des Eises als Gletscherrauschen (welches die Schmelzwasserbäche erzeugen).

Südlicher Schneeferner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlicher Schneeferner
Südlicher Schneeferner Ende August 2003

Südlicher Schneeferner Ende August 2003

Typ Firnfeld
Fläche 1,7 ha (2018)[1]
Exposition Nordost
Höhenbereich 2621 m – 2560 m (2018)[1]
Eisdicke ⌀ 1,3 m; max. 10 m (2018)[1]
Eisvolumen 0,08 Millionen m³ (2018)[1]
Koordinaten 47° 24′ 8″ N, 10° 58′ 23″ O
Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/Bildbeschreibung fehlt
Vorlage:Infobox Gletscher/Wartung/POSKARTE unterdrückt

Der Südliche Schneeferner bedeckte einst den gesamten südwestlichen Teil des Zugspitzplatts. 2015 war von ihm nur noch eine Fläche von weniger als 4 ha erhalten. Seine 2006 ermittelte Eismächtigkeit war mit durchschnittlich weniger als 5 m ebenfalls nur noch sehr gering. Zum Ende des 20. Jahrhunderts hat sich der Gletscher in einen südöstlichen Teil unterhalb vom Wetterwandeck und einen nordwestlichen Teil unterhalb der Wetterspitzen, der danach in die letzte verbliebene größere Eisfläche und mehrere kleinere Firnfelder zerfallen ist, aufgespalten. Im Jahr 2018 waren noch 1,8 ha Fläche mit einer durchschnittlichen Dicke von 1,3 m übrig.[1] Diese Reste kann man heute nicht mehr als Gletscher bezeichnen. Es ist zu vermuten, dass auch sie in wenigen Jahren komplett abgeschmolzen sein werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schneeferner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n Christoph Mayer, Wilfried Hagg, Markus Weber, Astrid Lambrecht: Zukunft ohne Eis – Zweiter Bayerischer Gletscherbericht: Klimawandel in den Alpen. Hrsg.: Bayerische Akademie der Wissenschaften, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. April 2021 (bayern.de).
  2. Dickenangaben beziehen sich auf den Nördlichen Schneeferner
  3. a b c bayerische-gletscher.de
  4. H. Escher-Vetter: Zum Gletscherverhalten in den Alpen im zwanzigsten Jahrhundert. In: Deutscher Wetterdienst (Hrsg.): Klimastatusbericht 2001.
  5. a b c d Die Entstehung des Zugspitzmassivs und seiner Gletsche (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive), Information der Bayerischen Zugspitzbahn
  6. Wetterwarte Garmisch-Partenkirchen / Zugspitze 1900 bis 2006 (PDF; 5,9 MB), DWD
  7. a b Informationen zum Gletscherschwund – Gletscherschwund und Klimawandel an der Zugspitze und am Vernagtferner (Ötztaler Alpen) (Memento vom 23. April 2009 im Internet Archive), Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 2003
  8. Wie der Rekordsommer Bayerns Gletschern zusetzt. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Oktober 2015
  9. Gletscherabdeckung 2007 (Memento vom 30. Mai 2007 im Internet Archive), Bericht der Bayerischen Zugspitzbahn
  10. Information der Kommission für Glaziologie zur Gletscherabdeckung 2007 (Memento vom 23. April 2009 im Internet Archive)